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Chile im Aufbruch?

Chile ist ein sauberes Land. Santiago könnte auch Sydney sein, mit all den modernen Wolkenkratzern. Es macht einen reichen Eindruck, die Preise sind in etwa europäisch. Der Reichtum kommt hauptsächlich aus den Kupferminen, die offensichtlich im Überfluss vorhanden sind. Es gibt Minen in der Nähe von Santiago, aber vor allem auch im Norden, in der Gegend der Atacama-Wüste. Wer in den und für die Minen arbeitet, verdient reichlich.
Wir wohnen in einem guten Viertel, in La Reina. Hier fühle ich mich an die Villenviertel von Los Angeles erinnert: Breite Strassen mit viel Grün. Vor jedem Haus stehen meist zwei Autos.

In manchen englisch geprägten Ländern und Städten fühle ich mich nicht recht wohl, es ist mir ein wenig langweilig. Nicht so in Chile. Obwohl die Kultur aussieht wie in Nordamerika oder Australien, ist es doch ein anderer, warmer und phantasievoller Menschenschlag.

Vor allem war das spürbar auf dem Sonntagsmarkt im Park Forestal, den Christina schon beschrieben hat. Dort trifft sich das Hippievolk, die alternative und bunte Szene.

Man hat mir erzählt, dass die Chilenen kein sehr hohes Selbstwertgefühl haben. Sie „ziehen sich selbst runter“. Dies im Gegensatz zu den benachbarten Argentiniern, die von sich selbst überzeugt sind.
Viele Chilenen fühlen sich „am Rand der Welt“. Die Form ihres Landes ist ja nun wirklich eine Art Rand – jenseits der Anden, auf einem schmalen, sehr langen Streifen von vielen tausend Kilometern.
In den letzten Jahrzehnten hat Chile einen grossen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Es geht dem Land wirtschaftlich gut in einem Mass, wie wir es schon lang nicht mehr wahrgenommen haben (auch im Vergleich zu Argentinien, das mit der Inflation kämpft und weitere wirtschaftliche und politische Probleme hat).
Chile ist ein gesundes Land. Das ist wohltuend nach all den Krisenmeldungen in Europa und Nordamerika der letzten Jahre.
Es gibt auch umstrittene Projekte. Die chilenischen Regierung will im Süden, im unberührten Patagonien, mehrere Staudämme zur Stromerzeugung bauen. Die Proteste haben dazu geführt, dass das Ganze nun noch einmal überprüft wird.

Man hat mir auch gesagt: Santiago ist Chile. Die Stadt ist sehr dominant, und die anderen Landesteile sind weit entfernt. Patagonien ist zum Teil unzugänglich, mit wilder Fjordlandschaft und Lehmstrassen.
Eine junge chilenische Freundin hat uns von einer zweimonatigen Reise durch den Süden berichtet. Sie war mit dem Zelt unterwegs, mit Autostopp. Sie berichtete, dass das Leben dort völlig anders sei, wie in einem fremden Land. Es gibt kaum kulturelle Verbindungen zwischen diesen weit entfernten Landesteilen. Ihre Berichte haben uns inspiriert, während eines weiteren Besuchs dorthin zu reisen.

Die Chilenen selbst besuchen in ihren Ferien lieber die Palmenstrände Brasiliens. Das ist für sie billig, und sie geniessen das Meer, das in Chile selbst nicht so einladend ist. Für viele bleiben die weiter entfernten Landesteile unbekannt.

Ich habe im Park Forestal so etwas wie eine Aufbruch-Stimmung gespürt. In meiner Hippie-Jugend besuchte ich im Jahr 1970 San Francisco. Im legendären Stadtviertel Height Ashbury gab es einen Park, in dem sich die Alternativen trafen. Dort hielt der Philosoph Steve Gaskin seine improvisierten Reden, die immer mehr Zuhörer gewannen. Er rief seine Fans zu einer Karawane durch die USA auf, die tausende von Menschen anzog. Diese Karawane der neuen Zeit wurde überall willkommen geheissen. Am Schluss liessen sich mehr als tausend Menschen in Tennessee zur alternativen Gemeinschaft „The Farm“ nieder, die heute noch besteht.
Ich könnte mir fast vorstellen, im Park Forestal narrosophische Reden zu halten :-). Hier hört man zu, hier hat man Zeit, hier ist man offen für Neues.

Man erzählt sich in den spirituellen Kreisen, dass sich die Chakren der Erde von Tibet nach Südamerika verlagern. Vielleicht haben wir das gespürt, und nicht nur in Chile. Es ist eine neue Welt, die Menschen haben erst angefangen mit dem Aufbau, mit einer Art Selbstfindung.

Als ich vor langer Zeit durch England per Autostop unterwegs war, sagte mir ein Autofahrer über England: An old dog doesn’t train well (Ein alter Hund lernt nicht gut). Vielleicht können wir über Europa sagen: Die Kulturen sind zwar alt und vielleicht ehrwürdig. Aber sie sind nicht im Aufbruch, sie sind nicht wirklich lernwillig, sie wollen das Alte bewahren.

In Südamerika spüren wir einen anderen, offenen und herzlichen Geist. Das beflügelt!

Chile ist das reichste südamerikanische Land, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen. Die politische Vergangenheit war wechselhaft, die Spuren des Pinochet-Regimes wirken weiter. Die USA haben gegen den Sozialisten Allende für den Pinochet-Umsturz gewirkt und sein Regime unterstützt.
Das Land hat schon zu des Diktators Zeiten mit den westlichen Ländern wirtschaftlich zusammengearbeitet. Der grösste Handelspartner ist nach wie vor USA, aber die Chilenen haben nun auch mit China und Japan neue Verträge. Der Preis für Kupfer ist gestiegen. Die Ausfuhr beträgt mehr als die Hälfte des Exports.

Die Kooperation mit multinationalen Konzernen kann auch bedeuten, dass diese einen grösseren Einfluss auf das Land haben als die Chilenen selbst.

Das Land ist von der katholischen Kirche geprägt (ca. 90 % Katholiken). Die Ehescheidung wurde erst 2004 gesetzlich verankert. Aber auch in Chile verliert die Kirche an Einfluss.
Der „Machismus“ ist in Chile weniger stark als in anderen südamerikanischen Ländern. Die Männer zeigen grossen Respekt für die Frauen.

Die politischen Unregelmässigkeiten dauerten bis in die jüngste Vergangenheit. Von daher ist es erstaunlich, wie stabil das Land wirkt.

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Chile-Interview Christina

Christina: Gestern haben wir uns gegenseitig gefragt: Was für eine Farbe ordnen wir Chile zu? Und beide sagten wir spontan: Gelb. (Gelb ist Rolandos Lieblingsfarbe.) Gelb ist das Warme, das Strahlende. Etwas Ähnliches beobachte ich häufig in den Gesichtern, und zwar nicht nur im Zusammenhang mit mir, sondern auch, wenn die Leute miteinander kommunizieren. Sie haben einen freundschaftlichen und lockeren Umgang mit viel körperlicher Berührung. Sie sagen dazu „con mucho piel“ (mit viel Haut). Das kommt ganz natürlich. Bei den Paarbeziehungen fällt mir auf, dass sie aufmerksam sind füreinander – besonders die Männer für die Frauen. Es ist ein freundschaftliches, behütendes, zärtliches Verhalten. Es tut gut, das zu sehen.
Dazu jeden Morgen der blaue Himmel, das ist phantastisch! Die Sonne geht auf, und wir sehen die Anden am Rande der Stadt; die nackten Felswände und die nackten Mauern von Santiago sind ein schöner Gegensatz zwischen den Bauten der Menschen und den Bauten der Natur.

Rolando: Und die Liebespärchen im Park…

Christina: So eine Anhäufung von Pärchen wie im Park Forestal im Zentrum von Santiago habe ich noch nie gesehen! Junge Pärchen bis zu Paaren im hohen Alter sitzen auf den Bänken, geniessen ihr Zusammensein, sind zärtlich miteinander, küssen sich. Wie wenn man im Märchen in einen Garten versetzt wird, in dem die Liebe zuhause ist.
Und dann der Sonntagsmarkt in diesem Park! Hunderte von Flohmarkt-Angeboten, am Boden ausgebreitete Kleider aller Art und vieles mehr. Das ist alles so frei und auch preiswert. Es gibt zahlreiche Künstler, Jongleure, Musiker, Hoola Hoop-TänzerInnen. Sie machen das einfach zum Spass, ohne Geld zu sammeln.
Ein Höhepunkt waren die Lieder des jungen Troubadours Angelo Escobar. Er war umringt von einer Schar von Fans, die alle wie er auf dem Boden sassen, vielleicht 100 Personen. Die Leute kannten seine Songs von Youtube oder von seinen CDs. Möglicherweise singt er dort jeden Sonntag, und das weiss man. Die meisten Leute klatschten und sangen mit. Das Ganze ist einfach und bescheiden, ohne Mikrofon. Man trifft sich, um zusammen zu sein und zu lauschen.
Einer seiner Songs heisst „Indios“ und handelt von den Eingeborenen, die vormals so stark waren und deren Stimme verstummt ist.
Die Hörer haben eine Beziehung zu diesen Texten und zu dieser Musik. Es ist ihre Musik, ihre Geschichte. Es sind Protest-Songs dabei, Lieder über die Elterngeneration, über Themen, die immer noch präsent sind.
Die Freiheit Chiles drückt sich für mich in diesen Liedern und diesen Zusammenkünften aus. Sie nehmen das Neue wirklich wahr und schätzen es.

Rolando: Wir haben erfahren, dass wir „Gringos“ sind. Nicht nur die Nordamerikaner sind Gringos, sondern alle Ausländer aus Nordamerika und Europa.

Christina: Aber nicht mit einer abschätzigen Bedeutung. Im Gegenteil: Wir sind anerkannt und beliebt, und das spüren wir jederzeit auf der Strasse oder in Gesprächen mit unseren Freunden. Von anderen südamerikanischen Ländern haben wir gehört, dass es dort eine Abneigung gegen Menschen aus den USA gibt. Aber wir sind diesen Spannungen auf der ganzen Reise nie begegnet. Wir sind in Chile willkommen, und das ist sehr, sehr schön. Offene Arme! Das könnte uns zu einer neuen Reise verführen!

Rolando: Was sagst du speziell zu Santiago? Es ist eine Riesenstadt, in der die Bevölkerung der Schweiz unterkäme, mit acht Millionen Menschen. Mir kommt es vor, dass wir nie so lang in einer so grossen Stadt waren (mit Ausnahme von Sydney).

Christina: Ich spüre es gar nicht so, weil es so viele Grünflächen und Parks gibt. Auch die Innenstadt ist nicht stressig; es ist gelassen und ruhig. Das Moderne und Schöne in den Läden gefällt mir. Es erinnert mich irgendwie an Bali. Hier ist es eine moderne Schönheit; in Bali ist es eine gepflegte, traditionelle Schönheit. Bali und Santiago passen für mich gut zusammen.
Die Stadt setzt mir nicht zu. Man sieht immer viel Himmel, alles ist so weit. Das ist für mich wichtig in einer Stadt.

Rolando: Und in der U-Bahn? Verglichen mit Berlin?

Christina (lacht): Das vergleichen wir lieber nicht. Es gibt in der Metro häufig Musikanten, junge Leute, die wunderbar aufspielen, mit Klarinette, Gitarre und Gesang. Das wird von den Passagieren wertgeschätzt, denn viele geben einen Beitrag. Die Musik trägt zur angenehmen Stimmung bei. Aber auch ohne Musik ist die Stimmung angenehm. Entweder schlafen die Leute, weil sie am Abend müde von der Arbeit sind, oder man unterhält sich miteinander. Mir fällt auch auf, dass ich als Person wahrgenommen werde. Ich werde sozusagen begrüsst, wenn ich in die Metro komme; man schaut mich an. Es entsteht leicht ein Gespräch. Die Chilenen wollen viel wissen, und das hat wiederum eine Ähnlichkeit mit Indien. Man ist interessiert an Europa, an unserem Leben.

Rolando: Und die Jungen erheben sich, wenn eine ältere Person hereinkommt.

Christina: Genau, das ist wunderbar. Sie stehen sehr schnell auf, man braucht nicht zu warten, und schon ist ein Platz frei.

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Das narroso-phische Büchlein

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In seinem Büchlein fasst Roland Schutzbach schmunzelnd seine Narrosophie – eine unernste Weltphilosophie – zusammen. Sie kündet von der Begeisterung für das Leben, vom Lachen, vom Überschreiten aller Grenzen, von einem neuen Menschenbild und der Inspiration der Menschheit.
Das Büchlein ist mit inspirierten Kunstwerken ausgestattet. Fotos aus dem Leben des Narrosophenpaars Roland Schutzbach und Christina Fleur de Lys wurden von einem ekuadorianischen Künstlerteam herrlich verziert.
Das narrosophische Büchlein ist Vorläufer des internationalen Buches „Die Koalition der Freude“.
Die Beiträge und Spenden der Leser werden für die weitere Arbeit an diesem Werk verwendet.
Der narrosophische Stil ist ein lachender Stil voller Assoziationen, mit hymnischen Teilen und Visionen.

Aktuelle Infos zum aktuellen Projekt „Die Koalition der Freude“ auf dem Link „about“.
Das Büchlein zum Herunterladen sowie spannende Links dazu auf dem Link „Narrosophie“.

…..

Das Büchlein ist für Freunde gedacht, die sich wirklich interessieren. Bestellung mit Förderbeitrag ab 20 Fr. (oder gratis) an Förderverein für Weltphilosophie, Raiffeisenbank Bielersee, 3232 Ins, PC 25-5389-7,
IBAN: CH46 8083 3000 0075 4850 6
Clearing: 80833

Umfang 68 Seiten – mit acht farbigen Abbildungen.

Wer wirklich interessiert ist und das Geld nicht gerade senden kann, kriegt mein Büchlein auch gratis…bitte einfach zurückmelden bis Mitte Mai.

Erläuterung von Roland:

Auf unserer Reise durch Südamerika erlebten wir zahlreiche neue narrosophische Inspirationen. Wir wurden ein Teil des dortigen lachenden Netzwerks, wir gaben Kurse und nahmen an heiteren Kursen teil. Wir wurden unzählige Male eingeladen und genossen eine wunderbare Gastfreundschaft.
Diese Erlebnisse haben mich wieder zur Narrosophie zurückgebracht, die in den letzten Jahren ein wenig in den Hintergrund getreten war. Ich hatte mich als philosophischer Autor versucht – mit Erfolg. Aber die Narrosophie ist anders, bunter, grenzenloser.
Ein Höhepunkt war die Begegnung mit unserem alten guten Freund Que Zhinin in Cuenca, Ecuador. Mit seinem Künstlerteam verzierte er unsere Fotos, so dass sie nun doppelt narrosophisch herauskommen :-). Das ist eine wunderbare, für mich begeisternde Perspektive der Verbindung des Lachens mit der Kunst.
Das narrosophische Büchlein ist die versprochene und geplante „Limited Edition“ meines grösseren Werkes, das in der nächsten Zeit entstehen wird. Es gibt einen Vorgeschmack und ist für diejenigen Menschen bestimmt, die sich wirklich interessieren und diese Philosophie unterstützen.
Das Büchlein wird in den Sommermonaten 2013 herauskommen. Es ist wie gesagt für Freunde gedacht, da es persönliche Teile enthält. Daher sollte es auch nicht verliehen werden.

Blick in die Zukunft

Ein Wort hab ich mal gehört: Wenn du in die richtige Richtung gehst, dann geh einfach weiter.
So werde ich‘s halten.
Im Jahr 2012 habe ich mir vorgenommen, in den kommenden Jahren mein Resumee zu ziehen, meine Erkenntnisse zusammenzufassen und gleichzeitig neue Abenteuer des Reisens, des Geistes und der Arbeit zu erleben. Ich nahm mir vor, ein weiteres Buch zu schreiben. Hier liegt es vor, das narrosophische Büchlein. Es ist gedacht als Inspiration, als Momentaufnahme, und als Zwischenstufe zu weiteren Taten.
Christina und ich werden weiterhin reisen. Jeden Winter. So sieht es jetzt aus. Südamerika hat uns verzaubert.
Wie das nächste Buch, das nächste Event, der nächste Schritt aussehen wird, ist noch nicht wirklich klar.
Bei mir treibt sich seit einigen Monaten ein Konzept für einen „narrosophischen Bildband“ herum.10 Dieses dreisprachige Werk (Deutsch, Spanisch, Englisch) soll in Kooperation mit Menschen aus aller Welt entstehen. Viele heitere, künstlerische Fotos im Stil der Fotos dieses Büchleins könnten die Menschheit inspirieren!
Die Idee dieses Buches wird in unsere zukünftigen Reisen einbezogen werden. Das bedeutet, dass wir auf den Reisen entsprechende Fotos schiessen, dass wir Interviews machen, dass wir mit diesem Thema professionell unterwegs sind.
Christina hat Ideen in ähnlicher Richtung. Wir werden noch darüber lachen und das Neueste auf unseren Webseiten veröffentlichen!
Wir wurden in Südamerika speziell ermutigt, unsere Inspirations-Arbeit fortzusetzen. Dort ist eine so grosse Offenheit, die Heiterkeit ist spürbar. Dort liegt die Zukunft!
Eine weitere Idee wäre, meine Texte zu einem grösseren Buch zusammenzustellen. Ich habe genügend inspirierende Texte, nicht nur in meinen Blogs, sondern an vielen Orten! Das wäre aber wahrscheinlich nur auf Deutsch möglich.
Ich ermutige dich, liebe Leserin, lieber Leser, mir ein Feedback zu geben. Vor allem interessiert mich deine Meinung in Bezug auf diese Ideen.

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Südamerika-Assoziationen

Ein Narrosoph in der neuen Welt

Südamerika: Ein gigantischer Kontinent mit riesigen Entfernungen, gewaltiger Natur, leidvoller Geschichte und neuen Visionen.
Was hat hier die Narrosophie verloren, wie offen sind die Menschen? Sind sie heiter, sind sie bitter?

Im Flugzeug erzählte mir ein älterer Herr, ein Zimmermann, dass er nach Ecuador zurückfliegt, um einen Arbeitsplatz in seiner Heimat zu finden. In Spanien gibt es keine Arbeit mehr – Ecuador aber ist im Aufbruch. Er ist voll des Lobes für den gegenwärtigen Präsidenten Rafael Correa, der mit seinen Reformen Beschäftigung gebracht hat und für mehr soziale Sicherheit und bessere Erziehung sorgt.
Europa ist out – Südamerika ist in. So ist das.

Am Flughafen Quito wurde uns ein herrlicher narrosophischer Empfang bereitet. Ich hatte meine Lachkönigs-Krone aufgesetzt; Christina trug die rote Eulenspiegel-Brille. Bereits von der Rolltreppe aus winkte uns eine unbekannte Schöne mit lustigem Hirsch-Geweih begeistert zu. Fast zwei Stunden später gelangten wir zum Ausgang, und dort empfing uns eine kostümierte Gruppe mit viel Lachen und Spass. Sie erzählten, dass sie während der zwei Stunden alle Herauskommenen mit viel Hallo begrüsst hätten – es sei wunderbar gewesen.

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Wir wurden schön untergebracht und gaben zwei Wochen später unseren Tages-Workshop „Glücklichsein ist eine Quantenaktivität“ (s. http://www.supotential.net)

Hier sind die fröhlichen Botschaften an die Welt (Englisch und Spanisch):

Mensajes al mundo

Die Meinungen über die Politik von Präsident Correa sind sehr widersprüchlich. Eine deutsche Familie vermag nur Negatives zu melden. Er habe einen Teil des Amazonas-Gebiets an die Chinesen verkauft, um mit diesem Geld seine Reformen zu finanzieren. Er habe sich verfassungsmässig zugesichert, dass er immer wieder gewählt werden könne, und so werde er zum Diktator.
Ich habe in einem früheren Blog geschrieben, dass ich es gut fände, wenn bewährte Präsidenten oder gar König längere Zeit regieren könnten, damit sie ihre Reformen nachhaltig verwirklichen können, und ich habe Beispiele für solche „guten Präsidenten“ gebracht (Julius Nyerere von Tansania und andere).
Aber diese Familie interpretiert Correa nur negativ.
Eine Schweizerin erzählt uns, er habe seine Schulreform von einem Tag auf den anderen aus Geldmangel gestoppt und die Schülerzahl von 16 auf 25 hochgesetzt.

Zu allem Überfluss bekomme ich eine weltweite Petition der Avaaz gegen Correa zugeschickt, in welcher es unter anderem heisst: Im Herzen Ecuadors versucht ein gigantischer Ölkonzern, ein unberührtes Regenwaldgebiet in ein Ölfeld zu verwandeln. Doch die Mitglieder des Kichwa-Stammes in Sani Isla leisten tapferen Widerstand und haben jetzt um unsere Hilfe gebeten, um ihre Heimat zu retten.

Correa ist der Adressat dieser Petition und wird verantwortlich gemacht.
Ich unterschreibe das. Aber ich glaube nur die Hälfte dessen, was da erzählt wird. Ich finde es aber gut, wenn Correa spürt, dass die internationale Gemeinschaft ihm auf die Finger schaut und bei Bedarf Millionen von Menschen aktiviert. Das kann möglicherweise verhindern, dass er sich von der Macht verführen lässt.

Eine Ecuadorianerin erzählte uns von Vizepräsident Moreno. „Er ist wirklich ein guter Mann“, berichtete sie begeistert. „Er hat die Initiative für Lebenfreude in Ecuador gestartet. Er ist ein intergrer Mann, während Correa unberechenbar ist. Moreno ist im Rollstuhl, aber leider kandidiert er bei den jetzigen Wahlen nicht mehr. Er hat keine Lust mehr auf Politik.“

Mir scheint aber, dass das Volk Rafael Correa liebt. Er zeigt sich volksnah, besucht die Provinzen, hat den USA den Meister gezeigt. Ich schreibe diese Zeilen am Vortag der nationalen Wahlen vom 17. 2. 2013.

Es gibt spannende Gesetze, zum Beispiel die Wahlpflicht. Die Ecuadorianer müssen an dem Ort wählen, an dem sie gemeldet sind. Daher gibt es grosse Reisebewegungen am Wahlsonntag. Wer nicht wählt, erhält eine Geldstrafe und weitere Sanktionen; er kann kein Bankkonto mehr eröffnen oder andere Geschäfte machen. (Die Wahlpflicht existiert in vielen Ländern, u.a. in Australien, wo wir uns bereits darüber wunderten.)
Was aber noch schöner ist: Am gesamten Wahl-Wochendende, von Freitag mittag bis Montag mittag, wird in den Restaurants und Cafés kein Alkohol ausgeschenkt! Die Wahlen sind heilig…
Während des Jahres ist jeder Sonntag auf diese Weise alkoholfrei. Das gefällt mir; es trägt zum Bewusstsein bei, dass der Sonntag ein heiliger Tag ist. Und es erinnert mich an die gesegneten Städte in Indien, in denen es weder Fleisch noch Alkohol gibt.

Ich bin immer auf der Suche nach Erleuchteten und Glücklichen. Sind sie im Regenwald zu finden? Christina hat unsere Fahr in den "Oriente" bereits schön beschrieben. Dort, in den Quellgebieten des Amazonas, wohnen die Kichwas, die in der Avaaz-Petition erwähnt sind. Sie sind in der Stadt Tena allgegenwärtig mit Statuen im Park und Kultur-Veranstaltungen. Sie sprechen ihre eigene Sprache und leben an den Windungen der Flüsse.

Mich interessiert u.a. das Wundermittel Ayahuasca. Ein junger Freund in Tena, Gerd aus Holland, berichtet uns davon. "Ayahuasca wird von den Schamanen eingenommen. Du hast Visionen wie bei LSD. Ich will das miterleben! Übermorgen gehe ich den Dschungel. Dort wird ein Schamane mit uns ein Ritual mit Ayahuasca durchführen."
Gerd ist ein spiritueller Sucher. Er hat Wirtschaft studiert und plötzlich gesehen, dass das keinen Sinn macht. Er will sich weiterentwickeln, sucht neue Dimensionen.
Ich berichte ihm von der Narrosophie und von der lachenden Einsicht, dass wir bereits erleuchtet sind. Er ist fasziniert, aber will es vielleicht nicht glauben (da ist er nicht allein, hihihi). Das Ritual kostet $ 100.

In der Indianer-Lodge Runa Huasi, direkt am grossen Fluss Napo gelegen, lernen wir einen jungen Kichwa kennen. Wir fragen Elder nach den Gepflogenheiten seines Stamms und nach den Schamanen. "Die Schamanen nehmen Ayahuasca, um zu heilen, und das macht sie hellsichtig. Sie sehen das Problem beim Patienten und können es mit ihrem erweiterten Bewusstsein heilen. Sie brauchen meistens keine Medizin."
Das ist interessant! Ich habe als junger Mann die bewusstseinserweiternde Wirkung von LSD erfahren und kann mir vorstellen, von was er spricht.
Elder ist 18. Er will beim Stamm bleiben, das ist sein Leben.
Die Kichwas sind Christen, und es gibt eine kleine Kirche im nächsten Dorf.

Wir hören später, dass die Kichwas ein stolzes Volk seien. Sie konnten von den Spaniern nicht kolonisiert werden, weil ihre Gebiete unzugänglich waren. Die Strasse nach Tena existiert erst seit sechs Jahren; sie führt über einen 4000 m hohen Pass.
Die Indianer eigneten sich nicht als Sklaven. In Gefangenschaft starben sie einfach, und deswegen wurden Schwarze aus Afrika geholt.
Die Informationen kommen aus dem Feld, von unseren ekuadoriansichen Freunden. Sie erzählen uns, dass die Hochland-Indios ihren Widerstand aufgegeben haben un oft bedrückt wirken und zu Boden blicken.
Auf der Busfahrt zurück aus dem Regenwald habe ich einen anderen Eindruck: Die jungen Mitfahrer, wahrscheinlich überwiegend Kichwas, blicken sehr düster drein. Der Heiterkeitsquotient HQ ist sicher nicht höher als in Europa. Seltsam, wo sie doch stolz und selbstbewusst sein sollen!

In jener Indianer-Lodge hatten wir eine spannende Begegnung mit einer chilenischen Familie. Paul, Cecilia und ihre vier Kinder waren mit uns zusammen am Abend die einzigen Gäste, und wir kamen ins Gespräch.
Wir unterhielten uns herrlich über das Lachen und die Quantenphysik, und Paul berichtete uns von seiner Architektur. "Es ist eine Architektur der Gefühle", sagte er.
"Ich habe 13 Jahre in der Schweiz gelebt und an der ETH Zürich studiert. Ich bin Auslandsschweizer. Aber in Europa gibt es viel zu wenig Gefühl. Die moderne, gepriesene Architektur von Le Corbusier, Bauhaus usw. – das ist alles intellektuell."
Er berichtete, dass er einmal eine spontane Rede an ca. 20 Freunde in der Schweiz gehalten habe. Er habe ihnen vorgehalten, dass sie kalt, intellektuell und individualistisch seien. "Und wisst ihr was? Sie haben mir recht gegeben!"
Seine Frau Cecila äusserte sich noch kritischer über die Schweizer. Sie hat auch sechs Jahre dort gelebt.
Als ich in dem Gespräch von Gott spreche, sagt sie begeistert: "Du bist der erste Europäer, der von Gott redet! In all den Jahren in der Schweiz habe ich Gott nie erwähnen hören. Die Europäer haben Gott totgesagt und vergessen! Ich finde das so traurig! Sie müssen ja nicht einer Kirche angehören, aber ich spüre so wenig Dankbarkeit dem Leben gegenüber." So ist das!
Wir sprechen über die verschiedene Ausprägung der christlichen Religion. Unser Freunde finden, dass die Kirche in Südamerika viel freier und positiver sei als in Europa. Das liege zum Teil an den Jesuiten, die mit ihrer Kontemplation und Begeisterung eine andere Stimmung in die Religionsausübung gebracht hätten.
Christina und Cecilia freunden sich sofort an. Wir sind zum Essen in Santiago eingeladen…
Leider häufen sich z.T. die kritischen Meinungen über die Europäer. Meine ekuadorianische Zahnärztin beschreibt ihren deutschen Mann, indem sie die Hände beim Kopf zu einem Quadrat formt – ein Quadratschädel sozusagen. Einer, der nur rechtwinklig denkt, der keine Flexibilität hat, keine Gefühle zeigt.
"Er spricht nicht so gut Spanisch wie du, obwohl er schon so lange in Ekuador lebt. Er hat nur deutsche Freunde."
Ich würde sagen: Die Quadratschädel-Zeit ist abgelaufen – es lebe das Lachen!
(Weitere Feedbacks in Bezug auf Schweiz und Deutschland, die ich auf meinen Reisen gehört habe, erspare ich meinen Lesern und mir. Und ich betone feierlich, dass ich über die Schweiz sehr, sehr Positives denke und geschrieben habe, wie man in meinem Blogs nachlesen kann :-))

Südamerika ist im Aufbruch. Der uruguayische Präsident Pepe Mujica – ich habe mehrmals von ihm gesprochen – hat kürzlich auf der Konferenz der lateinamerikanischen Länder wieder einmal eine sensationelle Rede gehalten, in der er seine Präsidenten-Kollegen zur Zusammenarbeit aufforderte. Wie meine Leser bereits wissen, verzichtet er auf 90 % seines Gehalt, lebt auf einer Finka, fährt einen VW-Käfer und predigt das einfache Leben. Die Wirtschaft in Südamerika geht im allgemeinen aufwärts, besonders in Brasilien.
Vor allem aber gibt es Ideen – und es gibt noch so viel zu tun!
Christina und ich haben kürzlich darüber gesprochen, dass in der Schweiz schon alles fertig und perfekt sei. Es gibt nur noch Kleinigkeiten zu regeln. Aber die Stimmung sagt: Wir wollen den Bestand erhalten, wir wollen überleben in der schwierigen europäischen Wirtschaftslage. "Festhalten, erhalten, retten!" – so fühlt die europäsiche Seele. Das ist nicht übermässig spirituell, da wir doch rufen: "Loslassen, feiern, schenken!"

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    Präsident Rafael Correa, Ecuador

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Petition online!

Spontan wie ich bin, habe ich meine Petition bereits lanciert.
Du findest sie hier:

http://www.thepetitionsite.com/577/598/550/lets-light-the-world-peace-candle/

Ich werde sie auch noch auf Deutsch bringen.

Ich bitte dich, die Petition zu unterschreiben und deine Freunde ebenfalls dazu einzuladen.

Der Text ist praktisch identisch mit dem Text, den ich im vorigen Blog „Weltphilosophie konkret“ gebracht habe.

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Weltphilosophie konkret

Es macht mir am meisten Freude, wenn meine Gedanken sich auch praktisch umsetzen lassen. Nun gibt es eine weitere schöne Gelegenheit!

Siehe die inzwischen gestartete Petition: http://www.thepetitionsite.com/577/598/550/lets-light-the-world-peace-candle/

Ich finde, die Chancen stehen gut für folgende Aktion

Ich habe eine weltweite Petition gestartet für die Entzündung der Weltfriedenskerze in New York. Diese Kerze ist bereits an der UNO deponiert; ich war damals an der Aktion führend beteiligt.
Hier die Geschichte:
Im Rahmen unserer „Globalen Initiative für sofortige Abrüstung“ lancierten wir verschiedene kreative Projekte. Eines davon war die Weltfriedenskerze. Sie soll entzündet werden, sobald es keine nuklearen Waffen mehr auf diesem Planeten gibt.
Wir konnten die Schweizer Regierung gewinnen, in unserem Namen die Kerze der UNO zu schenken. Ausserdem engagierte sich der damalige Schweizer Präsident Cotti persönlich für unser Projekt.
Nun habe ich kürzlich durch Zufall 🙂 entdeckt, dass es noch Dokumentationen auf dem Internet über diese Aktionen gibt. Und ich war überrascht zu lesen, dass damals der Bürgermeister von San Francisco und der Stadtrat von Berkeley das Projekt der Friedenskerze offiziell unterstützt haben.

Präsident Barack Obama setzt sich für nukleare Abrüstung ein. Wir haben also heute viel bessere Chancen als damals, dass der Abrüstungsprozess beschleunigt wird.
In unserer etwas zerknirschten, zynischen Zeit wäre es ein grosses Zeichen der Hoffnung, wenn abgerüstet und die Kerze als Symbol entzündet würde. Ausserdem steht die Weltöffentlichkeit ganz klar hinter einem solchen Vorhaben. Es müsste also leicht sein, mit Online-Petitionen diese Öffentlichkeit zu gewinnen und auch die Medien zu erreichen.
Ich füge unten einen Entwurf dieser Petition bei. Bitte sage mir, ob du abstimmen und diese Aktion unterstützen wirst.

Mit inspirierten, fröhlichen Grüssen

Rolando

……….

Petition „Weltfriedenskerze“ – Entwurf

Ermutigung der politischen Führer, die nuklearen Waffen abzuschaffen.

An den Präsidenten der USA, an die UNO, an die Schweizer Regierung und alle Regierungen.

Eine Petition der Welt-Gemeinschaft

1996 überreichte die Schweizer Regierung eine Weltfriedenskerze an die UNO. Sie soll entzündet werden, sobald alle nuklearen Waffen, als ein erster Schritt zu totaler Abrüstung, abgeschafft sind.
In der Zwischenzeit unterstützen Politiker wie Barack Obama die nukleare Abrüstung. Mit dieser Petition will die Welt-Gemeinschaft die politischen Führer und die UNO ermutigen, die notwendigen Schritte zu unternehmen.

Hintergrund:

Die Weltfriedenskerze war eines der Projekte der Globalen Initiative, die u.a von Dr. Roland Schutzbach gegründet worden war.
Die internationalen Schirmherren der Initiative waren Mikail Gorbatschow und der Dalai Lama.
Das Projekt der Weltfriedenskerze wurde bzw. wird unterstützt von Dr. Patch Adams, USA, Gesundheitsaktivist, von den Stadtregierungen von San Francisco und Berkeley und von der Butterfly Gardeners Organisation BGA (Alan Moore).

Private Organisationen dürfen der UNO nichts schenken. Daher stimmte die Schweizer Regierung zu, im Auftrag der Globalen Initiative die Kerze nach New York zu senden. Der damalige Schweizer Präsident Flavio Cotti entzündete mit der „Fackel der Hoffnung“ die Schweizer Friedenskerze.

Im September 1996 wurde eine Delegation der Globalen Initiative, überwiegend junge Leute, nach New York eingeladen, um die Kerze zu präsentieren. Sie brachten auch 20000 Unterschriften für Abrüstung aus vielen Ländern.
Seit damals wartet die Kerze darauf, entzündet zu werden.
Wir, die Welt-Gemeinschaft, wünschen uns dringend, dass diese Waffen vernichtet werden. Das Entzünden der Kerze wird eine neue Ära des Friedens und den Beginn völliger Abrüstung symbolisieren. Wir wollen die Kerze noch zu unseren Lebzeiten brennen sehen!

Also lasst uns diese Petition unterschreiben! Sie wird an viele Regierungen der Welt gesendet werden!

Wir, die Unterzeichneten, fordern Sie, die politischen Führer unseres Planeten, auf, aktiv die völlige nukleare Abrüstung herbeizuführen.

Grundgedanken der konkreten Weltphilosophie

Schon die alten Philosophen haben darüber nachgedacht, wie die Philosophie in der Gesellschaft Wirklichkeit werden kann. Sie haben die Staatsphilosophie entwickelt und versucht, auf die Politik Einfluss zu nehmen.
Wir stehen heute in einer besonderen weltweiten Situation der Bedrohung unseres Planeten.
Da ist es wohl angemessen, dass die Philosophie sich einmischt – besonders wenn es auf elegante und inspirierende Weise geschehen kann.

Mir scheint, dass es oft an Ideen fehlt. Gandhi ist für mich ein Vorbild im Hinblick auf gute Ideen: Als Alternative zu den in England produzierten Kleidern forderte er seine Landsleute auf, sich selbst ans Spinnrad zu setzen; das Recht der Inder auf ihr eigenes Salz unterstrich er mit dem gigantischen Salz-Marsch, den er auch geschickt medial inszenierte.

Ich hoffe, dass die von mir erneut ins Spiel gebrachte Weltfriedenskerze eine gute Idee in diesem Sinne ist. Sie ist ein Symbol in unserer Zeit des Wandels. Es ist leicht, das Projekt zu unterstützen: Mit einer Unterschrift unter eine Online-Petition und/ oder mit einem finanziellen Beitrag.

Die Grundgedanken der Weltphilosophie sind Lebensfreude, Frieden, Gemeinschaft, Inspiration, Optimismus, Kreativität und eine Welt-Gemeinschaft. Die Weltfriedenskerze erfüllt alle diese Kriterien. Die Welt-Gemeinschaft kann mit wenigen Mitteln aktiv werden und ihrem Wunsch nach einem friedlichen Planeten Ausdruck geben. Der einzelne, der sich auf diese Weise einsetzt, weiss: Ich habe etwas getan für die Zukunft unseres Planeten.
Gleichzeitig mischt sich diese Initiative nicht weiter ein, sondern überlässt die Taten den Politikern. Es ist eine Initiative der Unterstützung, nicht des Forderns.

Dies ist eine gute Zeit, dass die Menschheit zu sich selbst erwacht, dass sie mit Bewusstsein ein neues Zeitalter und ein neues Menschenbild kreiert.
Es gibt bereits viele Ansätze in dieser Richtung, und mein Projekt fügt eine weitere Variation hinzu. Eine Variation allerdings, die durch die bisherige Mitarbeit der Schweizer Regierung, der UNO und weiterer Partner besonders gute Chancen hat.

Die heute bestehenden Petitionsplattformen können Millionen von Menschen mobilisieren und damit Einfluss nehmen. Sie verhindern oft Ungerechtigkeiten oder verhelfen einem humanitären Projekt zum Erfolg.
Es gibt heute auch das „Crowdfunding“. Es ist eine Methode, über das Internet inspirierende Projekt von grossen Gruppen von Menschen finanzieren zu lassen.
Beide Techniken werden eingesetzt.
Und darüber hinaus werden die Medien informiert, zu denen seit vielen Jahren gute Beziehungen bestehen.

„Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es“, hat vor vielen der unvergessene Erich Kästner formuliert. Tun wir es!

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Statusmeldung: Altea, Spanien

Nach einer etwas harten Landung – wegen der vorläufig geplatzten Reise nach Südamerika – verlebten wir eine sehr schöne Zeit in Teneriffa.
Die ersten Tage verbrachten wir in einem winzigen Zimmer einer Pension in Santa Cruz. Dann wurde uns – durch Zufall, olé! – ein Studio in Puerto de la Cruz an der Nordküste angeboten. Dort blieben wir fast vier Wochen. Die letzten vier Tage verbrachten wir wieder an der Südküste in dem schönen kleinen Ort El Medano. Und nun sind wir in Altea angelangt, in einer schönen hellen Wohnung, die wir für 7 Wochen gemietet haben. Am 19. Januar fliegen wir dann für ca. 3 Monate nach Ecuador…

Erzählung:

Nicht nur, dass wir etwas geschockt waren durch den ausgefallenen Flug! Es regnete und stürmte auch noch in den ersten beiden Wochen auf Teneriffa.
Puerto de la Cruz entpuppte sich als ein Nest von Rentnern aus Nordeuropa. Aber der Kaffee und die Brezeln waren gut.
Puerto de la Cruz ist eine wunderbare Stadt mit einem herrlichen Meerwasser-Swimmingpool, und bei schönem Wetter konnten wir nicht nur dort, sondern auch in unserem Appartment-Haus baden.

Wir sind Mitglieder von Couchsurfing. Das ist eine Organisation, die gegenseitige Besuche und gegenseitiges Übernachten begünstigt. Wir nahmen Kontakt auf zu lokalen Couchsurfern und trafen sehr freundliche Leute, die uns die Gegend zeigten und uns auf Wanderungen mitnahmen. So erfuhren wir viel über diese Insel, den Vulkan Teide, die Geschichte. Wir liessen uns inspirieren vom deutschen Entdecker Alexander von Humboldt, der ums Jahr 1800 den 3700 m hohen Vulkan bestieg und anschliessend seine aufsehenerregende Südamerika-Forschungsreise antrat.

Und nun sind wir in Altea angelangt, unserer „alten Heimat“. Hier haben wir von 2005 bis 2009 gewohnt, hier haben wir viele Freunde, und es ist ganz wunderbar! Auch ist das Wetter schön und sonnig, und unsere Wohnung ist einfach Klasse! Hier können wir Freunde und auch Couchsurfer einladen und bekommen Besuch von der Familie!

Am Abend ist es kühl, ca. 10 Grad, und wir dürfen schon heizen. Seit gestern haben wir Holz für das Cheminée, das ist richtig gemütlich. Und ich habe Zeit zu schreiben! So ein Spass!

Ich kann meine Themen nicht mehr bändigen: Die Schweiz, Südamerika, Laotse und die chinesische Weisheit, die Couchsurfer und die neue Zeit, das inspirierte Paar, die Kunst des Glücklichseins – wo soll ich anfangen, wo soll ich weiterfahren?
In Südamerika inspiriert mich besonders der Präsident von Uruguay, Pepe Mujica, der „ärmste Präsident“. Er verzichtet auf 90 % seines Gehalts und hält mitreissende, inspirierende Reden. Da gäbe es noch viel zu übersetzen und dann zu interpretieren…

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Die Schweiz der Zukunft

Visionen für die Schweiz! Warum nicht?

2011 habe ich ein Buchprojekt begonnen mit dem Titel „Die Schweiz der Zukunft“. Ich habe es dann beiseitegelegt, wegen der Vielzahl meiner Projekte. Jetzt ist es wieder aufgetaucht, und ich habe Freude daran. Es soll ein Teil meiner „Welt-Philosophie“ werden, im Zusammenhang der „spirituellen Gestalt von Ländern“.

Hier folgt die Einleitung, und in Kürze kommen die 20 Seiten, die ich bereits 2011 geschrieben hatte.
Es lebe die Schweiz! 🙂

Einführung

Menschlich ist eine Gemeinschaft erst dann, wenn sie einen gemeinsamen Geist, eine gemeinsame Beseelung, einen Gemeinwillen entwickelt hat, der als solcher in allen Teilnehmern lebendig ist und diese hebt, kräftigt und bestärkt.

Heinrich Rombach

Die neue Schweiz, philosophisch gesehen. Gibt es etwas Philosophisches an der Schweiz? Aber sicher! Der Philosoph, der hier schreibt, nennt sich auch Narrosoph, und das bedeutet: ein lachender, etwas närrischer Philosoph. Daher wird dieser Text sowohl ernste als auch nicht so ernste Gedanken enthalten. Der Narrosoph darf, wie früher der Narr, die Wahrheit sagen. Und das wird er auch tun.

Die Schweiz hat gute Chancen für eine Philosophie und für Erneuerung. Sie ist einzigartig in ihrer Geschichte, ein Unikum, ein Unikat. Sie basiert auf einer Idee, und das ist selten. Sie entwickelte spezielle politische Strukturen. Und sie hat keine Vision.
So entsteht möglicherweise eine Lücke für Kreativität, und in diese Lücke werde ich springen.

Eine Philosophie der neuen Schweiz ist mir bisher nicht begegnet. Und nur selten eine speziell schweizerische Spiritualität. Als Globetrotter habe ich Länder mit spiritueller Ausrichtung gesehen, das hat mich fasziniert. Kann die Schweiz sich philosophisch und spirituell neu erfinden? Will sie das? Sie wäre wirklich neu, wenn sie das Neu-Erfinden als Spiel geniessen würde.

Rolf, Schweizer, 60-jährig, sagte kürzlich in einem Gespräch: Die Schweiz ist auf hohem Niveau blockiert. Vielleicht kann man den Zustand so lassen, wie er ist. Blockiert muss nicht unbedingt negativ sein, es kann auch „ruhig“ bedeuten. Trotzdem wirkte Rolf bei dieser Aussage nicht glücklich. Er betonte, dass die Schweiz in seiner Jugendzeit ein wahres Paradies gewesen sei: „Wir konnten mal jobben, dann wieder geniessen, und wieder jobben; es war so einfach! Da war alles da. Ich weiss nicht, ob wir jemals wieder dieses Niveau der Freiheit erreichen werden.“

Ich lebe als Deutscher – besser gesagt als Bayer – seit 30 Jahren in der Schweiz. Ich beziehe meine Erfahrungen ein, und ich beschreibe, was ich heute sehe und wahrnehme.

Meine Nähe zur Schweiz wird dadurch erhöht, dass ich mit einer Schweizer Frau verheiratet bin. Dadurch ist mir die Schweiz auch bei den fernsten Reisen sehr nah. Wenn sie ihren Bikini ein „Badkleid“ nennt, dann weiss ich, was in den Augen einer Schweizerin Sache ist. Sie spricht Schweizerdeutsch mit mir, besser gesagt Bärndütsch, und noch heute, nach all diesen Jahrzehnten, erfahre ich neue Worte. Da sie über beträchtliche Phantasie verfügt, weiss ich manchmal nicht, ob diese Wörter tatsächlich existieren. Zum Beispiel spricht sie manchmal davon, dass etwas sie „dubedänzig“ macht. Ich habe inzwischen erfahren, dass das Wort existiert. Aber sie sagte kürzlich, dass ich „umepfize“, weil ich schnell hinter ihr vorbeiging. Dieses Wort wurde zugegebenermassen von ihr in diesem Moment erfunden und verdeutlicht die Lebendigkeit der Sprache. Während in Deutschland oder Frankreich Sprache festgelegt und es eine halbe Todsünde ist, wenn man ein Wort falsch schreibt oder gar ein neues erfindet, ist der Schweizer darüber erhaben und erfindet neue. Zumindest Christina.

Gibt es heute noch so etwas wie eine Staatsphilosophie – und gar eine speziell Schweizerische? Plato hat in seinem Werk „Der Staat“ die Idee der Gerechtigkeit entwickelt. Dies nur als Beispiel einer Grundidee für einen Staat.
Zum Thema der inspirierten Demokratie, und damit der Staatsphilosophie, schreibt Heinrich Rombach:

Wir meinen, dass auch in der Demokratie Geist und Begeisterung ihre Berechtigung, ja Notwendigkeit haben. Treibt man dergleichen aus, so bleibt nicht etwa die ‚reine Vernunft’ übrig, sondern es macht sich ein anderer Geist breit, der platteste, den man sich denken kann, der Geist des Konsums.

Wie kommen wir zur begeisterten, zur geist-erfüllten Demokratie? Oder ist die Schweiz schon dort? Hier eine sehr kleine Umfrage (bitte ankreuzen, was für Sie stimmt):

Die Schweiz ist eine begeisterte, leuchtende und heitere Gemeinschaft.
Die Schweiz ist gerecht und sauber.
Die Schweiz ist ungerecht und langweilig.

Worum geht es mir?

Ich versuche, das eigentliche Wesen der Schweiz zu erfassen. Dabei benutze ich geschichtliche und literarische Quellen. Ich beziehe aber auch Gespräche, Interviews und mein persönliches Gefühl mit ein. Diese intuitive Vorgehensweise bezieht neueste wissenschaftliche Erkenntnisse mit ein, welche besagen, dass es keine objektive Realität gibt. Vielmehr schafft sich jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit. So ist denn ein Empfinden durchaus ein Wahrheitsfaktor.

Wäre ich ein Schweizer, ich könnte mit Schiller, Wilhelm Tell, sagen:

„Sind auch die alten Bücher nicht zur Hand,
Sie sind in unsre Herzen eingeschrieben.“

Das will heissen, dass man nicht alle Bücher, Abhandlungen und Geschichten über die Schweiz gelesen haben muss, um sie zu verstehen. Christina fühlt sich mit jedem Schweizer auf eine geheimnisvolle Art verbunden. Diese Verbundenheit bezieht sie nicht aus Büchern, sondern aus dem Herzen, wie Schiller so hellsichtig sagt.

Ich versuche, das Wesen, den „Geist“ der Schweiz, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sehen. Dabei bediene ich mich verschiedener, auch ungewohnter Perspektiven: Ich vergleiche die Schweiz mit der Insel der Götter, Bali. Ich spreche mit Menschen, die in ihrer Arbeit und in ihrem Bewusstsein schon einen Schritt in die Zukunft getan haben. Ich rufe Persönlichkeiten in Erinnerung, die wegweisend waren: Niklaus von der Flüe, Werner Zimmermann, Jean Gebser. Ich gehe auf den Gründungsmythos des Wilhelm Tell ein.

Die Schweiz ist inspirierender, als viele glauben! Als Globetrotter habe ich Länder gesehen, die viel spiessbürgerlicher und langweiliger sind. Ich erlebe die Schweizer Bürokratie als hilfreich und kooperativ. Es gibt in vielen Bereichen eine schöne Kreativität und philosophische Offenheit. Schon jetzt ist die Schweiz ein Sammelbecken für Neues, für Psychologie, Philosophie, Spiritualität, wirtschaftliche Experimente. Ich wünsche mir, dass das noch stärker wird, und dass es mit begeistertem Bewusstsein gestaltet wird.
Es ist der Sinn dieses Buches, die guten Ansätze zu zeigen und zu weiteren Taten zu motivieren.

Veröffentlicht in Lachen, Lösung, Philosophie, Politik, Reise

Philosophischer Hit: Chuang-tzu

Vielleicht wird ja nun deutlich, warum es uns nach Teneriffa verschlagen hat, warum unser Flug nach Ecuador vorläufig nicht stattfinden konnte: Ich habe hier einen philosophischen Hit entdeckt, und er heisst Chuang-tzu (oder auch Tschuang-Tse).

Dass ich ein Liebhaber von Lao-tzu (Lao-tse) bin, dürfte vielen bekannt sein. Von Chuang-tzu hatte ich mal ein Buch, vor vielen Jahren, und ich weiss, dass er mir damals gefallen hat.

Das kleine Buch fiel mir in in die Hand, als ich kürzlich an der deutschen Strassen-Buchhandlung vorbei schlenderte. Ich sah einen Titel: TAO – Texte von Lao-tzu und Chuang-tzu.
Als ich auf dem Buchrücken las, dass Chuang-tzu durch seinen Humor und seine Ironie bekannt ist, war der Kauf keine Frage mehr. (Ich kaufe sehr wenig Bücher und habe sehr wenige mit dabei, wegen des Gewichtes.)

Chuang-tzu begeistert mich. Es ist gigantisch, was der Mann schreibt. Er hat im 4. Jahrhundert v. Chr. gelebt, etwas nach Lao-Tzu, in der hohen Zeit der Philosophen in China. Er schreibt philosophische Poesie, mit kräftigen Bildern, mit einer Ironie und souveränen Erhelltheit, die mir sonst noch kaum begegnet sind.

Er gefällt mir noch besser als Lao-tzu, und das will was heissen!

Worum geht es?

Natürlich um das Tao, das Unerklärbare, das durch Worte nicht gesagt werden kann, das nur der Weise erkennt und lebt.

Die erste Geschichte, die ich spontan aufschlug, handelt von einem Herzog und einem Radmacher. Der Herzog liest in einem Buch. Der Radmacher geht zu ihm und sagt sinngemäss: Wenn du in Büchern liest von Männern, die schon gestorben sind, dann liest du nur Abfall.

Der Herzog verlangt eine Erklärung, die folgendermassen lautet:

„Wenn ich beim Radmachen mit dem Hammer zu schwach zuschlage, rutscht mir der Meissel ab und greift nicht. Schlag‘ ich aber zu kräftig zu, dann steckt er gleich fest und lässt sich nicht mehr bewegen. Nicht zu schwach und nicht zu kräftig – die Hand bekommt ein Gespür dafür, und innerlich stimmt man sich darauf ab. Es lässt sich nicht in Worte fassen, und doch ist irgendein besonderer Trick dabei. Ich kann ihn meinem Sohn nicht lehren, und er kann ihn nicht von mir lernen….
Diese Männer aus längst vergangener Zeit nahmen alles Wissen, das sich nicht weitergeben liess, mit ins Grab. Also kann das, was Eure Hoheit hier lesen, nur der Abfall sein, der von ihnen übrigblieb.“

Was heisst das? Das versteht man sofort: Die eigentliche Kunst ist nicht lern- und nicht übertragbar, die kann man sich nur selbst durch Übung aneignen.
Das gilt genauso für die Lebenskunst, für die Weisheit, für die Lebensfreude: Man kann zwar darüber lesen, aber die eigentliche Tat, die Entscheidung kann man nur selbst vollbringen, den Weg kann man nur selbst gehen.

Es wimmelt von grossartigen Stellen in dem Buch. Manche sind wirklich hoch-philosophisch und auch paradox, aber viele sind gut verständlich und regelrecht ansteckend.
Ich habe solche Texte schon lange nicht mehr gelesen. Auch in der indischen Spiritualität habe ich kaum solche tiefgründigen und frechen Aussagen gefunden. Das Leela-Prinzip des Gottes Krishna hat uns beflügelt, aber in diesen chinesischen Texte kommt mir noch etwas ganz anderes entgegen.

Damals war die Welt nicht in Ordnung, und heute ist sie nicht in Ordnung. Aber damals gab es Menschen, die das Ganze mit sehr viel Humor, Klarsicht und Vision betrachteten!

Hier ist eine dieser Visionen:

In einem Zeitalter höchster Tugend werden die Grossen nicht geehrt und die Könner nicht beschäftigt. Herrscher sind wie die Wipfelzweige am Baum, das einfache Volk wie das Wild auf dem Feld. Sie tun das Rechte, aber sie wissen nicht, dass dies Rechtschaffenheit ist. Sie lieben einander, aber sie wissen nicht, dass dies Nächstenliebe ist. Sie sind wahrhaftig, wissen aber nicht, dass dies Treue ist. Darum hinterlassen ihre Schritte keine Spuren; darum werden ihre Taten nicht der Nachwelt überliefert.

Herrscher sind wie Wipfelzweige am Baum – wie schön! Sie schwingen mit, und das Herrschen ergibt sich von allein, ohne Anstrengung…Die Welt ist einfach in Ordnung, und diese Ordnung verwirklicht sich ohne Absicht, ohne Tun. „Tue das Nicht-Tun“ – das ist einer der Kernsätze bei Lao-tzu, und dieser Satz steht in so wunderbarem Widerspruch zu unserer Kultur der Über-Aktivität.

Das ganze Geplapper und die Hektik und die Wichtigtuerei, all das fällt weg, wenn die innere Ordnung einkehrt.

Das ist nun wirklich Welt-Philosophie, wie wir sie brauchen können!

Wenn wir das verstehen, dann werden wir wie Wipfelzweige oder wie das Wild auf dem Feld.

Der Taoismus setzte sich in Gegensatz zum Konfuzianismus. Konfuzius entwickelte ein Lehrgebäude, eine Ethik mit Werten aller Art.
Lao-tzu aber sagte sinngemäss, dass es vorbei ist mit der taoistischen Inspiration, sobald die Moralvorschriften kommen.
Chuang-tzus Taoismus ist eine leichtsinnige, leichtfertige und gleichzeitig tiefsinnige Sache:

Wie kannst du da noch hoffen, auf irgendwelchen Pfaden der Verträumtheit, Sorglosigkeit und Ungebundenheit zu wandeln,

fragt er einen seiner Schüler. Das Ziel ist also die Verträumtheit, nicht die Pflichterfüllung, die Sorglosigkeit und nicht die Sicherheit.

Unser Denken und unsere Traditionen sind schon ein wenig anders. Wir sind einseitig auf Leistung geprägt. Wir können uns Sorglosigkeit nicht vorstellen, weil man uns das ausgetrieben hat.

Es gibt, interessanterweise ebenfalls in China, die Tradition der lachenden Mönche, des lachenden Buddha, der sorglos durchs Land zieht und sich einfach nur amüsiert und des Lebens freut.

Chuang-tzu bedauert seine Mitmenschen:

Ist er nicht bemitleidenswert? Da schwitzt er und plagt sich ab bis ans Ende seiner Tage, ohne dabei je seiner Erfüllung gewahr zu werden; ganz und gar erschöpft er sich, ohne je zu wissen, wo Rast zu finden wäre – muss man ihn nicht bedauern? „Ich bin noch nicht tot!“ sagt er, aber was hat das für einen Wert? Sein Leib verfällt, der Geist folgt ihm nach – lässt sich leugnen, dass das ein grosser Jammer ist? Stets war des Menschen Leben ein derartiger Wirrwarr. S. 133

Und dann gibt er den Rat:

Der naturgegebenen Stimme des eigenen Herzens folgen und es zu seinem Lehrer machen.

Da haben wir die Essenz der Welt-Philosophie: Philosophischer Hit: Chuang-tzu

Vielleicht wird ja nun deutlich, warum es uns nach Teneriffa verschlagen hat, warum unser Flug nach Ecuador vorläufig nicht stattfinden konnte: Ich habe hier einen philosophischen Hit entdeckt, und er heisst Chuang-tzu (oder auch Tschuang-Tse).

Dass ich ein Liebhaber von Lao-tzu (Lao-tse) bin, dürfte vielen bekannt sein. Von Chuang-tzu hatte ich mal ein Buch, vor vielen Jahren, und ich weiss, dass er mir damals gefallen hat.

Das kleine Buch fiel mir in in die Hand, als ich kürzlich an der deutschen Strassen-Buchhandlung vorbei schlenderte. Ich sah einen Titel: TAO – Texte von Lao-tzu und Chuang-tzu.
Als ich auf dem Buchrücken las, dass Chuang-tzu durch seinen Humor und seine Ironie bekannt ist, war der Kauf keine Frage mehr. (Ich kaufe sehr wenig Bücher und habe sehr wenige mit dabei, wegen des Gewichtes.)

Chuang-tzu begeistert mich. Es ist gigantisch, was der Mann schreibt. Er hat im 4. Jahrhundert v. Chr. gelebt, etwas nach Lao-Tzu, in der hohen Zeit der Philosophen in China. Er schreibt philosophische Poesie, mit kräftigen Bildern, mit einer Ironie und souveränen Erhelltheit, die mir sonst noch kaum begegnet sind.

Er gefällt mir noch besser als Lao-tzu, und das will was heissen!

Worum geht es?

Natürlich um das Tao, das Unerklärbare, das durch Worte nicht gesagt werden kann, das nur der Weise erkennt und lebt.

Die erste Geschichte, die ich spontan aufschlug, handelt von einem Herzog und einem Radmacher. Der Herzog liest in einem Buch. Der Radmacher geht zu ihm und sagt sinngemäss: Wenn du in Büchern liest von Männern, die schon gestorben sind, dann liest du nur Abfall.

Der Herzog verlangt eine Erklärung, die folgendermassen lautet:

„Wenn ich beim Radmachen mit dem Hammer zu schwach zuschlage, rutscht mir der Meissel ab und greift nicht. Schlag‘ ich aber zu kräftig zu, dann steckt er gleich fest und lässt sich nicht mehr bewegen. Nicht zu schwach und nicht zu kräftig – die Hand bekommt ein Gespür dafür, und innerlich stimmt man sich darauf ab. Es lässt sich nicht in Worte fassen, und doch ist irgendein besonderer Trick dabei. Ich kann ihn meinem Sohn nicht lehren, und er kann ihn nicht von mir lernen….
Diese Männer aus längst vergangener Zeit nahmen alles Wissen, das sich nicht weitergeben liess, mit ins Grab. Also kann das, was Eure Hoheit hier lesen, nur der Abfall sein, der von ihnen übrigblieb.“

Was heisst das? Das versteht man sofort: Die eigentliche Kunst ist nicht lern- und nicht übertragbar, die kann man sich nur selbst durch Übung aneignen.
Das gilt genauso für die Lebenskunst, für die Weisheit, für die Lebensfreude: Man kann zwar darüber lesen, aber die eigentliche Tat, die Entscheidung kann man nur selbst vollbringen, den Weg kann man nur selbst gehen.

Es wimmelt von grossartigen Stellen in dem Buch. Manche sind wirklich hoch-philosophisch und auch paradox, aber viele sind gut verständlich und regelrecht ansteckend.
Ich habe solche Texte schon lange nicht mehr gelesen. Auch in der indischen Spiritualität habe ich kaum solche tiefgründigen und frechen Aussagen gefunden. Das Leela-Prinzip des Gottes Krishna hat uns beflügelt, aber in diesen chinesischen Texte kommt mir noch etwas ganz anderes entgegen.

Damals war die Welt nicht in Ordnung, und heute ist sie nicht in Ordnung. Aber damals gab es Menschen, die das Ganze mit sehr viel Humor, Klarsicht und Vision betrachteten!

Hier ist eine dieser Visionen:

In einem Zeitalter höchster Tugend werden die Grossen nicht geehrt und die Könner nicht beschäftigt. Herrscher sind wie die Wipfelzweige am Baum, das einfache Volk wie das Wild auf dem Feld. Sie tun das Rechte, aber sie wissen nicht, dass dies Rechtschaffenheit ist. Sie lieben einander, aber sie wissen nicht, dass dies Nächstenliebe ist. Sie sind wahrhaftig, wissen aber nicht, dass dies Treue ist. Darum hinterlassen ihre Schritte keine Spuren; darum werden ihre Taten nicht der Nachwelt überliefert.

Herrscher sind wie Wipfelzweige am Baum – wie schön! Sie schwingen mit, und das Herrschen ergibt sich von allein, ohne Anstrengung…Die Welt ist einfach in Ordnung, und diese Ordnung verwirklicht sich ohne Absicht, ohne Tun. „Tue das Nicht-Tun“ – das ist einer der Kernsätze bei Lao-tzu, und dieser Satz steht in so wunderbarem Widerspruch zu unserer Kultur der Über-Aktivität.

Das ganze Geplapper und die Hektik und die Wichtigtuerei, all das fällt weg, wenn die innere Ordnung einkehrt.

Das ist nun wirklich Welt-Philosophie, wie wir sie brauchen können!

Wenn wir das verstehen, dann werden wir wie Wipfelzweige oder wie das Wild auf dem Feld.

Der Taoismus setzte sich in Gegensatz zum Konfuzianismus. Konfuzius entwickelte ein Lehrgebäude, eine Ethik mit Werten aller Art.
Lao-tzu aber sagte sinngemäss, dass es vorbei ist mit der taoistischen Inspiration, sobald die Moralvorschriften kommen.
Chuang-tzus Taoismus ist eine leichtsinnige, leichtfertige und gleichzeitig tiefsinnige Sache:

Wie kannst du da noch hoffen, auf irgendwelchen Pfaden der Verträumtheit, Sorglosigkeit und Ungebundenheit zu wandeln,

fragt er einen seiner Schüler. Das Ziel ist also die Verträumtheit, nicht die Pflichterfüllung, die Sorglosigkeit und nicht die Sicherheit.

Unser Denken und unsere Traditionen sind schon ein wenig anders. Wir sind einseitig auf Leistung geprägt. Wir können uns Sorglosigkeit nicht vorstellen, weil man uns das ausgetrieben hat.

Es gibt, interessanterweise ebenfalls in China, die Tradition der lachenden Mönche, des lachenden Buddha, der sorglos durchs Land zieht und sich einfach nur amüsiert und des Lebens freut.

Chuang-tzu bedauert seine Mitmenschen:

Ist er nicht bemitleidenswert? Da schwitzt er und plagt sich ab bis ans Ende seiner Tage, ohne dabei je seiner Erfüllung gewahr zu werden; ganz und gar erschöpft er sich, ohne je zu wissen, wo Rast zu finden wäre – muss man ihn nicht bedauern? „Ich bin noch nicht tot!“ sagt er, aber was hat das für einen Wert? Sein Leib verfällt, der Geist folgt ihm nach – lässt sich leugnen, dass das ein grosser Jammer ist? Stets war des Menschen Leben ein derartiger Wirrwarr. S. 133

Und dann gibt er den Rat:

Der naturgegebenen Stimme des eigenen Herzens folgen und es zu seinem Lehrer machen.

Da haben wir die Essenz der Welt-Philosophie: Dem eigenen Herzen folgen. Der eigenen Erfüllung gewahr werden. Das ist doch ganz einfach, nicht wahr?

Ich habe das Adjektiv „gigantisch“ verwendet. Hier zum Schluss eine Stelle, die erneut klar macht, was ich mit diesem Wörtchen meine. Ansonsten empfehle ich, das Buch zu lesen – allerdings ist es wahrscheinlich nur noch antiquarisch zu haben; vielleicht auch am Buch-Stand in Puerto de la Cruz, Teneriffa 🙂

Chuang-tzu über den idealen Menschen:

Der ideale Mensch ist gottähnlich. Mögen die grossen Moore in Flammen stehen, sie können ihn nicht versengen; mögen die grossen Flüsse gefrieren, sie können ihn nicht erkälten; mag der jähe Blitz die Hügel spalten und das heulende Sturmgeschwader die See aufwühlen, sie können ihn nicht in Schrecken versetzen. Ein Mensch wie der reitet auf den Wolken und dem Nebel, steht breitbeinig über Sonne und Mond und schweift frei jenseits der vier Meere. Selbst Leben und Tod zeitigen keine Wirkung bei ihm, viel weniger noch die Grundsätze von Vorteil und Schaden. S. 145

Und ganz zuletzt noch ein Kommentar des Übersetzers aus der Einleitung des Bandes:

Chuang-tzu, so wie wir ihn aus dem ihm zugeschriebenen Werk rekonstruieren können, gilt als der grösste Dichterphilosoph der chinesischen Literatur; und das Poetische ist von seiner Konzeption des Tao in der Tat nicht abtrennbar. Das Verschmelzen des Selbst mit der schaffenden Dynamik des Universums liegt als intuitiv durchdringende Helle der Erleuchtung und als ego-vernichtende Stille ausserhalb jeglicher kommunikativer Dimension. S. 115, Peter Kobbe

Ich habe das Adjektiv „gigantisch“ verwendet. Hier zum Schluss eine Stelle, die erneut klar macht, was ich mit diesem Wörtchen meine. Ansonsten empfehle ich, das Buch zu lesen – allerdings ist es wahrscheinlich nur noch antiquarisch zu haben; vielleicht auch am Buch-Stand in Puerto de la Cruz, Teneriffa 🙂

Chuang-tzu über den idealen Menschen:

Der ideale Mensch ist gottähnlich. Mögen die grossen Moore in Flammen stehen, sie können ihn nicht versengen; mögen die grossen Flüsse gefrieren, sie können ihn nicht erkälten; mag der jähe Blitz die Hügel spalten und das heulende Sturmgeschwader die See aufwühlen, sie können ihn nicht in Schrecken versetzen. Ein Mensch wie der reitet auf den Wolken und dem Nebel, steht breitbeinig über Sonne und Mond und schweift frei jenseits der vier Meere. Selbst Leben und Tod zeitigen keine Wirkung bei ihm, viel weniger noch die Grundsätze von Vorteil und Schaden. S. 145

Und ganz zuletzt noch ein Kommentar des Übersetzers aus der Einleitung des Bandes:

Chuang-tzu, so wie wir ihn aus dem ihm zugeschriebenen Werk rekonstruieren können, gilt als der grösste Dichterphilosoph der chinesischen Literatur; und das Poetische ist von seiner Konzeption des Tao in der Tat nicht abtrennbar. Das Verschmelzen des Selbst mit der schaffenden Dynamik des Universums liegt als intuitiv durchdringende Helle der Erleuchtung und als ego-vernichtende Stille ausserhalb jeglicher kommunikativer Dimension. S. 115, Peter Kobbe