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Unsere Freunde in Santiago berichten viele interessante Tatsachen. Die katholische Kirche ist sehr stark. Francisco berichtet vom Papstbesuch Johannes Paul II im Jahre 1982. Damals war halb Chile auf den Beinen, es war fast ein Staats-Ereignis, ein Höhepunkt für das ganze Land. Aber nun interessiert man sich immer weniger für die Kirche. Selbst die Wahl des neuen Papstes Franzisco hat nicht sehr viel Aufsehen erregt. Es gibt massenweise Kirchenaustritte. Wir diskutieren über die Frage, dass mit dieser Kirchenflucht auch etwas verloren geht’s: Hingabe und Sinngebung. Wir erzählen, dass in der Schweiz und in Deutschland die Kirchen- und Gottesferne schon länger Einzug gehalten haben. Und dass man die Sinnleere und den Materialismus auch gut spürt. Wo ist die neue Sinngebung?
Interessant sind auch unsere verschiedenen Wahrnehmungen in Bezug auf die Freundlichkeit der Menschen. Wir beiden empfinden die Menschen in Santiago als sehr freundlich und offen. Aber die Menschen, die hier wohnen, sagen das Gegenteil: Sie spüren ein eher unfreundliches Klima.
Gemäss Francisco und Caro findet man die warmherzigen, freundlichen Menschen in Süden von Chile, in Patagonien, wo es noch unverdorbene Natur gibt und das Leben auf dem Lande stattfindet.
Franzisco erzählt auch, dass die meisten Ausländer eigentlich nur eines wissen: Sie haben von Pinochet gehört. Und tatsächlich war diese Era sehr einschneidend in Chile; sie ist ja auch erst im Jahre 1989 zu Ende gegangen.
Es gab eine extrem starke Spaltung zwischen Befürwortern von Pinochet und Gegnern, zwischen der Rechten und der Linken. Die Linke hatte sich hinter Salvador Allende versammelt, der dann von Pinochet gestürzt wurde.
Er ist heute findet immer mehr Versöhnung statt, und die Polarisierung ist nicht mehr so stark.
Francisco hat das Erdbeben 2010 im 24. Stock miterlebt. Er war in der Nacht in der Wohnung und er beschreibt es als furchtbar. Er dachte, die Welt geht unter, und er sah seinen eigenen Tod direkt vor sich. Er blieb trotz allem in der Wohnung und wunderte sich, dass das Haus unbeschädigt war. Erst am Morgen sah er, dass unten grosse Zerstörungen stattgefunden hatten. In der Folge des Erdbebens begegneten sich die Menschen auf ganz neue Weise. Franzisco lernte Menschen im selben Haus kennen, die er vorher nie getroffen oder gekannt hatte. Man half sich gegenseitig, man erkundigte sich nach dem Befinden, man begrüsste sich. Das Erdbeben hatte nicht nur hier in diesem Block, soll in ganz Chile eine Welle der Solidarität und Nachbarschaft ausgelöst. Ein Bewusstseinsänderung, ein Aufbruch! Aber gemäss Francisco war dieser Effekt nach 6-12 Monaten auch wieder abgeklungen.
Gemäss Francisco sind die Menschen in ganz Südamerika ziemlich ähnlich. Er beschreibt sie als etwas chaotisch, als schlecht organisiert, aber als freundlich. Allerdings unterscheidet sich Chile in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht von den anderen südamerikanischen Ländern. Es erlebt eine wirtschaftlichen Blüte, und die Regierung ist eher konservativ. In vielen anderen Ländern wie Ecuador, Bolivien und Uruguay gibt es linke Regierungen, die eine Alternative zum westlichen Kapitalismus aufbauen wollen. Wir haben das in Ekuador eindrücklich erlebt, wo unter anderem unser Freund Que sich begeisterte für die Politik des Präsidenten Rafael Correa.
All diese Länder erleben rasante Entwicklungen, deren Richtung noch nicht absehbar ist.

Erneut sind wir überwältigt von der Gastfreundschaft dieser Menschen. Also Francisco uns vom Flughafen abholte, berichtete er begeistert, dass sie bald ein Haus auf dem Land bauen würden, eine halbe Stunde von Santiago entfernt. Und natürlich seien wir eingeladen, dort zu wohnen. Sie hätten sicher ein grosses Zimmer für uns!
An diesem selben Abend kommt die Nachricht, dass Franzisco und Karo nun ihre Wohnung in Santiago verkaufen können, dass das Geld vorhanden ist fürmdas Haus. Grosser Jubel unter uns! Das wird natürlich gefeiert auf der überdachten Terrasse im 24. Stock in Santiago!

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