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Christina Fleur de Lys

von Alicante nach Quito

Ich stehe früh um fünf Uhr dreissig auf, visualisiere in grosser Vorfreude diesen bevorstehendenTag mit der wunderbaren Reise!
Diesmal klappt alles bestens, trotzdem fühle ich eine innere Spannung, die jedoch um die ebenfalls vorhandene Gelassenheit weiss. Ich quantle meinen Körper im voraus in die schwindelerregenden Höhen des bevorstehenden Fluges und fühle mich wohl, obwohl ich noch immer verschnupft bin. Ich möchte, dass meine Körperintelligenz sich auf diesen Tag vorbereitet, ich visualisiere und spüre eine begeisterte Ankunft in Quito. Ich schicke meinen Körper sozusagen voraus, damit er sich an die Zeitumstellung und an die 2700 Höhenmeter von Quito anpassen kann. Diese Anpassung soll sich im Flug materialisieren, so dass ich von Anfang an ganz präsent bin.

Ich liebe Langzeitflüge, sie sind zeit- und raumlos, weit und ruhig, ich schwebe im Universum, tief beeindruckt von all den Kräften, die am Wirken sind. All die Menschen, in die Form des Flugzeugs gepresst, verbinden sich zu einem Gemeinschaftskörper, der einem Ziel entgegensieht. Ich höre klassische Musik während ich über den Ozean fliege. Das Jubeln der himmelsnahen Geigen und Flöten passt bestens.

Ich fliege auf 10 000 Meter Höhe mit einer Geschwindigkeit von 800 Stundenkilometern.

Nach etwa vier Fünftel der Reise bewegen sich plötzlich mehrere Köpfe in Richtung Fenster, da muss was zu sehen sein. Ich schleiche auf Wollsocken durchs Flugzeug, um mir einen Blick nach draussen zu verschaffen – leider haben wir keinen Fensterplatz.

Nun entdecke ich eine Ecke in der Businessklasse, eine Lücke hinter dem hintersten Liegesitz mit Fenster, grad knapp breit genug, dass ich mich auf den Knien hineinzwängen kann. Der Blick wie auch die Stellung sind atemberaubend. Meine Haltung auf den Knien ist die einzige, die dieser Schönheit gebührt.

Unendlichkeit von Himmel und Erde, die sich berühren und eins werden. Kleine flockige Wolken, die ihre Schatten auf die Erde werfen. Wolken wie Quantenfelder von Potenzialen, die auf die Materie wirken, eine wunderschöne Metapher für meine Vorstellung von Energiefeldern, alles ist durchlässig, in Wechselbeziehung zueinander, sich formend wie Mann und Frau, wie Geist und Materie. Erste sanfte Flächen erheben sich aus dem Wasser, so stelle ich mir Leben auf Sirius vor, es folgen weite, schroffe, unbelebte Berge im Wechsel mit quadratisch angelegten bewirtschafteten Feldern. Nun folgt eine wüstenähnliche Landschaft mit vielen Flüssen. Wir fliegen über Venezuela.
Kein Fluss fliesst gerade, manchmal scheinen sie sich auch wieder sinnlos rückwärts zu bewegen, formen offene Herzen, lieblich weich, sie verzieren die Landschaft. Genau so stelle ich mir meine Reise vor. Mit offenem Herzen werde ich mich in dieser neuen Welt bewegen und sie durch meine Bewunderung und Freude bereichern.

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2 Kommentare zu “Langzeitflug

  1. Liebe Christina, lieber Rolando!

    Da packt mich grad das alt bekannte „Fernweh und Reisefieber“!
    Doch wie Christian schreibt, man kann echt mitfliegen, in eine Gegend welche mir nicht ganz unbekannt ist! Deine Beschreibung ist so lebendig, andächtig und schön, nimmt einem grad mit!
    Wunderbar! hab ganz herzlichen Dank! Auch ich kenne diese Gefühle! Es ist echt ein Geschenk, daran teilnehmen zu können,wenn einem Lebensaufgaben in der Schweiz behalten.

    Alles erdenklich Liebe und Gute für Eure neuen Entdeckungen!

    Herzlichst, Monika Suntheim

  2. Liebe Christina, lieber Rolando
    Danke für die wunderbare Visualisierung Eures Fluges. Ich bin mitgeflogen, habe alles miterlebt, kenne diese Gefühle. Happy landing und alles Gute
    Christian

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