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Inspiriertes Älterwerden

Betagt sein wird vertagt 

Ich werde langsam älter, ich gebe es zu. Mit Jahrgang 1948 bewege ich mich in eine Region, die man als „etwas älter“ bezeichnen darf. „Betagt sein“ habe ich vertagt.

Meinen 70. Geburtstag im September 2018 habe ich mit einem grossen Fest gefeiert. Die Inspirationen blühen und ich zelebriere mein Leben.

Mit dem Thema des inspirierten Älterwerdens befasse ich mich seit einigen Jahren. Seither organisiere ich Zusammenkünfte, lese entsprechende Bücher und tausche mich mit Freunden und Freundinnen aus.

Was ich von inspirierten Altersgenossen höre, ist etwa Folgendes:

„Ich bin ein Glückskind, und ich bin dankbar“.

„Ich lebe viel intensiver, da meine Lebensspanne kürzer wird“.

„Ich geniesse meine neue Freiheit“.

Ich habe die Idee des „Inspirierten Älterwerdens“ in unserem Paradiesesgarten verbreitet. In diesem Garten gibt es seit jeher eine schöne Konzentration von ungewöhnlichen älteren Menschen: Ein 95-Jähriger spielt noch ziemlich gut Tischtennis, ein 75-Jähriger jongliert gekonnt, und ältere Damen tänzeln in der Disco.

Aber wir haben auch behinderte Alte, die im Rollstuhl durchs Gelände rollen und uns anlächeln. Es gibt in diesem Biotop zahlreiche Familien, kleine Kinder, PhilosophInnen, gewöhnliche Menschen – ein buntes Gewimmel von bis zu 1500 Leuten an einem Sommer-Sonntag.

Im Zentrum meiner Arbeit steht die Idee des „Ältesten“ – eines älteren Menschen, der Weisheit entwickelt hat und dadurch positiv und inspirierend auf seine Mitmenschen wirkt. Eines Menschen, der bewusst und freudig sein Leben geniesst und gestaltet.

Das Altwerden hat bei uns im Westen den Nimbus des Abgestandenen und Nutzlosen. Diesen Nimbus will ich umkehren und die positive Seite des Alterns betonen. Wir können die Welt inspirieren!

Wir haben als ältere Menschen mehr Zeit, müssen nicht mehr schreiende Kinder beruhigen, brauchen uns nicht dem Stress des Berufes aussetzen.

Vielmehr dürfen wir tun, was uns Spass macht: Reisen, Musizieren, Enkel verwöhnen, Bücher schreiben, Lachen, Singen, Tanzen, Gestalten, Malen, Garten pflegen, Häuser umbauen, Jurten aufstellen.

Neuere Forschungen besagen, dass Altern umkehrbar ist. Sie weisen darauf hin, dass Altern zu einem grossen Teil ein mentaler Prozess ist, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Sicher werde ich jetzt immer schwächer, ich verliere meinen Schwung, ich werde nicht mehr gebraucht, ich sollte mich zurückziehen.

Wenn wir diese Prophezeiung umkehren, dann werden wir jünger! Das erlebe ich an mir selbst, und das habe ich im Gespräch mit vielen inspirierten Ältesten gehört.

In den USA schrieb Rabbi Zalman Schachter-Shalomi 1997 sein revolutionäres Buch „From Age-ing to Sage-ing“ (vom Alt-Werden zum Weise-Werden) und löste damit eine wahre Volksbewegung der älteren Generation aus. Es entstanden Institute für Weiterbildung in den verschiedenen Bereichen des Älterwerdens. Eine Autorin schrieb Bücher über die richtige Art, der Welt sein Vermächtnis zu hinterlassen, andere Autoren befassten sich mit der Gesundheit. Das steckte mich an.

Im Anschluss daran interviewte ich verschiedene Freunde über ihre Erfahrungen mit dem Älterwerden, und war sehr bewegt. Was für ein Reichtum, was für eine Positivität:

•Eine 77-jährige Dame machte mit 75 noch eine neue Ausbildung und  praktiziert das Gelernte bereits.

•Ein 75-jähriger Herr behält mit Jonglieren seine Leichtigkeit und stärkt seine Gesundheit.

•Eine Frau ist nach dem Tod ihres Mannes zu ganz neuen Ufern aufgebrochen.

Viele meiner Gesprächspartner betonten, dass sie als alte Menschen noch nie so viel Freiheit hatten wie heute.

Sicher können wir auch im deutschen Sprachraum eine „Volksbewegung der inspirierten Ältesten“ auslösen!

Das wird wunderbar, und es wird heilend wirken.

Besser noch am Lebensabend aufwachen

  als durchschlafen.

                  (Hinrich)

Ausgewählte Antworten auf die Frage: Was erlebst du mit steigendem Alter neu? Wie gehst du damit um?

„Je älter ich werde, desto frecher werde ich. Ich bin weniger scheu, ich ziehe mich nicht gleich zurück, ich habe nicht so Angst vor Ablehnung. Ich liebe mich mehr. Das ist schon sehr inspirierend. Ich habe gewisse Entscheidungen getroffen – z.B. vorwiegend das zu machen, wozu ich Lust habe. Ich habe wirklich mehr Raum unter den Flügeln, ich habe mehr Luft. Nach und nach sind alle diese Verpflichtungen weggefallen.

Die Lebensverpflichtungen haben mich sehr eingeengt und einen inneren Druck erzeugt, und sie fallen jetzt weg. Nun kann sich der Reichtum ausdrücken. Das ist sehr inspirierend.“

„Ich erlebe eine neue Lebensfreude im Alter – eine Erweiterung in jeder Hinsicht. Auch der Körper reagiert darauf: Er wird gesünder, beweglicher. Natürlich wird er auch älter, und da gibt’s auch Einschränkungen, die sich melden. Wenn ich mich aber viel geistig und körperlich bewege, dann wirkt sich das sehr günstig auf den Körper aus. Meine Gesundheit ist viel besser geworden. Ich fühle mich jünger und gesünder als in meiner Jugend und führe es darauf zurück dass ich 100 % Verantwortung übernommen habe für mein Leben. Für alle Themen, die in meinem Leben sind. Das ging nicht einfach nur so. Es steckt viel Arbeit, viel Disziplin, viel Weiterbildung dahinter, so dass sich das Ganze dann wandeln konnte.

Eigentlich kann es jeder selber schaffen. Man kann sich alle Hilfen holen. Heute gibt es so viele wunderbare Hilfen. Ich habe relativ jung schon mit Psychotherapie begonnen, weil ich eine schwierige Ausgangssituation aus der Jugend hatte. Ich habe mich dann weiter interessiert, denn alles hat sich ja sehr verändert. Es gibt so viele gute Therapiemöglichkeiten, da bin ich immer weiter gegangen. 

Ich war verheiratet, ich habe zwei Söhne. Nach der Trennung habe ich begonnen, mich aktiv für spirituelle Themen zu interessieren. Philosophische Themen haben mich schon immer angezogen, z.B. auch C.G. Jung. Die Spiritualität war neu für mich. Den Durchbruch habe ich in den 90er-Jahren gemacht mit Jack Spezzano.“

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