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Ja, wir sind dem Tod knapp entronnen, auf einer Strasse im schönen Tale Elqui in Chile. Es ging um eine Sekunde. Ich hatte als Fahrer das herbeirasende Auto nicht gesehen, und reagierte dann doch richtig. Nichts ist passiert. Aber der Schreck sass uns doch eine Weile in den Knochen. Wir fühlen uns wie wiedergeboren!
Und das nach einem historischen Ritt in diesem verwunschenen Tal im Norden von Santiago. Ein langgehegter Wunsch von Christina war in Erfüllung gegangen: Ein Reitausflug in Chile!
Mit kleinen Rössern ging es die trockenen Hügelflanken hoch, zwischen Kakteen und Gestrüpp hindurch. Alles ist ausgetrocknet nach dem langen Sommer. Das Tal ist wie eine langgestreckte Oase in den wüstenartigen Bergen. Es ist berühmt wegen seiner Alternativ-Kultur und wegen des angenehmen Klimas. Jeden Tag Sonne!

Am Wochenende nahmen wir lieber den Bus. Wir fuhren hinauf ins Tal auf der Suche nach einem geeigneten Observatorium. Die Gegend ist berühmt für ihren klaren Himmel und die ausgezeichnete Sicht auf die Sterne. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche und touristische Observatorien.

Ich hatte den Wunsch nach Sternenhöhepunkten geäussert. Christina legte sich ins Zeug bei der Planung. Sie bestellte schon gleich ein Hotelzimmer im Dorf Cochiguaz, ziemlich am Ende des Tals, oder besser am Ende der Welt. Das Observatorium ist ziemlich abgelegen, man kommt dort in der Nacht nicht mehr weg.
Auf dem Weg durch die Dörfer und Städtchen liessen wir uns inspirieren. Vor allem im letzten Ort, Pisco Elqui, trafen wir interessante Menschen und Initiativen an.

Unser Hotel war ein magischer Ort mit dem Namen Alma Zen. Auf dem Dach befindet sich ein kreisförmiger Pool von ca. 15 m Durchmesser. In ihm liegen riesige Bergkristalle von bis zu 1 m Länge – ein Kristall-Pool! Am Tag wird es sehr heiss dort, auf 1500 m Höhe, und Christina traute sich einmal voll ins Wasser.

Um 23:15 Uhr wurden wir zur Führung im Observatorium Cancana abgeholt. Aus unverständlichen Gründen waren wir plötzlich nur zu zweit in dieser Führung – nachdem man uns 17 Mit-Betrachter angekündigt hatte.
Der Astronom holte uns auf die Aussen-Plattform des Observatoriums und erklärte uns den Himmel – den südlichen Sternenhimmel! Das Kreuz des Südens, die Satelliten-Galaxie Magellan, die Himmelsachse, den Himmels-Südpol, und vieles mehr.
Am Schluss durften wir durchs Teleskop gucken und sahen den Planeten Saturn samt seinen Ringen. Wir sahen, dass bestimmte Sterne in Wirklichkeit aus zwei Sternen oder gar aus einem ganzen Sternenhaufen bestehen.
Wir sahen eine Sternengruppe mit tausenden von Sternen, die bei blossem Auge wie ein einziger Stern aussieht.
Überwältigend!

Aber schon nur der Himmel ist dort von einer solchen Klarheit und Strahlkraft, wie wir es noch nie erlebt haben (auch nicht in Neuseeland am Strand).

Am nächsten Morgen frühstückten wir spät und hatten am Telefon das zweifelhafte Vergnügen mit der Lan-Fluggesellschaft, die uns unseren Rückflug nach Santiago nicht bestätigen wollte oder konnte. 40 Minuten an einem fremden Handy am Ende der Welt, ohne Resultat, mit hohen Spesen. Ich war ärgerlich, das kommt selten vor, und ich gestehe es hier. Immerhin hatte ich schon zweimal vorher angerufen, und jedes Mal wurde mir eine andere, widersprüchliche Auskunft gegeben…

Wir überstanden es schliesslich, indem wir auf der Rückfahrt direkt beim Flughafen halt machten, um den Check-In zu bewerkstelligen.

Ansonsten sind wir schon Glückspilze: Wir wohnen gratis in einem schönen Eisenbahnwaggon auf einem zauberhaften Gelände in der Nähe von La Serena. Eine Internet-Freundin, die wir vorher nicht mal persönlich kannten, hat uns das angeboten. Als wir sie in Santiago zum ersten Mal trafen, eröffnete sie uns, dass sie während unseres Aufenthaltes nicht mal zuhause sei. Eine schöne Aussenküche, weitere Waggons, ein Auto für uns…himmlisch! Heute, Montag, ist unser letzter Tag hier.

Intensive letzte Tage unserer Reise also. Wir sind bezaubert von Chile und haben etwas Respekt vor der Landung in der Schweiz. Es wird schon gut sein!

Text von Christina:

Ist der Sternenhimmel dunkel oder hell?

In einer Sternennacht in einem abgelegenen Tal in Chile stellt sich mir eine Frage. Der Himmel dieses Tales ist bekannt für den klarsten Sternenhimmel der Welt. Ich befinde mich auf der Südhalbkugel in einem Observatorium auf 1500 Meter Höhe.
Die Milchstrasse hoch am Himmel ist überwältigend, unvergleichbar mit dem gewohnten Anblick. Der Legende nach ist es wirklich ausgeschüttete Milch, die über mir dahin fliesst. Kompakt liegen die Sterne aneinander und vermitteln das Gefühl eines Sternenteppichs, hell strahlend!!
Das Kreuz des Südens erkenne ich durch einen kleinen zusätzlichen schwach leuchtenden Stern, denn es gibt auch noch ein falsches Kreuz und einen Diamanten, der eher rhombenförmig ist. Der Alfa- und Beta-Stern des Kreuzes sind hell, übertreffen jedoch Sirius in seiner Leuchtkraft nicht. Er ist der Meister des Lichts und ist uns nahe, insofern wir bei diesen Distanzen überhaupt von Nähe sprechen können. Vielleicht verbinde ich dies emotional, denn er ist seit vielen Jahren mein Lieblingsstern.

Sirius ist im Zeichen des Hundes, der hier im Süden wie alle Sternzeichen des Zodiacs auf dem Kopf steht. In der Nähe des Kreuzes finde ich eine grosse schwarze Stelle, die ich schon in Neuseeland sah, kein Stern ist hier zu sehen. Die Inkas haben sich auf diese schwarze Stellen konzentriert und ihnen Namen gegeben. Dies ist der Kopf einer Kobra, der Körper zieht sich wie eine lange Welle über den Himmel. Etwas westlich davon erkenne ich noch ein Lama. Ich sehe es nur, weil der Sternwart mich darauf hinweist. Wie so oft: Ich erkenne nur, was ich schon weiss!
Das Himmelszelt erscheint uns wie eine gewölbte Fläche, es fehlt uns der dreidimensionale Blick. Könnten wir weiter sehen, in andere Galaxien, würden noch viele, viele Lichter aufgehen: Wäre der Himmel dann ein Lichtpalast? Ist die Realität so, dass es dieses Dunkel gar nicht gibt? Gilt das auch für unser Leben, ist nicht alles Licht und wendet sich stets zum Guten?

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