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Visionen für die Schweiz! Warum nicht?

2011 habe ich ein Buchprojekt begonnen mit dem Titel „Die Schweiz der Zukunft“. Ich habe es dann beiseitegelegt, wegen der Vielzahl meiner Projekte. Jetzt ist es wieder aufgetaucht, und ich habe Freude daran. Es soll ein Teil meiner „Welt-Philosophie“ werden, im Zusammenhang der „spirituellen Gestalt von Ländern“.

Hier folgt die Einleitung, und in Kürze kommen die 20 Seiten, die ich bereits 2011 geschrieben hatte.
Es lebe die Schweiz! 🙂

Einführung

Menschlich ist eine Gemeinschaft erst dann, wenn sie einen gemeinsamen Geist, eine gemeinsame Beseelung, einen Gemeinwillen entwickelt hat, der als solcher in allen Teilnehmern lebendig ist und diese hebt, kräftigt und bestärkt.

Heinrich Rombach

Die neue Schweiz, philosophisch gesehen. Gibt es etwas Philosophisches an der Schweiz? Aber sicher! Der Philosoph, der hier schreibt, nennt sich auch Narrosoph, und das bedeutet: ein lachender, etwas närrischer Philosoph. Daher wird dieser Text sowohl ernste als auch nicht so ernste Gedanken enthalten. Der Narrosoph darf, wie früher der Narr, die Wahrheit sagen. Und das wird er auch tun.

Die Schweiz hat gute Chancen für eine Philosophie und für Erneuerung. Sie ist einzigartig in ihrer Geschichte, ein Unikum, ein Unikat. Sie basiert auf einer Idee, und das ist selten. Sie entwickelte spezielle politische Strukturen. Und sie hat keine Vision.
So entsteht möglicherweise eine Lücke für Kreativität, und in diese Lücke werde ich springen.

Eine Philosophie der neuen Schweiz ist mir bisher nicht begegnet. Und nur selten eine speziell schweizerische Spiritualität. Als Globetrotter habe ich Länder mit spiritueller Ausrichtung gesehen, das hat mich fasziniert. Kann die Schweiz sich philosophisch und spirituell neu erfinden? Will sie das? Sie wäre wirklich neu, wenn sie das Neu-Erfinden als Spiel geniessen würde.

Rolf, Schweizer, 60-jährig, sagte kürzlich in einem Gespräch: Die Schweiz ist auf hohem Niveau blockiert. Vielleicht kann man den Zustand so lassen, wie er ist. Blockiert muss nicht unbedingt negativ sein, es kann auch „ruhig“ bedeuten. Trotzdem wirkte Rolf bei dieser Aussage nicht glücklich. Er betonte, dass die Schweiz in seiner Jugendzeit ein wahres Paradies gewesen sei: „Wir konnten mal jobben, dann wieder geniessen, und wieder jobben; es war so einfach! Da war alles da. Ich weiss nicht, ob wir jemals wieder dieses Niveau der Freiheit erreichen werden.“

Ich lebe als Deutscher – besser gesagt als Bayer – seit 30 Jahren in der Schweiz. Ich beziehe meine Erfahrungen ein, und ich beschreibe, was ich heute sehe und wahrnehme.

Meine Nähe zur Schweiz wird dadurch erhöht, dass ich mit einer Schweizer Frau verheiratet bin. Dadurch ist mir die Schweiz auch bei den fernsten Reisen sehr nah. Wenn sie ihren Bikini ein „Badkleid“ nennt, dann weiss ich, was in den Augen einer Schweizerin Sache ist. Sie spricht Schweizerdeutsch mit mir, besser gesagt Bärndütsch, und noch heute, nach all diesen Jahrzehnten, erfahre ich neue Worte. Da sie über beträchtliche Phantasie verfügt, weiss ich manchmal nicht, ob diese Wörter tatsächlich existieren. Zum Beispiel spricht sie manchmal davon, dass etwas sie „dubedänzig“ macht. Ich habe inzwischen erfahren, dass das Wort existiert. Aber sie sagte kürzlich, dass ich „umepfize“, weil ich schnell hinter ihr vorbeiging. Dieses Wort wurde zugegebenermassen von ihr in diesem Moment erfunden und verdeutlicht die Lebendigkeit der Sprache. Während in Deutschland oder Frankreich Sprache festgelegt und es eine halbe Todsünde ist, wenn man ein Wort falsch schreibt oder gar ein neues erfindet, ist der Schweizer darüber erhaben und erfindet neue. Zumindest Christina.

Gibt es heute noch so etwas wie eine Staatsphilosophie – und gar eine speziell Schweizerische? Plato hat in seinem Werk „Der Staat“ die Idee der Gerechtigkeit entwickelt. Dies nur als Beispiel einer Grundidee für einen Staat.
Zum Thema der inspirierten Demokratie, und damit der Staatsphilosophie, schreibt Heinrich Rombach:

Wir meinen, dass auch in der Demokratie Geist und Begeisterung ihre Berechtigung, ja Notwendigkeit haben. Treibt man dergleichen aus, so bleibt nicht etwa die ‚reine Vernunft’ übrig, sondern es macht sich ein anderer Geist breit, der platteste, den man sich denken kann, der Geist des Konsums.

Wie kommen wir zur begeisterten, zur geist-erfüllten Demokratie? Oder ist die Schweiz schon dort? Hier eine sehr kleine Umfrage (bitte ankreuzen, was für Sie stimmt):

Die Schweiz ist eine begeisterte, leuchtende und heitere Gemeinschaft.
Die Schweiz ist gerecht und sauber.
Die Schweiz ist ungerecht und langweilig.

Worum geht es mir?

Ich versuche, das eigentliche Wesen der Schweiz zu erfassen. Dabei benutze ich geschichtliche und literarische Quellen. Ich beziehe aber auch Gespräche, Interviews und mein persönliches Gefühl mit ein. Diese intuitive Vorgehensweise bezieht neueste wissenschaftliche Erkenntnisse mit ein, welche besagen, dass es keine objektive Realität gibt. Vielmehr schafft sich jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit. So ist denn ein Empfinden durchaus ein Wahrheitsfaktor.

Wäre ich ein Schweizer, ich könnte mit Schiller, Wilhelm Tell, sagen:

„Sind auch die alten Bücher nicht zur Hand,
Sie sind in unsre Herzen eingeschrieben.“

Das will heissen, dass man nicht alle Bücher, Abhandlungen und Geschichten über die Schweiz gelesen haben muss, um sie zu verstehen. Christina fühlt sich mit jedem Schweizer auf eine geheimnisvolle Art verbunden. Diese Verbundenheit bezieht sie nicht aus Büchern, sondern aus dem Herzen, wie Schiller so hellsichtig sagt.

Ich versuche, das Wesen, den „Geist“ der Schweiz, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sehen. Dabei bediene ich mich verschiedener, auch ungewohnter Perspektiven: Ich vergleiche die Schweiz mit der Insel der Götter, Bali. Ich spreche mit Menschen, die in ihrer Arbeit und in ihrem Bewusstsein schon einen Schritt in die Zukunft getan haben. Ich rufe Persönlichkeiten in Erinnerung, die wegweisend waren: Niklaus von der Flüe, Werner Zimmermann, Jean Gebser. Ich gehe auf den Gründungsmythos des Wilhelm Tell ein.

Die Schweiz ist inspirierender, als viele glauben! Als Globetrotter habe ich Länder gesehen, die viel spiessbürgerlicher und langweiliger sind. Ich erlebe die Schweizer Bürokratie als hilfreich und kooperativ. Es gibt in vielen Bereichen eine schöne Kreativität und philosophische Offenheit. Schon jetzt ist die Schweiz ein Sammelbecken für Neues, für Psychologie, Philosophie, Spiritualität, wirtschaftliche Experimente. Ich wünsche mir, dass das noch stärker wird, und dass es mit begeistertem Bewusstsein gestaltet wird.
Es ist der Sinn dieses Buches, die guten Ansätze zu zeigen und zu weiteren Taten zu motivieren.

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2 Kommentare zu “Die Schweiz der Zukunft

  1. Lieber Ronaldo
    Die Schweiz. Herrlich erfrischend deine Gedanken als Text zu lesen. Sind sie damit doch bereits einen Schritt näher in der Materiellenwelt angekommen und haben an Einfluss gewonnen. Denn die aktuelle Schweiz, zeigt sich mir ähnlich einer erkaltenden Mich. An der Oberfläche bildet sich langsam durch das erkalten in ruhigem Zustand, ein Deckel. Im Kern bleibt es noch warm, zumindest eine Zeitlang. So wünsche ich deinen Gedanken, dass sie die Schweizer Milch in Bewegung bringen, durchmischen und so vor einem zu dichten Deckel bewahren. Her mit der Kehle. ;-))
    Rührfarbenfroh grüsst dich
    Stefan Leuenberger

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