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Ein Sonntag im Caravan Park

Am Sonntag morgen finden wir uns zum Taizé-Singen in einem schönen Raum des Community Centers im Park. Etwa 60 Leute sind zusammengekommen. Wir singen, tanzen, meditieren. Die Gesänge gehen uns so tief, dass einigen von uns, einschliesslich mir, die Tränen herunterkullern. Wir geraten in eine Art Trance der Hingabe. Das ist unbeschreiblich, man kann es nur erleben, wie so vieles in Findhorn.

Meine alte Freundin Barbara Swetina ist auch da und gestaltet mit. Sie hat das Taizé-Singen nach Findhorn gebracht, sie ist die musikalische Seele des Ganzen, wie mir scheint. Sie stammt aus Österreich und bewohnt mit ihrem Mann ein schönes Haus im Zentrum des Parks.
Mit ihren Sing-Kursen bereist sie die Welt. Sie ist eine Art musikalischer Botschafterin.

Wir treffen uns anschliessend beim Essen. Ich stelle ihr zunächst meine unvermeidliche Frage nach dem HQ, den sie für die Gemeinschaft mit sechs beziffert.
Andere am Tisch bekommen das mit. Die Schweizerin Monika, die etwa seit 13 Jahren hier ist, protestiert:
„Aber nein, wie kommst du darauf! Der HQ ist viel höher, sonst wäre ich nicht hier!“
Ich unterhalte mich daraufhin mit Monika, die einen sehr motivierten Eindruck macht.

Barbara gibt zu, dass in den letzten Jahren schon einiges verbessert worden ist. Inzwischen ist es akzeptiert, dass man vor einer Sitzung mal ein Lied anstimmt oder eine Einstimmung macht. Früher hiess es immer: Hier wird gearbeitet, hier ist kein Ort für Spass!
Mit Barbara diskutiere ich über die Hingabe. Ich habe auf meinen Reisen festgestellt, dass z.B. asiatische Völker einen hohen Grad der Hingabe besitzen. In Europa ist Hingabe fast ein Fremdwort. Aber hier in Findhorn ist sie zu spüren. Die meisten Mitglieder haben sich tief verpflichtet, sie haben sozusagen einen inneren Eid geschworen. Dieser innere Eid ist auch formuliert im „Common Ground“, in einem Text zu den gemeinsamen Grundüberzeugungen.

Führung durch den Park

Graham, ein Australier, der seit sechs Jahren hier lebt, führt uns am Nachmittag durch den Park. Er ist als Architekt und Techniker verantwortlich für die Bauten.
Eindrucksvoll ist die neue Häcksel-Heizung. Hinter der Universal Hall befindet sich die Zentrale. Von dieser Zentrale aus werden ca. 13 Gebäude geheizt. Die Heizung mit Biomasse ist um ein Vielfaches billiger und ökologischer als andere Heizformen mit nicht erneuerbaren Energien.
Wir gucken in den riesigen Behälter mit gehäckseltem Holz.
„Im Winter kommt jede Woche ein Lastwagen aus der Gegend von Forres. Eine Ladung kostet 200 £. Damit können wir all diese Gebäude heizen, inklusive die Universal Hall und das Gemeinschaftszentrum“.
Auffällig ist, dass aus dem Kamin fast kein Rauch kommt. Graham erklärt uns den Grund: Er hat aus Finnland eine „Russ-Schleuder“ kommen lassen. Der Rauch wird spiralförmig durch die Schleuder geblasen, so dass die Russpartikel an die Wand geschleudert und gesammelt werden, und auf diese Weise nicht in die Luft geraten.

Findhorn ist stolz auf seinen niedrigen „Carbon Footprint“, den „ökologischen Fussabdruck“. Dieser beträgt nur 50 % des Durchschnitts in Grossbritannien. Und in diesem Faktor sind sogar die Abgase der Flüge einberechnet, die von den Gästen nach Findhorn unternommen werden. Der ökologische Aspekt hat beim Hausbau höchste Priorität, und alternative Energien kommen voll zum Zug.

Ein Höhepunkt der Führung ist Grahams Haus, das er selbst gebaut hat. Da er ein Mitarbeiter der Stiftung ist, gibt es für ihn keinen Besitz. Das ist ein klösterliches Element: Die Mitarbeiter der Stiftung bekommen Unterkunft, Verpflegung und eine kleine Entlöhnung. Sie können sich die Unterkunft nicht selbst aussuchen – man stimmt sich in einer Gruppe darauf ein.
„Als ich das Haus – es ist eigentlich ein Häuschen – gebaut habe, wusste ich noch nicht, ob ich dann auch selber darin wohnen kann. Das war eine gute Übung im Nicht-Anhaften!“
Das Haus ist wunderschön, von Licht durchflutet. Graham hat ein spezielles, lichtdurchflutetes Material gefunden, mit dem er beispielsweise den Flur gedeckt hat. Er ist offensichtlich ein Tüftler und Perfektionist, denn in dem Häuschen blitzt alles vor Sauberkeit – eine ästhetische Symphonie im Grünen!

Informationen aus dem Feld

Am Sonntag nachmittag werden wir in ein Gebäude im Park eingeladen, um weitere Informationen über die Gemeinschaft zu erhalten.
Dürten Lau ist eine der beiden Listener Conveners (Zuhörer – Zusammenfüger) der NFA (New Findhorn Association) und berichtet bei einer Präsentation im Park über die Zusammenhänge. Sie beginnt bei Gott und den Ursprüngen der allerersten Zeit. Die erste Institution war die Findhorn Foundation (FF), die mit ihren wunderbaren Riesen-Kürbissen und göttlichen Eingebungen Menschen aus aller Welt anzog. Ende der 70er-Jahre verliess Peter Caddy die Gemeinschaft. In den 80er und 90er Jahren kamen vermehrt Menschen von aussen, die nicht mehr Mitglieder der FF waren und sich selbst versorgten. In den 90er Jahren gab es deswegen einige Spannungen, weil die „Aussenstehenden“ sich ausgeschlossen fühlten, und die Foundation-Leute sie nicht richtig integrieren konnten.
Mit der Gründung der NFA hat sich das geändert, und nun ist die äussere Gruppe sogar grösser als die Foundation, und sie haben Verantwortung übernommen. Die NFA ist somit die eigentliche Gemeinschaft, und die Foundation ist nur ein Teil von ihr.

Einige Herren stellen nun ihre Sache dar. Herausragend ist sicher Randy mit einer brillanten, strahlenden Präsentation seines Zentrums für Schönheit. Er hat 1 Million £ gespendet bekommen, und er will das Schönheitsideal von Athen und der italienischen Renaissance wieder beleben.

Robin Alfred ist der Präsident des Stiftungsrats der Foundation. Er informiert uns über Spannungen im Hintergrund im Zusammenhang mit Finanzen und mit der Vielzahl von Initiativen.

Einige weitere grosse Projekte werden uns vorgestellt, u.a. der Laden, der zu einem Restaurant und Café vergrössert werden soll, und das riesige Wohn-Projekt Dunelands, das wir am Nachmittag schon besichtigt haben.

Bei der Fragenbeantwortung melde ich mich zu Wort und berichte von meinem Spassometer. Meine Frage löst Heiterkeit aus, aber ich bekomme keine konkreten Zahlenangaben von diesen führenden Leuten der Gemeinschaft. Allerdings gibt Dürten Lau ein Statement ab, in dem sie ihre Lebensfreude schildert und sagt, dass ihr die Arbeit und das Leben in Findhorn sehr grosses Vergnügen bereiten.

Die Eingebungen von Eileen Caddy sprachen von einer Gemeinschaft des Lichts, die zu einem Dorf und schliesslich zu einer Stadt des Lichts werden soll. Die Menschen hier haben den Eindruck, dass jetzt gerade der Übergang von der Gemeinschaft zum Dorf stattfindet. Es sieht fast so aus!

Mir hat ein Zitat besonders gefallen, aus den Artikeln über Nachhaltigkeit. Es ist gleichzeitig auch eine Gesetzmässigkeit der Permakultur. Hier ist es:

„Wenn es nicht Spass macht, ist es nicht nachhaltig“.

Weitere Infos aus dem Feld

Einige Tage später bekommen wir noch mehr Infos, diesmal insbesondere über die Findhorn Foundation.

Hauptpunkte:

Sie haben Projekte für „Jugendliche ohne Zukunft“ und für Behinderte kreiert, mit dem Titel „Building Bridges“.

Für Besucher gibt es neben der bewährten „Erfahrungswoche“ (auch auf Deutsch, ab 7.  Juli und ab 20. Oktober) interessante Programme für Leute, die sich intensiver auseinandersetzten wolllen.

So etwa das „Findhorn Intensive“. Es ist ein Programm über einen Zeitraum von 18 Monaten. Innerhalb dieser Zeit kommt man sechs mal für eine Woche nach Findhorn. In den Zwischenzeiten kann man die Inspirationen im eigenen Umfeld umsetzen.
Oder das LEAP (Living Education Apprentice Program). Für LEAP muss man schon einige Vor-Programme gemacht haben. Dann bleibt man für drei Monate oder mehr in einem der Service Department und zahlt dafür pro Monat ca. 300 – 450 Fr, Verpflegung und Unterkunft inbegriffen. Das LEAP ist notwendig, um später als Mitarbeiter in der FF aufgenommen zu werden.

Die moderne Technologie wird eingesetzt. So gibt es Video-Konferenzen und Video-Streams. David Spangler, ein wichtiger Impulsgeber in den 70er-Jahren, lebt in den USA. Man holt ihn per Video-Konferenz in den Saal, er kann einen Vortrag halten, man kann Fragen stellen.
Umgekehrt werden wichtige Events von Findhorn aus live in die Welt gesandt. Man kann also an einem Ereignis in Findhorn auch von der Schweiz aus teilnehmen.

 

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Ein Kommentar zu “15 Findhorn 2

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