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von Christina Fleur de Lys

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon in der Vorstellung, mich ins Abseits der Zivilisation und zugleich in die Fülle der Natur zu begeben.
Ich habe mich an Zivilisation gewöhnt, sie scheint mir eine Sicherheit zu geben, in ihr kenne ich mich aus. All dies ist in der Fülle der Natur nicht der Fall, ich befinde mich in einer scheinbaren Unsicherheit. Dies macht mich wach, neugierig und lebendig. Ein intensives Gefühl durchströmt mich.
Die zwei Stunden Busfahrt von Tena (Ecuador) Richtung Dschungel bringen mich in Gegenden, wo ich mir bis jetzt noch nie einen menschlichen Alltag vorgestellt habe. Dieser existiert ganz offensichtlich. Die Strasse ist schon längst nicht mehr geteert; eine holprige, löcherige Steinstrasse wird manchmal schmal, fällt seitlich schroff ab in Gräben. Ein Wunder, dass hier überhaupt noch ein Fahrzeug wie unser altmodischer Bus fahren kann. Nur vereinzelt begegnen uns andere Fahrzeuge wie Pick-ups oder andere vierradangetriebene Vehikel.
Noch seltener sehen wir Hütten aus Holz, mit Dächern aus verschiedenen Pflanzenwedeln gebunden, meist ohne Fensterglas, jedoch mit einer Wäscheleine voller bunter Kleider. Hier steigen einzelne Menschen aus dem Bus. Hühner picken am Boden rund ums Haus alles, was sie picken können, Hunde streunen auf der Strasse, Kinder stehen am Strassenrand.
Ein Leben um des Lebens willen. Erfolg, Ziele, und andere Wichtigkeiten unserer Zivilisation scheinen hier weit gefehlt. Sein und Überleben sind das Credo dieser Menschen.

Da nehme ich mir eine spirituelle Nase voll. Sicher würde ich mich x-mal am Tag fragen, was ich denn hier machen soll….würde keine Bücher finden, von Internet keine Rede. Der Urwald ist ein einziges Sein. Plötzlich hält der Bus und der Fahrer gibt uns ein Zeichen auszusteigen. Jetzt gilt es ernst, die Reise wird mit dem Kanu fortgesetzt, ich lache innerlich, so toll, richtig abenteuerlich!
Wir wandern mit unserem Gepäck ans Flussufer und warten aufs Kanu. Motoristas werden die Fahrer hier genannt. Da erscheint aus dem Nichts ein etwa dreijähriges Mädchen mit einer kaputten Styroporkiste. Sie erinnert mich an Mogli, den Urwaldjungen. Ganz keck und selbstverständlich steigt sie mit nackten Füssen, die Kiste hinter sich her ziehend, durchs Gebüsch an den Rand eines kleinen Seitenflusses und legt sich gemütlich in ihr weisses Schiffchen. Träumend liegt sie hingegossen nahe der Gefahr des reissenden Flusses Napo. Zum Glück wird sie ziemlich schnell von ihren älteren Geschwistern zurückgeholt. Die Idylle ist zwar gestört, das Kind jedoch in Sicherheit. Ich bin froh, denn nun kommt unser Kanu – Rucksäcke rein und los gehts. Herrlich, diese wilden Ufer, von Pflanzen dick bewachsen. In der Pension Runa Huasi werden wir nett empfangen. Die Hütten sind einfach, ohne Elektrizität, der Bettinhalt leicht feucht, so wie ich es liebe! Zum Glück habe ich immer meinen Schlafsack dabei!
Ich liege einen Moment um mich auszuruhen und mich in diese neue Gegend einzuschwingen. Ich sehe direkt ins Dach, eine wunderbare Arbeit, aus dem Material gefertigt, das hier in der Gegend wächst. So sind das Haus und die Umwelt eins. Eine grosse Ruhe und Frieden umgeben und durchströmen mich. Das Zirpen, Quaken, Krächzen und Tirillieren verbinden sich zu einem schönen Hintergrundgeräusch, mit dem Autolärm, Sirenen und Helikopterbrummen der Zivilisation nicht konkurrieren können, die jedoch absolut auch ihre Vorteile haben. Ich liebe beides!

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