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Ein Paradies!

Seit einigen Tagen sind wir wieder in unserem Womi unterwegs, in freier Wildbahn – und haben ein weiteres Paradies gefunden. Östlich von Nerja, Andalusien, an der Costa del Sol. Ein Standplatz über dem Meer. Einige andere Camper und Abenteurer haben sich angesiedelt. Wir geniessen den Blick zum Sonnenuntergang. Am Morgen weckt uns die Sonne. 
„Wo ist dein Paradies“? haben wir auf Spanisch an unsere Fenster geschrieben. Mit der Absicht, die Menschen nach ihrem Paradies zu fragen. Unser neue Freund Nali, der hier oben in seinem Personenwagen schläft, antwortete spontan: „In meinem Kopf“.

Eine schöne poetische Antwort. Dennoch tragen die überwältigende Aussicht aufs Meer, das warme Wetter, der leicht erreichbare Strand auch von aussen zum Paradieses-Gefühl bei.

Nali ist ein wahrer Paradieses-Künstler. Ich nenne ihn den „glücklichen Mann ohne Nichts“. Er hat einen mittelgrossen Hund, den man ihm geschenkt hat. Er hat eine Gitarre in einem Kasten. Und er hat sich selbst. All dies verschwindet um 19:30, wenn es dunkel wird, in seinem Kleinwagen. Vielleicht schummert noch ein Licht, aber sonst ist dann Ruhe.

Nali lebt von Makramee-Kunst. Seine Spezialität sind Schmetterlinge, ca 4 cm Spannweite, die man sich am Handgelenk befestigen kann. Er verkauft sie für 5 Euro.

„Das funktioniert wunderbar! Ich bin ein reicher Mann! Ich stelle oder setze mich an eine Ecke in einem Städtchen, und die Leute kaufen. Es ist ganz einfach!“

Tagsüber ist die Tür seines Wagens offen. Auf dem Beifahrersitz fertigt er seine Makramees, stundenlang.

Gegen Abend, bei Sonnenuntergang, sind wir öfter zur Feier des Abends zusammen gesessen. Wir machten Musik: Er mit seiner Gitarre, ich mit der Ukulele oder der Melodika. Die berühmten Sunset-Songs und mehr.

Gestern haben wir ihn und eine junge Engländerin, Philia, zum Abendessen bei uns gehabt. Philia lebt in einem kleineren Camper, 15 m von uns entfernt. Nali und Philia haben sich angefreundet. 

Nali hat mit 18 Jahren sein Heimatland Grossbritannien verlassen. Es zog ihn nach Lateinamerika. Er lebte 6 Jahre in Mexiko und einige Jahre in Chile und Argentinien. Erst letztes Jahr ist er nach Europa zurück gekehrt, nach 11 Jahren. Aber offensichtlich hat es ihn bald wieder von den britischen Inseln in den Süden gezogen. Er überwintert hier, verkauft seinen Schmuck, und ist glücklich.

Gestern haben Christina und ich unten am Strand eine Quelle entdeckt. Ein Bach mündet ins Meer, und das Wasser ist sogar in einem Rohr gefasst und sprudelt munter daraus hervor. Was für eine Entdeckung! Wir haben Wasser zum Abwaschen, zum Duschen, und überhaupt!

Als ich das Nali erzählte, erstrahlte er über beide Ohren und sah noch glücklicher aus als immer. „Ich geh gerade runter, ich dusche, ich hole mir Wasser“! rief er aus.

Als ich zwei Stunden später zu ihm rüberschaute, hängte er gerade seine frisch gewaschenen sechs Socken, drei Unterhosen und zwei Hemden an seiner Autotür auf.

„So gut!“, strahlte er, „so gut!“

Als wir heute aus der Stadt zurück kamen, eröffnete er uns, dass er Geburtstag habe. „Wir feiern!“, sagte ich. „Bei euch, bei mir, bei Philia“, antwortete er.

So brachten wir ihm ein Geburtstags-Ständchen, und später war er bei Philia zum Essen eingeladen. Paradiesisch, nicht wahr?

Es gefällt uns so gut, dass wir noch ein bisschen bleiben. 

Ein Paradies!

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