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Glücks-Begegnung am Meer

„Merengue, Merengue, Merengue!“ tönt es schon von weitem am Strand von Progreso. „Merengue!“ (Schneller und lauter werdend) „Merengue, Merengue, Merengue“! Der Mann kommt näher. So laut und schnell hat noch keiner seine Ware angepriesen. Was wird daraus?
Vorhin, als wir am Strand entlang schlenderten, wurden wir bereits alle 20 Sekunden angesprochen von den Bediensteten der Bars und Restaurants. Beim 15. Mal teilte ich einem netten Herrn mit, er sei somit Nummer 15, und nein, wir wollten noch immer nichts essen oder trinken.

Nun kommt also der Merengue-Herr des Wegs. Ich sitze allein auf einem Plastik-Stuhl, niemand ist sonst hier, und Christina tummelt sich im Wasser.
Der Herr bleibt vor mir stehen. Ein Auge ist ständig geschlossen.
„Wir sollten doch glücklich sein“, sagt er. „Mit einer süssen Merengue würden Sie noch glücklicher, und Sie würden auch mich noch glücklicher machen.“
„Ich nehme keine Süssigkeiten“, sage ich.
„Ich habe auch Dulce de Leche, das enthält fast keinen Zucker“, entgegnet er.
All seine Habe befindet sich auf einem grossen Tablett, das er auf dem Kopf balanciert. Dazu hat er eine Art Klapptisch dabei, den er nun aufstellt, um das Tablett darauf zu positionieren.
Aber es scheint ihm auch um die Philosophie des Glücks zu gehen.
„Wissen Sie, ich bin glücklich“, sagt er, „ich bin wirklich glücklich. Ich brauche nicht mehr als was ich habe. Gott ist auf meiner Seite. Wir sind einerseits so klein, wir sind bedeutungslos, die Erde ist ein winziger Punkt im All. Und andererseits sind wir Götter auf Erden, wir sind Ebenbilder Gottes.
Es wird gesagt, dass der Papst der Stellvertreter Gottes auf der Erde sei, sozusagen Gott auf Erden. Aber das macht keinen Sinn. Jeder von uns ist ein Gott auf der Erde.“

Er zitiert die Bibel und weist darauf hin, dass in den „Sprüchen“ viel Weisheit zu finden sei – auch über das Lachen. „Das Lachen stärkt die Seele und den Körper“, zitiert er.

Zum zweiten Mal begegne ich einem „armen“, glücklichen Menschen am Meer. Die Situation erinnert an unsere Begegnung mit Hanna am Strand von Arambol, Goa, im Jahr 2010. Hanna hatte einige Tücher über ihrem Arm und versuchte, sie zu verkaufen. Auch sie erzählte uns unaufgefordert von ihren Glücksgefühlen.

Inzwischen habe ich mich entschlosssen, ein Dulce de Leche zu kaufen. Das macht ihn sichtlich glücklich. Christina ist inzwischen dazu gekommen, und unser Verkäufer berichtet uns nun von seiner politischen Philosophie:
„Russland ist keine Weltmacht mehr, Grossbritannien ist keine Weltmacht mehr. Bleiben nur die USA, aber sie werden von niemandem geliebt. Ich denke, die USA werden sich mit dem Vatikan zuammentun.“
Der Mann hat sich viele Gedanken gemacht. Es wird mir nicht klar, ob er Christ oder Freigeist ist.
Wir haben heute einen Tagesausflug von Merida an die Nordküste von Yucatan, Mexico, unternommen. Ein hübsches Hotel liegt direkt am Strand, mit einer Terrasse über dem Meer, wunderbar. Hier werden wir nächste Woche ein paar Tage verbringen – wenn das Wetter gut ist. Denn in den letzten Tagen hat es häufig geregnet, und die Temperatur ist etwas gesunken.
Wenn wir zurück kommen, werden wir vielleicht noch weitere philsophische Gespräche mit unserem Strandverkäufer führen! Und Dulce de Leche geniessen – die Süsse des Lebens!

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