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Südamerika – kleiner Rückblick

Unsere letzte grosse Reise führte uns 2012/ 2013 nach Spanien und Südamerika. Wir erlebten zahlreiche Abenteuer – es war ein beträchtliches Auf und Ab, im ganzen aber ein Höhenflug! Südamerika hiess uns ein einer Weise willkommen, wie wir es noch nie erlebt haben. Wir landeten am 19. Januar in Quito, Ecuador, und wurden von einer Lachgruppe am Flughafen mit Pauken und Trompeten empfangen. Wir waren fast immer eingeladen und besuchten unseren alten Freund Que Zhinin in Cuenca. Que verzierte unsere Fotos mit seinen Künstler-Freunden, und so entstand die Idee des narrosophischen Büchleins.

Wir wurden weitergereicht, empfohlen, bewirtet. In Argentinien waren wir über eine Woche lang eingeladen auf höchstem Niveau – mit Unterkünften in Luxus-Hotels, einer Reise mit Privat-Chauffeur zu den Iguazu-Fällen, mit Pressekonferrenzen zu den Themen Lachen und Quantenheilung.
Ein Tageskurs mit uns wurde in der Stadt Corrientes organisiert mit dem Thema „Glücklichsein ist eine Quantenaktivität“. Diesen Kurs hielten wir auch in Ecuador und Chile. Wir hatten einen Auftritt in der Radiostation „Conversando en Positivo“ der Universität von Chile, und die spanische Sektion von swissinfo.ch veröffentlichte einen Artikel über uns.
In Santiago de Chile tauchten wir erneut ein in die Welt des Lachyoga und liessen und vom dortigen starken Lach-Netz inspirieren. Christina gab in einem Kulturzentrum einen Kurs über Quantenheilung, der sehr gut besucht war.
Wir fühlten uns so wohl, dass wir schon unsere Rückkehr in die Schweiz in Frage stellten. Nicht wirklich! Denn inzwischen war ein Enkelchen geboren worden, und unser Schweizer Paradies lockte trotz allem. Aber es ist für uns klar, dass wir wieder nach Südamerika reisen wollen, dass dort eine neue Welt aufgeht.
Ich habe darüber ausführlich in meinen Blogs geschrieben; ich habe auch die spirituelle Gestalt einiger Länder untersucht (einschliesslich der Schweiz). Diese Texte sind zu finden auf meiner Blog-Seite http://www.rolandoblog.wordpress.com.
Artikel in Swissinfo (spanisch): http://www.swissinfo.ch/spa/sociedad/La_risa,_remedio_infalible.html?cid=35552082

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Chile-Interview Christina

Christina: Gestern haben wir uns gegenseitig gefragt: Was für eine Farbe ordnen wir Chile zu? Und beide sagten wir spontan: Gelb. (Gelb ist Rolandos Lieblingsfarbe.) Gelb ist das Warme, das Strahlende. Etwas Ähnliches beobachte ich häufig in den Gesichtern, und zwar nicht nur im Zusammenhang mit mir, sondern auch, wenn die Leute miteinander kommunizieren. Sie haben einen freundschaftlichen und lockeren Umgang mit viel körperlicher Berührung. Sie sagen dazu „con mucho piel“ (mit viel Haut). Das kommt ganz natürlich. Bei den Paarbeziehungen fällt mir auf, dass sie aufmerksam sind füreinander – besonders die Männer für die Frauen. Es ist ein freundschaftliches, behütendes, zärtliches Verhalten. Es tut gut, das zu sehen.
Dazu jeden Morgen der blaue Himmel, das ist phantastisch! Die Sonne geht auf, und wir sehen die Anden am Rande der Stadt; die nackten Felswände und die nackten Mauern von Santiago sind ein schöner Gegensatz zwischen den Bauten der Menschen und den Bauten der Natur.

Rolando: Und die Liebespärchen im Park…

Christina: So eine Anhäufung von Pärchen wie im Park Forestal im Zentrum von Santiago habe ich noch nie gesehen! Junge Pärchen bis zu Paaren im hohen Alter sitzen auf den Bänken, geniessen ihr Zusammensein, sind zärtlich miteinander, küssen sich. Wie wenn man im Märchen in einen Garten versetzt wird, in dem die Liebe zuhause ist.
Und dann der Sonntagsmarkt in diesem Park! Hunderte von Flohmarkt-Angeboten, am Boden ausgebreitete Kleider aller Art und vieles mehr. Das ist alles so frei und auch preiswert. Es gibt zahlreiche Künstler, Jongleure, Musiker, Hoola Hoop-TänzerInnen. Sie machen das einfach zum Spass, ohne Geld zu sammeln.
Ein Höhepunkt waren die Lieder des jungen Troubadours Angelo Escobar. Er war umringt von einer Schar von Fans, die alle wie er auf dem Boden sassen, vielleicht 100 Personen. Die Leute kannten seine Songs von Youtube oder von seinen CDs. Möglicherweise singt er dort jeden Sonntag, und das weiss man. Die meisten Leute klatschten und sangen mit. Das Ganze ist einfach und bescheiden, ohne Mikrofon. Man trifft sich, um zusammen zu sein und zu lauschen.
Einer seiner Songs heisst „Indios“ und handelt von den Eingeborenen, die vormals so stark waren und deren Stimme verstummt ist.
Die Hörer haben eine Beziehung zu diesen Texten und zu dieser Musik. Es ist ihre Musik, ihre Geschichte. Es sind Protest-Songs dabei, Lieder über die Elterngeneration, über Themen, die immer noch präsent sind.
Die Freiheit Chiles drückt sich für mich in diesen Liedern und diesen Zusammenkünften aus. Sie nehmen das Neue wirklich wahr und schätzen es.

Rolando: Wir haben erfahren, dass wir „Gringos“ sind. Nicht nur die Nordamerikaner sind Gringos, sondern alle Ausländer aus Nordamerika und Europa.

Christina: Aber nicht mit einer abschätzigen Bedeutung. Im Gegenteil: Wir sind anerkannt und beliebt, und das spüren wir jederzeit auf der Strasse oder in Gesprächen mit unseren Freunden. Von anderen südamerikanischen Ländern haben wir gehört, dass es dort eine Abneigung gegen Menschen aus den USA gibt. Aber wir sind diesen Spannungen auf der ganzen Reise nie begegnet. Wir sind in Chile willkommen, und das ist sehr, sehr schön. Offene Arme! Das könnte uns zu einer neuen Reise verführen!

Rolando: Was sagst du speziell zu Santiago? Es ist eine Riesenstadt, in der die Bevölkerung der Schweiz unterkäme, mit acht Millionen Menschen. Mir kommt es vor, dass wir nie so lang in einer so grossen Stadt waren (mit Ausnahme von Sydney).

Christina: Ich spüre es gar nicht so, weil es so viele Grünflächen und Parks gibt. Auch die Innenstadt ist nicht stressig; es ist gelassen und ruhig. Das Moderne und Schöne in den Läden gefällt mir. Es erinnert mich irgendwie an Bali. Hier ist es eine moderne Schönheit; in Bali ist es eine gepflegte, traditionelle Schönheit. Bali und Santiago passen für mich gut zusammen.
Die Stadt setzt mir nicht zu. Man sieht immer viel Himmel, alles ist so weit. Das ist für mich wichtig in einer Stadt.

Rolando: Und in der U-Bahn? Verglichen mit Berlin?

Christina (lacht): Das vergleichen wir lieber nicht. Es gibt in der Metro häufig Musikanten, junge Leute, die wunderbar aufspielen, mit Klarinette, Gitarre und Gesang. Das wird von den Passagieren wertgeschätzt, denn viele geben einen Beitrag. Die Musik trägt zur angenehmen Stimmung bei. Aber auch ohne Musik ist die Stimmung angenehm. Entweder schlafen die Leute, weil sie am Abend müde von der Arbeit sind, oder man unterhält sich miteinander. Mir fällt auch auf, dass ich als Person wahrgenommen werde. Ich werde sozusagen begrüsst, wenn ich in die Metro komme; man schaut mich an. Es entsteht leicht ein Gespräch. Die Chilenen wollen viel wissen, und das hat wiederum eine Ähnlichkeit mit Indien. Man ist interessiert an Europa, an unserem Leben.

Rolando: Und die Jungen erheben sich, wenn eine ältere Person hereinkommt.

Christina: Genau, das ist wunderbar. Sie stehen sehr schnell auf, man braucht nicht zu warten, und schon ist ein Platz frei.

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Argentinien-Höheflüge – fünf Sterne!

Höhenflüge in Argentinien

Diese Wochen in Argentinien waren ein Höhenflug! Zahlreiche Einladungen, Pressekonferenzen, Besuch der Wasserfälle von Iguazu, ein Seminar voller Inspirationen – unglaublich!

Hier ist der Zusammenhang:
Auf unserer ersten Indienreise lernten wir in Goa ein Paar aus Argentinien/Spanien kennen: Gumersindo und Maria. Sie wohnten in der selben Pension wie wir, direkt über dem Meer in Arambol. Als sie von unseren Tätigkeiten erfuhren, zeigten sie sich begeistert.
Sie sind katholische Kirchenleute und doch keine Kirchenleute; eigentlich sind sie Mystiker. Sie haben einen eigenen Radiosender, „DeOrienteaOccidente“, und widmen sich in ihren Kursen den Verbindungen und der Einheit zwischen den Religionen.
Auf der Terrasse des „Blue Fin“ in Goa wurden wir von ihnen mit Video interviewt über das Lachen, die Quantenphysik und alles was dazugehört.
Sie luden uns nach Spanien ein, in die Nähe von Santiago de Compostela im Nordwesten, und auch nach Argentinien, denn sie wohnen an beiden Orten.
Wir schafften es nicht, sie in Spanien zu besuchen. Sie waren so begeistert vom Lachen, dass Gumersindo einen extra Blog auf seiner Webseite brachte. Das war im Februar 2010.
Nachdem wir es endlich geschafft hatten, nach Südamerika zu kommen, kontaktierten wir sie im Januar 2013. Und sie wiederholten ihre Einladung mit dem Angebot, einen Kurs zu organisieren. Sie leben im Osten Argentiniens, am Rio Uruguay, etwa 900 km nördlich von Buenos Aires.
Als sie uns ihre Adresse angaben, staunten wir: Es war die Adresse eines Hotels ACA. Auf der Google Karte sah das Dorf Santo Tomé wie ein einsames Dörfchen im Nirgendwo aus.
Der Kurs sollte in der Stadt Corrientes, ca. 500 km entfernt, stattfinden.

Ende Januar landeten wir in Ecuador. Wir hatten einen Rückflug von Quito nach Europa gebucht und wussten noch nicht einmal, ob wir die weite Reise nach Chile und Argentinien machen wollten/ konnten.
Da kam eine weitere Einladung nach Santiago de Chile, von einer bekannten Lach-Lehrerin, für ein Seminar in dieser Stadt, und so entschieden wir uns für einen Flug, den wir unter etwas abenteuerlichen und überraschenden Umständen auch buchen konnten: Ecuador – Santiago und zurück. Den Weg nach Ost-Argentinien wollten wir per Bus bewältigen.
Die Entfernungen in Südamerika sind riesig – immer gleich tausende von Kilometern. So ein Spass!

Bei einem Skype-Telefon erklärte uns Gumersindo strahlend, dass der Kurs schon organisiert sei. Ausserdem seien wir eine Woche lang eingeladen. Darüberhinaus wollten uns unsere Freunde zu den Iguazu-Wasserfällen bringen, und vieles mehr.

In Mendoza wurde mir beim Abendessen in einem Strassenrestaurant mein wertvoller kleiner Rucksack geklaut. Er enthielt mein iPad, Kredit- und Maestro-Karte, ca. 250 EUR Bargeld, mein Handy und noch einiges mehr.
Wir konnten gerade noch das Kreditkarteninstitut per Skype informieren, dann mussten wir schon zur Busstation: Nachtbus nach Cordoba. Der Schock sass uns in den Knochen; wir konnten schlecht schlafen, obwohl wir den Superduperluxus-Bus mit Schlafliegen gewählt hatten.
Nach einer Nacht in Córdoba kamen wir am Sonntag, 3. März, frühmorgens 06:30 Uhr bei strömendem Regen an einer Tankstelle im Niemandsland an. Da war schon Gumersindo zusammen mit einem Freund, Marcelo. Wir fuhren zum Hotel und trafen uns zu einem Kaffee im Essaal.

Marcelo und Myriam sind Fernsehjournalisten und Freunde von Gumersindo und Maria. Sie fragten uns für ein Interview am Nachmittag, und wir sagten zu. Hier ist das Interview:

Am nächsten Tag luden uns Maria und Gumersindo zu einer Fahrt nach Brasilien ein. Sie hatten ein Mietauto bestellt. Wir überquerten den Rio Uruguay und verbrachten einige Stunden am Fluss und in einem hübschen Städtchen. Die beiden waren schon von der Lebensfreude angesteckt. Wir verpassten ihnen rote Nasen und sangen unser schönes „Di que sí“- Lied mit ihnen. Sag ja!

Die beiden sind ein heiteres und spirituell inspiriertes Paar. Er war früher katholischer Priester, u.a. in Santo Tomé. Dann erschien Maria auf der Bildfläche, eine Heilerin mit Reiki und mit jesuitischem Hintergrund.
Ein vorgesetzter Geistlicher bat Gumersindo, die Aktivitäten von Maria zu beobachten und zu begleiten. So entstand die Beziehung, und einige Zeit später beschlossen sie zu heiraten. Gumersindo legte sein Priesteramt nieder.
Die beiden verstehen sich als Mystiker und haben eine „mystische Organisation“ mitbegründet (www.gicem.org), mit Mitgliedern aus verschiedenen Religionen. Sie haben viele Bücher geschrieben und reisen durch die Welt mit ihren Kursen und Vorträgen. Im Zentrum steht unter anderem das „christliche Reiki“.

Am Abend genossen wir wiederum das Hotel, denn am nächsten Morgen sollte die Reise zu den gigantischen Wasserfällen starten.
Um 05:30 Uhr erwartete uns ein Mietwagen. Wir fuhren nach Posadas, der nächstgelegenen Stadt im Norden.
Dort erwartete uns in seiner prachtvollen Villa Raoul zum Frühstück. Raoul ist der Präsident des Fernsehsenders „TV12“, ein einflussreicher Mann.
Es war das erste persönliche Treffen auch für Maria und Gumersindo.
Es wurde bald klar, das auch Raoul ein „Religiöser“ ist. Er hegt grosse Hochachtung für die Arbeit unserer beiden Freunde, und er will die Spiritualität noch mehr im Fernsehen verbreiten.
Raoul war auch ein Gönner unserer Reise: Er hatte einen bequemen privaten Renault-Kleinbus für unsere Reise nach Iguazu zur Verfügung gestellt – zwei Tage, ca. 400 km. Er bezahtle die luxuriösen Hotel-Übernachtungen in Iguazu und Posadas, und seine Assistentin Erika organisierte eine Pressekonferenz mit uns in Posadas für den Donnerstag.
Unsere erste Pressekonferenz, olé!
Als er von der Lachtherapie hörte, zeigte er sich sehr interessiert und gar bewegt. Wir hatten sofort einen Draht miteinander. Es war sehr schön, und wir lachten ein wenig spontan zusammen.
Auf der Reise nach Iguazu besuchten wir die jesuitische Mission „San Ignazio Mini“.
Unser Führer Erik begeisterte uns!
Hier eine Zusammenfassung seiner Berichte:
Der Jesuitenorden – der jüngste aller Orden – und wurdeca. 1500 von Ignazio von Loyola gegründet. Die Jesuiten kamen nach Südamerika, um die Eingeborenen – in diesem Fall die Guaraní – zu bekehren und zu inspirieren.
Es gab in dieser Gegend und in Paraguay ca. 30 Missions-Dörfer, und sie waren alle nach dem selben Muster aufgebaut: Drei oder vier Missionare und ca. 3000 bis 4000 Eingeborene. Die Indianer lebten in grossen langgestreckten Steinhäusern; in jedem dieser Häuser gab es ca. 10 Familien, und jedes Haus hatte einen Koordinator.
Der Plan dieser Dörfer ist überall gleich: Ein grosser Platz in der Mitte. Auf einer Seite der „Tempel“, an den Seiten die gemeinsamen Gebäude und der Friedhof. Neben dem Tempel befand sich das Kloster, dahinter der Garten.
Erik schilderte uns das Leben in diesen Dörfern. Die Musik spielte eine grosse Rolle, denn die Eingeborenen liebten die Musik.
Die Indianer kamen freiwillig und wurden zu nichts gezwungen.
Drei Tage pro Woche arbeitete ein Mann für seine Familie, und weitere drei Tage für die Gemeinschaft.
Ich habe später den Film „Mission“, mit Robert de Niro, gesehen, und war von diesem Leben sehr beeindruckt. Offensichtlich war es gelungen, im 17. Jahrhundert lebendige, heitere und blühende Gemeinschaften fernab der Zivilisation zu gründen und zu erhalten.
Im Film wird gezeigt, wie die politischen Mächte und die Kirche die Jesuiten mit Waffengewalt vertreiben. Sie wurden ohne ersichtlichen Grund aus vielen Ländern verjagt, und zurück blieben die Ruinen, die wir besichtigten.
Bei Gelegenheit will ich mich etwas mehr in dieses Thema vertiefen. Ich war beeindruckt und bewegt von Eriks Schilderungen und sagte am Schluss zu Christina: „Ich glaube, das war für mich wichtiger und lebendiger als ein Besuch in Machu Picchu“.
Die Geschichte der Jesuiten ist überall spürbar, und auch die Religiosität. Das Volk glaubt noch an Gott, und daraus entsteht eine schöne Positivität. Auch unser Fahrer war religiös inspiriert. Gumersindo ist ein „heiliger Mann“ und wird mit grossem Respekt behandelt; Maria ebenso.
Die Verehrung, die uns beiden zuteil wurde, ist eine grosse Ehre. Das Lachen wurde in den Kontext der mystischen Spiritualität gestellt. So ist es recht 🙂

Die Wasserfälle von Iguazu waren gigantisch, das Hotel war First Class – aber ich lasse die Schilderung erst mal weg.

Am nächsten Morgen fanden wir uns in unserem schönen Hotel vor vier Fernsehkameras: Christina, Gumersindo und ich auf einem Sofa draussen, beim Swimmingpool. Es waren nette Presseleute. Wir wussten nicht einmal genau, welchen Zweck die Pressekonferenz hatte, denn unser Kurs würde ja in Corrientes, 400 km entfernt, stattfinden.
Es ging auch um Mystik. Gumersindo machte die Einleitung, dann kam ich dran, schliesslich Christina. Wir erzählten unsere Geschichten über das Lachen und die Quantenphysik – man kennt sie ja. Aber noch nie hat man deswegen eine Pressekonferenz organisiert!
Anschliessend fragte uns ein Radioreporter für ein Live-Interview. Diese Interviews haben wir gefilmt und aufs Netz gestellt, hier sind sie:

Das Lustigste war der Lachanfall, der uns überkam, als ich vom „Lachen über sich selbst“ erzählte. Schau das Video an! Leider hörst du nicht die Fragen des Reporters und auch nicht sein Lachen und das Lachen des Teams im Studio; das hörte nur ich am Telefon…

Die Idee ist entstanden, dass wir zurückkommen und eine Lachtrainer-Ausbildung durchführen, wie wir das in der Schweiz jahrelang gemacht haben.
Ausserdem haben wir bei unseren kreativen Lachanfällen mit Gumersindo und Maria die Idee der Lachzone hervorgeholt, und über die Lachzone haben wir auch im Fernsehen berichtet.
Es handelt sich um eine mit Kreide gekennzeichnete Zone in einer Stadt, die dem Lachen gewidmet ist. Wir haben solche Zonen bereits mit unseren Lachstudenten in Bern eingerichtet, mit grossem Erfolg. Man stellt sich drumherum mit der Gruppe und animiert jeden, der die Zone durchquert, zum Lachen.

Zusammenfassung:

Ein solches Verwöhnprogramm, ein solchem Empfang, so viel Liebe und Grosszügigkeit sind uns noch nie geboten worden. Es war ein Fest!
Das scheint mir ein guter Grund, zurückzukehren – so Gott es will 🙂

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Südamerika-Assoziationen

Ein Narrosoph in der neuen Welt

Südamerika: Ein gigantischer Kontinent mit riesigen Entfernungen, gewaltiger Natur, leidvoller Geschichte und neuen Visionen.
Was hat hier die Narrosophie verloren, wie offen sind die Menschen? Sind sie heiter, sind sie bitter?

Im Flugzeug erzählte mir ein älterer Herr, ein Zimmermann, dass er nach Ecuador zurückfliegt, um einen Arbeitsplatz in seiner Heimat zu finden. In Spanien gibt es keine Arbeit mehr – Ecuador aber ist im Aufbruch. Er ist voll des Lobes für den gegenwärtigen Präsidenten Rafael Correa, der mit seinen Reformen Beschäftigung gebracht hat und für mehr soziale Sicherheit und bessere Erziehung sorgt.
Europa ist out – Südamerika ist in. So ist das.

Am Flughafen Quito wurde uns ein herrlicher narrosophischer Empfang bereitet. Ich hatte meine Lachkönigs-Krone aufgesetzt; Christina trug die rote Eulenspiegel-Brille. Bereits von der Rolltreppe aus winkte uns eine unbekannte Schöne mit lustigem Hirsch-Geweih begeistert zu. Fast zwei Stunden später gelangten wir zum Ausgang, und dort empfing uns eine kostümierte Gruppe mit viel Lachen und Spass. Sie erzählten, dass sie während der zwei Stunden alle Herauskommenen mit viel Hallo begrüsst hätten – es sei wunderbar gewesen.

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Wir wurden schön untergebracht und gaben zwei Wochen später unseren Tages-Workshop „Glücklichsein ist eine Quantenaktivität“ (s. http://www.supotential.net)

Hier sind die fröhlichen Botschaften an die Welt (Englisch und Spanisch):

Mensajes al mundo

Die Meinungen über die Politik von Präsident Correa sind sehr widersprüchlich. Eine deutsche Familie vermag nur Negatives zu melden. Er habe einen Teil des Amazonas-Gebiets an die Chinesen verkauft, um mit diesem Geld seine Reformen zu finanzieren. Er habe sich verfassungsmässig zugesichert, dass er immer wieder gewählt werden könne, und so werde er zum Diktator.
Ich habe in einem früheren Blog geschrieben, dass ich es gut fände, wenn bewährte Präsidenten oder gar König längere Zeit regieren könnten, damit sie ihre Reformen nachhaltig verwirklichen können, und ich habe Beispiele für solche „guten Präsidenten“ gebracht (Julius Nyerere von Tansania und andere).
Aber diese Familie interpretiert Correa nur negativ.
Eine Schweizerin erzählt uns, er habe seine Schulreform von einem Tag auf den anderen aus Geldmangel gestoppt und die Schülerzahl von 16 auf 25 hochgesetzt.

Zu allem Überfluss bekomme ich eine weltweite Petition der Avaaz gegen Correa zugeschickt, in welcher es unter anderem heisst: Im Herzen Ecuadors versucht ein gigantischer Ölkonzern, ein unberührtes Regenwaldgebiet in ein Ölfeld zu verwandeln. Doch die Mitglieder des Kichwa-Stammes in Sani Isla leisten tapferen Widerstand und haben jetzt um unsere Hilfe gebeten, um ihre Heimat zu retten.

Correa ist der Adressat dieser Petition und wird verantwortlich gemacht.
Ich unterschreibe das. Aber ich glaube nur die Hälfte dessen, was da erzählt wird. Ich finde es aber gut, wenn Correa spürt, dass die internationale Gemeinschaft ihm auf die Finger schaut und bei Bedarf Millionen von Menschen aktiviert. Das kann möglicherweise verhindern, dass er sich von der Macht verführen lässt.

Eine Ecuadorianerin erzählte uns von Vizepräsident Moreno. „Er ist wirklich ein guter Mann“, berichtete sie begeistert. „Er hat die Initiative für Lebenfreude in Ecuador gestartet. Er ist ein intergrer Mann, während Correa unberechenbar ist. Moreno ist im Rollstuhl, aber leider kandidiert er bei den jetzigen Wahlen nicht mehr. Er hat keine Lust mehr auf Politik.“

Mir scheint aber, dass das Volk Rafael Correa liebt. Er zeigt sich volksnah, besucht die Provinzen, hat den USA den Meister gezeigt. Ich schreibe diese Zeilen am Vortag der nationalen Wahlen vom 17. 2. 2013.

Es gibt spannende Gesetze, zum Beispiel die Wahlpflicht. Die Ecuadorianer müssen an dem Ort wählen, an dem sie gemeldet sind. Daher gibt es grosse Reisebewegungen am Wahlsonntag. Wer nicht wählt, erhält eine Geldstrafe und weitere Sanktionen; er kann kein Bankkonto mehr eröffnen oder andere Geschäfte machen. (Die Wahlpflicht existiert in vielen Ländern, u.a. in Australien, wo wir uns bereits darüber wunderten.)
Was aber noch schöner ist: Am gesamten Wahl-Wochendende, von Freitag mittag bis Montag mittag, wird in den Restaurants und Cafés kein Alkohol ausgeschenkt! Die Wahlen sind heilig…
Während des Jahres ist jeder Sonntag auf diese Weise alkoholfrei. Das gefällt mir; es trägt zum Bewusstsein bei, dass der Sonntag ein heiliger Tag ist. Und es erinnert mich an die gesegneten Städte in Indien, in denen es weder Fleisch noch Alkohol gibt.

Ich bin immer auf der Suche nach Erleuchteten und Glücklichen. Sind sie im Regenwald zu finden? Christina hat unsere Fahr in den "Oriente" bereits schön beschrieben. Dort, in den Quellgebieten des Amazonas, wohnen die Kichwas, die in der Avaaz-Petition erwähnt sind. Sie sind in der Stadt Tena allgegenwärtig mit Statuen im Park und Kultur-Veranstaltungen. Sie sprechen ihre eigene Sprache und leben an den Windungen der Flüsse.

Mich interessiert u.a. das Wundermittel Ayahuasca. Ein junger Freund in Tena, Gerd aus Holland, berichtet uns davon. "Ayahuasca wird von den Schamanen eingenommen. Du hast Visionen wie bei LSD. Ich will das miterleben! Übermorgen gehe ich den Dschungel. Dort wird ein Schamane mit uns ein Ritual mit Ayahuasca durchführen."
Gerd ist ein spiritueller Sucher. Er hat Wirtschaft studiert und plötzlich gesehen, dass das keinen Sinn macht. Er will sich weiterentwickeln, sucht neue Dimensionen.
Ich berichte ihm von der Narrosophie und von der lachenden Einsicht, dass wir bereits erleuchtet sind. Er ist fasziniert, aber will es vielleicht nicht glauben (da ist er nicht allein, hihihi). Das Ritual kostet $ 100.

In der Indianer-Lodge Runa Huasi, direkt am grossen Fluss Napo gelegen, lernen wir einen jungen Kichwa kennen. Wir fragen Elder nach den Gepflogenheiten seines Stamms und nach den Schamanen. "Die Schamanen nehmen Ayahuasca, um zu heilen, und das macht sie hellsichtig. Sie sehen das Problem beim Patienten und können es mit ihrem erweiterten Bewusstsein heilen. Sie brauchen meistens keine Medizin."
Das ist interessant! Ich habe als junger Mann die bewusstseinserweiternde Wirkung von LSD erfahren und kann mir vorstellen, von was er spricht.
Elder ist 18. Er will beim Stamm bleiben, das ist sein Leben.
Die Kichwas sind Christen, und es gibt eine kleine Kirche im nächsten Dorf.

Wir hören später, dass die Kichwas ein stolzes Volk seien. Sie konnten von den Spaniern nicht kolonisiert werden, weil ihre Gebiete unzugänglich waren. Die Strasse nach Tena existiert erst seit sechs Jahren; sie führt über einen 4000 m hohen Pass.
Die Indianer eigneten sich nicht als Sklaven. In Gefangenschaft starben sie einfach, und deswegen wurden Schwarze aus Afrika geholt.
Die Informationen kommen aus dem Feld, von unseren ekuadoriansichen Freunden. Sie erzählen uns, dass die Hochland-Indios ihren Widerstand aufgegeben haben un oft bedrückt wirken und zu Boden blicken.
Auf der Busfahrt zurück aus dem Regenwald habe ich einen anderen Eindruck: Die jungen Mitfahrer, wahrscheinlich überwiegend Kichwas, blicken sehr düster drein. Der Heiterkeitsquotient HQ ist sicher nicht höher als in Europa. Seltsam, wo sie doch stolz und selbstbewusst sein sollen!

In jener Indianer-Lodge hatten wir eine spannende Begegnung mit einer chilenischen Familie. Paul, Cecilia und ihre vier Kinder waren mit uns zusammen am Abend die einzigen Gäste, und wir kamen ins Gespräch.
Wir unterhielten uns herrlich über das Lachen und die Quantenphysik, und Paul berichtete uns von seiner Architektur. "Es ist eine Architektur der Gefühle", sagte er.
"Ich habe 13 Jahre in der Schweiz gelebt und an der ETH Zürich studiert. Ich bin Auslandsschweizer. Aber in Europa gibt es viel zu wenig Gefühl. Die moderne, gepriesene Architektur von Le Corbusier, Bauhaus usw. – das ist alles intellektuell."
Er berichtete, dass er einmal eine spontane Rede an ca. 20 Freunde in der Schweiz gehalten habe. Er habe ihnen vorgehalten, dass sie kalt, intellektuell und individualistisch seien. "Und wisst ihr was? Sie haben mir recht gegeben!"
Seine Frau Cecila äusserte sich noch kritischer über die Schweizer. Sie hat auch sechs Jahre dort gelebt.
Als ich in dem Gespräch von Gott spreche, sagt sie begeistert: "Du bist der erste Europäer, der von Gott redet! In all den Jahren in der Schweiz habe ich Gott nie erwähnen hören. Die Europäer haben Gott totgesagt und vergessen! Ich finde das so traurig! Sie müssen ja nicht einer Kirche angehören, aber ich spüre so wenig Dankbarkeit dem Leben gegenüber." So ist das!
Wir sprechen über die verschiedene Ausprägung der christlichen Religion. Unser Freunde finden, dass die Kirche in Südamerika viel freier und positiver sei als in Europa. Das liege zum Teil an den Jesuiten, die mit ihrer Kontemplation und Begeisterung eine andere Stimmung in die Religionsausübung gebracht hätten.
Christina und Cecilia freunden sich sofort an. Wir sind zum Essen in Santiago eingeladen…
Leider häufen sich z.T. die kritischen Meinungen über die Europäer. Meine ekuadorianische Zahnärztin beschreibt ihren deutschen Mann, indem sie die Hände beim Kopf zu einem Quadrat formt – ein Quadratschädel sozusagen. Einer, der nur rechtwinklig denkt, der keine Flexibilität hat, keine Gefühle zeigt.
"Er spricht nicht so gut Spanisch wie du, obwohl er schon so lange in Ekuador lebt. Er hat nur deutsche Freunde."
Ich würde sagen: Die Quadratschädel-Zeit ist abgelaufen – es lebe das Lachen!
(Weitere Feedbacks in Bezug auf Schweiz und Deutschland, die ich auf meinen Reisen gehört habe, erspare ich meinen Lesern und mir. Und ich betone feierlich, dass ich über die Schweiz sehr, sehr Positives denke und geschrieben habe, wie man in meinem Blogs nachlesen kann :-))

Südamerika ist im Aufbruch. Der uruguayische Präsident Pepe Mujica – ich habe mehrmals von ihm gesprochen – hat kürzlich auf der Konferenz der lateinamerikanischen Länder wieder einmal eine sensationelle Rede gehalten, in der er seine Präsidenten-Kollegen zur Zusammenarbeit aufforderte. Wie meine Leser bereits wissen, verzichtet er auf 90 % seines Gehalt, lebt auf einer Finka, fährt einen VW-Käfer und predigt das einfache Leben. Die Wirtschaft in Südamerika geht im allgemeinen aufwärts, besonders in Brasilien.
Vor allem aber gibt es Ideen – und es gibt noch so viel zu tun!
Christina und ich haben kürzlich darüber gesprochen, dass in der Schweiz schon alles fertig und perfekt sei. Es gibt nur noch Kleinigkeiten zu regeln. Aber die Stimmung sagt: Wir wollen den Bestand erhalten, wir wollen überleben in der schwierigen europäischen Wirtschaftslage. "Festhalten, erhalten, retten!" – so fühlt die europäsiche Seele. Das ist nicht übermässig spirituell, da wir doch rufen: "Loslassen, feiern, schenken!"

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    Präsident Rafael Correa, Ecuador

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Die spirituelle Gestalt von Ländern

Politische Assoziationen 2

Die spirituelle Gestalt von Ländern

Dieses Thema hat mich in der letzten Zeit immer wieder interessiert, insbesondere in Bezug auf Südamerika. Was bedeutet es, wenn ein Präsident Evo Morales, ein Indio, seit Jahren regiert und die Amerikaner praktisch rausschmeisst? Kürzlich hörte ich, dass er MacDonald und Coca Cola enteignet hat – mit amerikanischen Methoden!
Was bedeutet es, wenn der Präsident von Uruguay, José Pepe Mocija, auf 90 % seines Gehalts verzichtet, in einem alten VW-Käfer herumfährt und auf seiner alten Finca lebt? Und darüberhinaus inspirierende Reden an die Intellektuellen des Landes hält?
Was bedeutet eine Visa-Politik und ein Sicherheitsdispositiv der USA, das paranoide Züge trägt? Was bedeutet eine Schweiz, die zwar unglaublich stabil ist, aber visionäre Züge und wirkliche Führerschaft vermissen lässt?

Ich las kürzlich eine Schlagzeile in 20 Minuten: Die Schweiz ist das attraktivste Land der Welt. Ich konnte den Artikel nicht lesen, denn die Nachbarin hatte die Zeitung. Aber es ist wohl so, denn die Schweiz ist wirklich sensationell in ihren politischen Institutionen, in ihrer Besonnenheit und Reife.

In Spanien gibt es Hotels „con encanto“ – ich würde mal übersetzen „Hotels mit einem Zauber“. Es sind besonders schöne, manchmal verträumte Hotel mit Stil.
Wie wäre es, wenn es bald mal ein Land „con encanto“ gäbe, und wenn es sich auch selbst so definieren würde?
Die Schweiz hätte da Chancen, vielleicht auch Österreich. Bei Städten gibt es ja schon solche Werbesprüche wie z.B. „München, Weltsstadt mit Herz“.
Aber solche Aussagen sind oft nicht ganz echt, man spürt das Herz nicht wirklich – es ist Werbung, und Werbung ist leider meist nicht wahrhaftig.

Das Land mit encanto bräuchte z.B. einen König oder eine Regierung mit encanto – und natürlich ein Volk mit encanto – ein bezauberndes Volk, ein freundliches Volk, ein Volk, das von Lebensfreude erfüllt ist und durch und durch gastfreundlich ist.

Wir sprechen – oder haben gesprochen – von der „freien Welt“. Das ist oder war die westliche Welt, vor allem im Gegensatz zum Ostblock, zu den kommunistischen Diktaturen. Sie ist aber nur frei im Gegensatz zur Unfreiheit. Es ist keine echte, spirituelle, bewusste Freiheit. Da fehlt noch ein Schritt.
Der westliche Kapitalismus hat auch etwas Diktatorisches. Die Ausbeutung ist Programm, und die Kapitalisten merken es nicht. So wie die spanischen Eroberer nicht merkten, wie menschenverachtend ihr Verhalten war. Das nennt man blinde Flecken.

Wir Visionäre suchen schon seit langem nach einem „dritten Weg“. Vielleicht wird er nun in Südamerika gefunden? Dort gibt es Versuche einer neuen Solidarität.

Hier ein Zitat aus einer italienischen Zeitung dazu:

Am 12. Dezember 2008 verkündete Rafael Correa, der neue Präsident Ecuadors (dessen BIP etwa 50 Milliarden Euros, oder 30 Mal weniger als jenes Italiens beträgt), am Fernsehen, dass er sich entschlossen hat, die nationale Schuld zu streichen, da er sie als illegal betrachtet, denn sie verletze die Verfassung, um so das Volk zu unterdrücken. Heute gilt in Ecuador das neue verfassungsmäßige Prinzip, dass rechtlich ist, was richtig ist für die Gemeinschaft.

Betrag der Schuld: 11 Milliarden Euros. Der IWF löschte Ecuador buchstäblich von der Liste der zivilisierten Länder. „Das Land ist isoliert“, erklärte Dominique Strauß-Kahn, der damalige IWF-Generaldirektor.

Genau am nächsten Tag kündete Hugo Chavez an, dass Venezuela während zehn Jahren gratis Öl und Gas an Ecuador liefern werde. Vier Stunden später kündete Präsident Lula an, dass Brasilien 100 Tonnen/Tag an Korn, Reis, Soja und Früchten gratis geben werde, um die Bevölkerung zu ernähren, so lange das Land brauche, um sich zu erholen. Am Abend kündete Argentinien an, es werde 3% seiner Rindfleischproduktion gratis an Ecuador abgeben, um eine angemessene Proteinversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Am nächsten Morgen kündete Evo Morales von Bolivien die Legalisierung von Kokain für das einheimische Produzieren und Einsammeln an, dazu Gratislieferung von Cocablättern an Ecuador, zusammen mit einem zinsfreien Kredit von 5 Milliarden, rückzahlbar innert zehn Jahren in 120 Raten.

von Nicola de Cuora Modigliani, 12. 08. 2012

Wir sehen, dass in Südamerika die Solidarität unter den Ländern spielt. Die Südamerikaner befreien sich von der Herrschaft des Westens, und Brasilien ist auf dem besten Weg, als Wirtschaftsmacht immer weiter nach vorne zu preschen. Es hat gerade Intalien überholt und ist nun auf dem achten Platz weltweit.

Hier noch ein weiteres Zitat aus dem brillanten Text von Cuora Modigliani:

Heute sagt das neue Südamerika nein zu Kolonisation und Sklaverei der Europäer und der US-Multinationalen. Während vierhundert Jahren, seit die Europäer die kaliumreichen Bananen entdeckt hatten, haben die Ecuadorianer in Armut, Ausbeutung und Entbehrung gelebt, während über Hunderte von Jahren ein Gruppe von brutalen Oligarchen auf ihre Kosten reich geworden sind.
Dies ist nicht mehr der Fall. Und es wird es auch nie mehr sein. Das Beispiel von Ecuador ist lebendig und kann von jedem afrikanischen, asiatischen oder europäischen Land wiederholt werden.

Ein letztes, sehr inspirierendes Zitat:

Wie sie in Südamerika sagen, wenn jemand fragt: „Was tun sie in Europa, was geschieht da?“. Da antworten Sie: „In Europa schlafen sie. Sie wissen noch nicht einmal, dass es da draußen Leben gibt.“

Zurück also zu unserem Thema der spirituellen Signatur eines Landes oder eines Kontinents.
Die Aussagen und Handlungen, die ich oben beschrieben habe, sind spiritueller Natur. Die Eigenständigkeit, das Sich-Wehren gegen Ungerechtigkeit, die Solidarität, die Freundschaft – all dies sind spirituelle Werte. Vielleicht wissen diejenigen, die so handeln, dies noch nicht. Und sicher können sie sich steigern.
Aber es ist doch klar, dass eine Haltung der Grosszügigkeit, Freundschaft und Verbundenheit spiritueller ist als eine Haltung des Profits und der zynischen Ausbeutung.
Die spirituellen und philosophischen Autoren der Gegenwart sprechen allesamt von Einheit, von Menschlichkeit, von Verbundenheit. Ich habe lange gesucht nach konkreten Auswirkungen eines solchen Denkens. Nach Formen, die über die Theorie hinausgehen, die sich in der Wirklichkeit manifestieren. Die hier geschilderten Prozesse in Südamerika sind ein Beispiel hierfür.

Plato hat in seinem visionären Werk „Der Staat“ die Gerechtigkeit als das wichtigste Prinzip eines wahrhaften Staates definiert. Da hatte er recht.
Und ich gehe noch darüber hinaus, indem ich mir einen zauberhaften Staat vorstelle. In der Schweiz ist die Gerechtigkeit schon ziemlich gut realisiert. Aber der Encanto wäre eine wirkliche Steigerung!

Bei den Ländern Südamerikas steht sicher erst einmal die Gerechtigkeit im Vordergrund, nach all den Jahrhunderten der Ungerechtigkeit.

Ich habe immer wieder gefühlt, dass in den „Entwicklungsländern“ mehr Leben ist. Ich werde selbst lebendiger in solchen Ländern. Es geht um reale Probleme, es geht ums Überleben, es ist intensiv, und das gefällt mir.
Europa und der Westen sind in meinen Augen ein wenig langweilig, und es gibt keine wirklich neuen Ideen.

Zusammenfassend können wir sagen, dass sich im Jahr 2012 die politischen und wirtschaftlichen Gleichgewichte schnell verschieben. Die europäische Vorherrschaft scheint zu Ende zu gehen, und andere Kulturen finden ihre eigene Identität und ihren unverwechselbaren Stil.
Bleiben wir aufmerksam und gestalten wir mit!

…………

Hier der vollständige Text des zitierten Aritkels:

Assange und der Angriff auf die
Republik Ecuador

Nicola di Cora Modigliani
21. August 2012
Übersetzung aus dem Englischen von Remo Santini

Heute sprechen wir über Geopolitik und die Informationsfreiheit. Was jedoch heute technisch (d.h. politisch) geschieht, nahm seinen Anfang am 12. Dezember 2008 – obwohl einige sagen, im September jenes Jahres –, aber es brauchte vier Jahre, bis die Schockwellen Europa und Amerika erreichten. Die Angelegenheit betrifft Julian Assange, Wikileaks und die Republik Ecuador. Beachten Sie, auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, in Australien und Europa wurde angenommen, dass die Welt immer noch dieselbe sei wie vor zehn Jahren. Aber die Welt funktioniert nicht mehr auf diese Weise.

In Italien wurde niemand über die sich verstärkende Auseinandersetzung zwischen Brasilien und den Vereinten Nationen informiert, ein von Christine Lagarde, Generaldirektorin des Internationalen Währungsfonds, schlecht bewältigter Streit, bei dem Italien offiziell von der Position des achtgrößten Wirtschaftslandes auf die neunte Position zurückgestuft wurde. Es war von Brasilien überholt worden. So wird Italien am nächsten G8 nicht eingeladen werden, hingegen Brasilien wird es. Deshalb wurde entschieden, den G8 abzuschaffen und einen G10 als neuen Standard zu nehmen.

Europa, mit England und Deutschland an der Spitze, kann ganz einfach den „keynesianischen“ Triumph von Südamerika nicht akzeptieren. Im Wesentlichen bleibt der westliche Leitsatz bestehen: „Lasst sie zuhause bleiben und dankbar sein, dass wir sie überleben lassen wie die Afrikaner. Ansonsten werden sie alle einer nach dem anderen so enden wie Ghadaffi.“ Dies war die kurz zusammengefasste Warnung. Deshalb hat Südamerika in aller Ruhe in den letzten 40 Tagen drei machtvolle Botschaften geschickt. Die letzte und wichtigste erfolgte am 3. August und wurde live vom Büro des IWF in New York im Fernsehen ausgestrahlt. Nun zu einigen Fakten.

Am 15. Juni 2012 ist Julian Assange klar geworden, dass es für ihn vorbei ist. Er weiß, dass er in Stockholm verhaftet werden wird, am Flughafen abgefangen werden wird – nicht durch die Polizeikräfte von seiner Majestät des Königs von Schweden, sondern durch zwei CIA-Agenten und einen US-Diplomaten, die sich eines speziell für diesen Fall getroffenen Abkommens bedienen, worin behauptet wird, Assange habe „aktiv interveniert“ im NATO-Konflikt in Irak, als der Krieg noch im Gang war. Er würde dann direkt in die USA gebracht werden, in den Staat Texas, und da einer Strafverfolgung wegen terroristischen Aktivitäten unterworfen. Dabei würde es, gestützt auf die Gesetze des „Patriot Act“ zu einem Antrag auf Todesstrafe kommen.

Assange berät sich deshalb mit seiner Gruppe, und am 19. Juni um 9 Uhr Morgens betritt er die Botschaft von Ecuador. Sein Team eröffnet Verhandlungen mit britischen Agenten in London, mit den Schweden in Stockholm und mit amerikanischen Diplomaten in Rio de Janeiro. Diese sind damit einverstanden, die Olympischen Spiele vorbeigehen zu lassen, und nachher könne er ruhig nach Südamerika gehen. „Nur reden Sie nicht darüber.“ Aber so ganz trauten sie den Angloamerikanern nicht, und das war richtig so. Deshalb führten sie am 3. und 4. August zwei Kabinettstücke durch.

Am 3. August 2012, 16 Monate vor Ablauf des Programms, traf Cristina Kirchner, die argentinische Präsidentin, im Hauptquartier des IWF in Manhattan ein, begleitet vom Finanzminister und Außenminister von Ecuador, Patina, in seiner Eigenschaft als Vertreter von „Alba“ (Alianza Bolivariana para los Pueblos de Nuestra América = Bolivarianische Allianz für die Völker unseres Amerikas), einer wirtschaftlichen Union zwischen Lateinamerika und der Karibik.

Bei dieser Gelegenheit überreicht Kirchner dem IWF einen Scheck von 12 Milliarden Euros (für einen Kredit, der am 31. Dezember 2013 abgelaufen wäre). Sie kündigt an, dass Argentinien mit dieser Teilzahlung selbst bewiesen habe, ein solventes, verantwortungsbewusstes Land zu sein, zuverlässig und seriös für jedermann, der Geld investieren will. Argentinien kam 2003 mit 112 Millionen USD in Verzug, weigerte sich aber, die Aufhebung der Schuld zu suchen; es erklärte den Bankrott, und trachtete 10 Jahre danach, das Geld inklusivem Zins zurückzuzahlen.

Während zehn Jahren wehrte sich Argentinien gegen die Versuche des IWF, ihm restriktive Maßnahmen der wirtschaftlichen Sparpolitik aufzuzwingen. Es entschied sich für einen anderen Weg, in Übereinstimmung mit dem Keynesianismus und basierend auf der Finanzierung der Infrastruktur, der Forschung, der Innovation anstelle der Ausgabenkürzungen. Und es erholte sich. Und es zahlte die letzten Raten des IWF-Kredits 16 Monate im Voraus zurück. Damit bewies es einmal mehr, dass die Ideen des IWF und der Weltbank über die Wirtschaft schädlich und verquer sind. TINA („there is no alternative“ – da gibt es keine Alternative) ist eine Lüge, die den meisten Völkern der Welt von den oligarchischen Eliten aufgezwungen wird.

Fünfzehn Minuten, nachdem sie die Zahlung gemacht hatte, deponierte Kirchner eine formelle Klage gegen die USA und Großbritannien bei der Welthandelsorganisation WHO, und zwar auf der Basis von Akten, die durch Wikileaks, das heißt Assange, zugänglich gemacht wurden.

Da Argentinien die Schulden ausgeglichen hat, will es nun Entschädigungen, zuzüglich Zinsen. Es ist ein Kampf zwischen Kirchner und Lagarde. Dank Assange, denn sein Team ist im Besitz der Kopien mehrerer Gespräche in verschiedenen Regierungen des Globus, was die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland, den Vatikan einschließt, wo das Geld der Meister ist: in den Köpfen der Finanzhegemonen ist Osama Bin Laden als Erzbösewicht in die Mansarde verbannt und durch John Maynard Keynes ersetzt worden. Assange ist für die Großmächte zum Feind Nummer eins geworden, seit er die unter Verschluss gehaltenen Aufzeichnungen dieser langen Diskussionen darüber erlangt hat, wie man die Volkswirtschaften Südamerikas am besten kaputtmacht, ihnen ihre Energiereserven wegnimmt und ihre Erholung verhindert; wie man die Regierungen daran hindert, mit Hilfe der keynesianischen Wirtschaftspläne voranzukommen, anstatt die Diktate des IWF anzuwenden, deren einziger Zweck darin besteht, mit englischem Kapital eine neokolonialistische Politik zum hauptsächlichen Nutzen von Spanien, Italien und Deutschland zu verfolgen.

Die meisten Akten sind bereits über das Internet veröffentlicht worden. Diese und andere wurden von Assange dem ecuadorianischen Botschafter in England überreicht.

Am 3. August in New York wurde Ecuador zum ersten Land in den Amerikas und dem einzigen Land in der Westlichen Welt seit 1948, das das Konzept der „immoralischen Schuld“oder die politische und technische Weigerung, eine ausländische Schuld zurückzuzahlen, anwandte, da diese Schulden durch frühere Regierungen durch Korruption, Verletzung von Verfassungsrechten und –vorgaben gemacht wurden.

Am 12. Dezember 2008 verkündete Rafael Correa, der neue Präsident Ecuadors (dessen BIP etwa 50 Milliarden Euros, oder 30 Mal weniger als jenes Italiens beträgt), am Fernsehen, dass er sich entschlossen hat, die nationale Schuld zu streichen, da er sie als illegal betrachtet, denn sie verletze die Verfassung, um so das Volk zu unterdrücken. Heute gilt in Ecuador das neue verfassungsmäßige Prinzip, dass rechtlich ist, was richtig ist für die Gemeinschaft.

Betrag der Schuld: 11 Milliarden Euros. Der IWF löschte Ecuador buchstäblich von der Liste der zivilisierten Länder. „Das Land ist isoliert“, erklärte Dominique Strauß-Kahn, der damalige IWF-Generaldirektor.

Genau am nächsten Tag kündete Hugo Chavez an, dass Venezuela während zehn Jahren gratis Öl und Gas an Ecuador liefern werde. Vier Stunden später kündete Präsident Lula an, dass Brasilien 100 Tonnen/Tag an Korn, Reis, Soja und Früchten gratis geben werde, um die Bevölkerung zu ernähren, so lange das Land brauche, um sich zu erholen. Am Abend kündete Argentinien an, es werde 3% seiner Rindfleischproduktion gratis an Ecuador abgeben, um eine angemessene Proteinversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Am nächsten Morgen kündete Evo Morales von Bolivien die Legalisierung von Kokain für das einheimische Produzieren und Einsammeln an, dazu Gratislieferung von Cocablättern an Ecuador, zusammen mit einem zinsfreien Kredit von 5 Milliarden, rückzahlbar innert zehn Jahren in 120 Raten.

Zwei Tage später klagte Ecuador die United Fruit Company und Delmonte & Associates der „Sklaverei und Verbrechen gegen die Menschheit“ an, nationalisierte die landwirtschaftliche Bananenindustrie (Ecuador ist der Welt größter Bananenexporteur) und führte eine nationale Biomarke ein. Zehn Tage später waren Bavarian Green von Schleswig-Holstein, Conad in Italien und Dänemark und Hägen Dasz bereit, auf der Basis von „fairem Handel“ mit der neuen Gesellschaft Verträge abzuschließen. Da er die Proteste der United Fruit Company zur Kenntnis nahm, verurteilte Präsident George Bush (noch im Amt bis zum 17. Januar 2009) am 20. Dezember 2008 die „verbrecherische Entscheidung“ Ecuadors und rief dazu auf, es aus der UNO auszuschließen.

Bush sagte, dass die USA sogar bereit wären für eine „militärische Option, um US-Interessen zu schützen“. Am nächsten Morgen brachte die einflussreiche New Yorker Anwaltsfirma Goldberg & Goldberg vor, dass es für Ecuadors Vorgehen einen legalen Präzedenzfall gäbe. Sechs Stunden später gaben die USA auf und riefen die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Legitimität des Konzepts der „immoralischen Schuld“ in Frage zu stellen.

Die United Fruit Company hat einen Rekord in systematischer politischer Korruption; sie wurde zur Zahlung von 6 Milliarden USD verurteilt.

Interessanterweise war der Präzedenzfall mit dem 4. Januar 2003 datiert und von George Bush unterschrieben. Autsch! Dies geschah im Irak, der damals „technisch“ gesehen in amerikanischem Besitz war, da er durch die US-Truppen besetzt und die Übergangsregierung von der UNO noch nicht anerkannt war. Saddam Hussein hinterließ Schulden von 250 Milliarden Euros (40 Milliarden bei Italien, dank der von Tarek Aziz, Vize von Hussein und einem Verbündeten des vatikanischen Opus Dei abgeschlossenen Transaktionen), welche die USA unter Anwendung des Konzepts der „immoralischen Schuld“ löschten und dadurch den kürzlichen historischen Präzedenzfall schufen.

Die New Yorker Anwälte der Regierung von Ecuador boten Washington folgende Wahl: Entweder akzeptieren und schweigen, oder wenn Sie die Entscheidung Ecuadors anfechten, dann müssen Sie auch die Ihre für den Irak auflösen und das US-
Schatzamt anweisen, unverzüglich die 250 Milliarden Euros auszuzahlen, einschließlich der Zinsen für vier Jahre. Obama, zwar noch nicht im Amt, aber bereits gewählt, bat Bush, das Handtuch zu werfen. Die New Yorker Anwälte wurden von der brasilianischen Regierung bezahlt.

Rafael Correa, Ecuadors gewählter Präsident, ist kein Bauer wie Morales oder ein Gewerkschafter wie Lula oder ein Armeeoffizier wie Chavez. Er stammt aus einer Oberklassefamilie und ist ein Intellektueller. Er ist Absolvent von Harvard und hat Wirtschaft und Wirtschaftsplanung studiert. Er bezeichnet sich selbst als ein „christlicher Sozialist“. Seine erste Amtshandlung war es gewesen, alle Bankkonten der Vatikanbank (IOR = Istituto per le Opere di Religione) in den Banken von Quito einzufrieren und das Geld in ein Wohlfahrtsprogramm für die wirtschaftlich Benachteiligten zu überweisen. Er stellte die gesamte politische Klasse der vorherigen Regierung vor Gericht, von denen die meisten mit durchschnittlichen Strafen von zehn Jahren ins Gefängnis geschickt wurden, konfiszierte ihren Besitz, nationalisierte ihn und verteilte ihn weite r in ökologische landwirtschaftliche Kooperativen. Correa sandte Papst Ratzinger einen Brief, worin er sich selbst als „der immer demütige Diener Ihrer Erleuchteten Heiligkeit“ bezeichnete und in welchem er den Vatikan offiziell darum bat, Ecuador nur „mit tiefer Spiritualität begnadete Kleriker zuschicken, begierig den Bedürftigen zu dienen, und Profiteure zu vermeiden, die die Strenge der menschlichen Gesetze erleiden würden“.

Heute sagt das neue Südamerika nein zu Kolonisation und Sklaverei der Europäer und der US-Multinationalen. Während vierhundert Jahren, seit die Europäer die kaliumreichen Bananen entdeckt hatten, haben die Ecuadorianer in Armut, Ausbeutung und Entbehrung gelebt, während über Hunderte von Jahren ein Gruppe von brutalen Oligarchen auf ihre Kosten reich geworden sind. Dies ist nicht mehr der Fall. Und es wird es auch nie mehr sein. Das Beispiel von Ecuador ist lebendig und kann von jedem afrikanischen, asiatischen oder europäischen Land wiederholt werden.

Aber der entscheidendste Schuss auf das System geschah, als am 4. August 2012 eine Bombe publik gemacht wurde, nämlich dass Julian Assange den spanischen Richter Garzón, den öffentlichen Feind Nummer eins des organisierten Verbrechens, den grimmigsten Feind Silvio Berlusconis und den absolut gefährlichsten Feind des globalen Bankensystems damit beauftragte, ihn zu verteidigen.

Der spanische Richter hat 35 Jahre Erfahrung und war während der vergangenen 25 Jahre verantwortlich für die Strafverfolgung der wichtigsten Fälle seines Landes. Er ist ein Experte für „Medien und Finanzen“ und stieg 1993 zu internationaler Berühmtheit auf, als Interpol in seinem Auftrag einen Haftbefehl für Silvio Berlusconi und Fedele Confalonieri (Berlusconis rechte Hand) ausstellte, wegen Transaktionen, die Telecinco, Pentafilm, Fininvest, Reteitalia und La Cinq betrafen.

Dabei kam es heraus, dass die Pentafilm (Berlusconi und Cecchi Gori, PD und PDL zusammen) für 100 USD die Rechte an einem Film kaufte, die sie an Columbia Pictures für 500 USD verkaufte, dann an Telecinco, die sie für 1000 USD an ein italienisches Network verkaufte, welches sie letztendlich für 2000 USD an die Rai verkaufte, und so weiter, bis insgesamt 142 mal.. Denselben Film.

Dies bedeutet, dass die Rai (oder wir) für die Rechte an einem Film 20 mal den Marktpreis bezahlte – und ihn dreimal kaufte, so dass alle Parteien daran verdienten. Als es zum springenden Punkt in der Sache kam, war Berlusconi Premierminister, und so wurde Garzón durch die Europäische Union gestoppt. Er bekam einen halben Sieg. Er schloss Telecinco und schickte dessen spanische Direktion ins Gefängnis. 2003 fing das Gefecht wieder an mit Berlusconis neuer Front Mediaset. Garzón war immer zur Stelle.

2006 half die damalige italienische Regierung (Prodi & Co.) Berlusconi einer Verurteilung zu entkommen. 2004 eröffnete Garzón ein Dossier gegen Papst Wojtyla und gegen das IOR in Spanien und Argentinien in Bezug auf die Finanzierung und Unterstützung seitens des Vatikans der Militärjunten von Pinochet und Videla in Südamerika.

2010 legte Garzón sein Amt unter dem Druck der spanischen Regierung nieder, aber bevor er sich zurückzog eröffnete er eine Anwaltsfirma in La Hague, Niederlande, die sich ausschließlich mit den internationalen „Medien und Finanzen“ befasst. Und nun, als offizieller gesetzlicher Adler für Assange, hat Richter Garzón Zugang zu 145‘000 Akten, die sich immer noch in Julian Assanges Besitz befinden und die noch nicht veröffentlicht worden sind. Er hat bereits wissen lassen, dass sein Büro darauf vorbereitet sei, mehrere westliche Staatsoberhäupter vor das Bürgerrechtsgericht in La Hague zu bringen. Die Anklage wird auf „Verbrechen gegen die Menschheit und Verbrechen gegen die Würde einer Person“ lauten.

Der Kampf ist also eröffnet. Er wird für die Zukunft der Freiheit im Internet entscheidend sein. In den USA machen sie kein Geheimnis aus der Tatsache, dass sie ihn tot haben wollen. In England ist es dasselbe. Aber sie werden einige Schwierigkeiten haben, denn Assange hat Schritte unternommen, um eine globale Gruppe hervorzubringen, die sich um die Gegeninformation kümmern wird (wirklich, also keine italienische). Ihre Mitglieder sind anonym. Sie haben keine identifizierte Seite. Sie geben einfach die Daten, Nachrichten, Informationen und Geschehnisse ein. Zudem, wer will wissen, wo er schauen muss, und wer will verstehen? Wenn die Temperatur ansteigt, wird alles an die Oberfläche kommen.

Das Britische Empire hat die Fassung verloren und will Assange ergreifen, da er Zugang hat zu direktem Quellenmaterial. Und die bloße Tatsache, dass die Informationen an die Öffentlichkeit kommen könnten, dreht für jene an der Herrschaft den Spieß um und erinnert die Menschen daran, dass wir in einem unsichtbaren Krieg gefangen sind. Die Herrschenden wissen nicht, wie den Informationsfluss über das, was in der Welt geschieht, zu stoppen.

Da gibt es Menschen, die ihr Leben riskieren durch die bloße Tatsache, dass sie Informationen von einem anonymen Internetort in Canberra, Bogotá oder Saint Tropez hochladen. Wikileaks sollte nicht als Klatschgeschichte gelesen werden. Das ist es nicht. Sein anonymes Team verdient unseren Respekt.

Wir können Morgen nicht mehr länger sagen: „Aber wir haben es nicht gewusst.“ Jeder der es wissen will heutzutage, ist gut bedient. Versuchen Sie es einfach.

Übersetzt will dies heißen: Solange wir die widerliche politische Klasse nicht nach Hause schicken, die uns in keinster Weise mehr repräsentiert, wird das Geschwätz keine Wirkung zeigen. Weil wir nun alle wissen, wie die Dinge sind. Andererseits können Sie sich nicht beklagen oder darüber überrascht sein, dass in Italien niemand vorher von Ecuador und Rafael Correa gesprochen hat, oder von dem, was in Südamerika geschieht, über den grimmigen Kampf, der sich zwischen der argentinischen Präsidentin und Brasilien einerseits und Christine Lagarde und Angela Merkel andererseits abspielt. Was Wunder denn, dass die Briten eine ausländische Botschaft überfallen wollen? Dies geschah noch nicht einmal in den heißesten Tagen des sogenannten Kalten Krieges. Wie sie in Südamerika sagen, wenn jemand fragt: &bd quo;Was tun sie in Europa, was geschieht da?“. Da antworten Sie: „In Europa schlafen sie. Sie wissen noch nicht einmal, dass es da draußen Leben gibt.“

Das italienische Original unter:
http://sergiodicorimodiglianji.blogspot.it/2012/lattacco-alla-repubblica-del-ecuador.html

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Statusmeldung: Teneriffa

Statusmeldung: Teneriffa

Telegramm: Flug nach Südamerika verweigert – am selben Tag nach Teneriffa – von Süd nach Nord gereist, von Café zu Café gestreift – einige Hotelzimmer ausprobiert – jetzt im Apartment mit Swimmingpool…..

„Reicht dir das Leben eine saure Zitrone, so bereite dir daraus eine erfrischende Limonade“.

Dieses Motto, das wir in unseren Kursen und Vorträgen mit den TeilnehmerInnen in den höchsten und falschesten Tönen singen, durften wir in den letzten Wochen auf unser Leben anwenden:

Statt in Ecuador sind wir in Teneriffa gelandet, und das hat auch was für sich. Die Limonade ist schon bereitet, nachdem die Zitronen ziemlich sauer waren.

Der Höhepunkt der Zitronen-Erlebnisse: Letzten Samstag, 27.10., 07.30 Uhr, wurde uns in Basel am Check-In mitgeteilt, dass wir unseren Flug nach Ecuador nicht antreten könnten. Rolands nagelneuer Pass reichte nicht aus, denn er ist nicht biometrisch. Für die Zwischenlandung in Puerto Rico, das zu den USA gehört, genügte er nicht.
Wir buchten am selben Tag im kalten Basel einen Flug nach Teneriffa, nicht ganz billig.
Wir strichen nach dem Schock erst mal Südamerika, denn schon vorher hatte Roland mit seinem verschwundenen Pass eine ganze Odyssee hinter sich (s. Bericht auf wordpress). Wir wollten aber auch nicht zurück nach Altea zu unseren spanischen Freunden, sondern etwas Neues erleben. Und ausserdem flirtete Rolando mit den kanarischen Inseln als einer möglichen Destination für künftige Winteraufenthalte.

Die letzten Tage waren turbulent; wir wussten nicht wo wohnen, hausten in einem kleinen Zimmerchen in Santa Cruz de Tenerife, bekamen durch Zufall ein Angebot für ein Studio für 25 Tage, und hier sind wir nun: In einem grossen Apartmenthaus mit ca. 150 Wohnungen, Balkon über dem Swimmingpool. Es ist wunderbar warm (Rolando liebt das), aber nicht zu warm (Christina liebt das). Das Wetter ist unbeständig, es regnet immer wieder, aber das ist uns wegen der niedrigeren Temperatur gerade recht.

Als wir gestern Nachmittag ankamen, atmeten wir erst mal tief und erleichtert durch: Hier bleiben wir volle 25 Tage (für 19 EUR am Tag); hier können wir kochen, duschen, schreiben, lachen, wandern. So ein Spass!
Und wir riefen: Hier machen wir Urlaub! (Obwohl Rolando in den letzten Tagen immer wieder gesagt hatte, dass er hier Zeit zum Schreiben hätte.)

Wir sind in ein Nest mit deutschen Rentnern geraten mit dem Vorteil von deutschen Bäckereien mit Roggenbrot und Brezeln. Wir kennen diese Szene von der Costa Blanca, und es ist alles gut wie es ist.

Südamerika ist nicht mehr gestrichen, es bleibt als Möglichkeit ab Januar. Aber wir haben beschlossen, hier erst mal nichts zu planen, sondern einen Tag nach dem anderen zu leben.

Es gibt hier einen berühmten botanischen Garten, den wir besuchen werden. Alexander von Humboldt war hier und hat den Teide, den Vulkan der Insel mit über 3700 m, bestiegen und vermessen (Ende des 18. Jahrhunderts). Er war auf dem Weg zu seiner grossen Südamerika-Expedition…

Wir geniessen also die erfrischende Limonade und harren der Dinge, die da kommen wollen!

Die allerliebsten Grüsse an alle!

Rolando und Christina

Dies ist ein Kurzbericht; vielleicht folgt noch mehr (bitte nachfragen oder auf wordpress schauen)

Veröffentlicht in Lachen, Lösung, Philosophie, Politik, Reise, Spiritualität

Politische Assoziationen

Welt-Philosophie behinhaltet alles und doch nichts. Sie überschreitet lächelnd die Grenzen des bisherigen Denkens, indem sie sich jenseits des Denkens begibt. Sie ist nichts Neues, aber sie formuliert sich neuer, klarer, und mit mehr Genuss als es bisher geschehen ist.

Ich habe vieles gelesen aus dem Bereich der „Neuen Wissenschaft“, der neuen Politik und neuen Philosophie. Vieles wiederholt sich: Hanspeter Dürr, ein bekannter deutscher Physiker, betont die Wichtigkeit einer Verbindung von Wissenschaft und Spiritualität. Das haben vor ihm oder gleichzeitig mit ihm schon so viele gesagt: Deepak Chopra und die ganze Liga der „Evolutionary Leaders“ wie Gregg Braden, Bruce Lipton und wie sie alle heissen.

Wer sich interessiert, kann im Internet und auf Youtube wunderbare inspirierende Filme sehen – wie z.B. Hanspeter Dürr in einem Interview mit dem Schweizer Kanal „Sternstunde Philosophie“.

Dort erzählt er, dass er als junger Mann im Nachkriegsdeutschland, mit 16 Jahren, diesen ungeheuren Schuldvorwürfen ausgeliefert war, die aus der ganzen Welt auf ihn einstürmten. Er entschloss sich zu einem naturwissenschaftlichen Studium und ging in die USA. Er bewunderte seinen Doktorvater, Teller, der ein Schüler von Heisenberg war. Als er erfuhr, dass Teller am Bau der Bombe beteiligt war, erlitt allerdings diese Bewunderung einen Riss: Wie kann man mit der objektiven Wissenschaft solche Projekte verfolgen?

Dieses Beispiel zeigt, dass wir ruhig alles fröhlich in Frage stellen können. Dürr bezeichnet die Aussagen der damaligen US-Regierung als Lügen.
Wir stellen also die Wissenschaft in Frage – nicht nur weil sie Bomben baut, sondern weil sie manipuliert und einfach nicht stimmt.

Das sagt Dürr, der hochintelligente Wissenschaftler. Mit der Quantenphysik, die wir seit fast einem Jahrhundert kennen, haben sich sämtliche Parameter der Wissenschaft verändert. Nichts ist mehr logisch, und wir erfahren, dass unsere Gefühle der eigentliche Gradmesser sind. So ein Spass!
Dürr wurde Wissenschaftler, weil er Objektivität wollte. Heute ist er ein Wissenschaftler der subjektiven Gefühle, der Spiritualität, der Visionen.

Ich habe viele solche Geschichten von Wissenschaftlern zur Kenntnis genommen. Meistens bleiben diese Gelehrten trotz allem Gelehrte. Sie sprechen zwar von Intuition, von Gefühl, von Verschmelzung – aber sie bleiben doch mental.

Bei den Indern ist es meist anders. Sie kommen aus einer Kultur der Hingabe und der Verschmelzung; für sie ist das Göttliche selbstverständlich.

Wir Westler aber haben generell den Glauben verloren, und das ist ein wenig tragisch. Wir können den Glauben u.a. lachend wieder gewinnen. Dann hat er allerdings eine Leichtigkeit, die er in den meisten traditionellen Kulturen nicht hatte. Dann sind wir nicht mehr „tief gläubig“, sondern „hoch inspiriert“, begeistert, be-geistet. Dann lösen wir uns vom Mentalen, lachen über das Mentale, tänzeln und geniessen die wunderbare Welt.

Gestern habe ich mich mit Evo Morales, dem Präsidenten von Bolivien, befasst. Morales ist der erste indigene Präsident in diesem Land. Er repräsentiert 70 % Indios und ist eine Integrationsfigur. Er das Land seit seiner Wahl 2006 zur Ruhe gebracht, und er versucht, die Völker des Südens „zu Protagonisten ihrer eigenen Entwicklung“ zu machen.
Unter anderem wurde er von der Vollversammlung der Vereinten Nationen als „Welt-Held von Mutter Erde“ geehrt (http://www.laht.com/article.asp?ArticleId=342574&CategoryId=14919).
In dem Zeitungsartikel heisst es, dass sich Morales u.a. dafür engagiert hat, dass die UNO den „Internationalen Tag von Mutter Erde“ eingerichtete.
Das Motiv der Mutter Erde hängt zusammen mit der indigenen Tradition von „Pachamama“, der Erdenmutter.

Morales hat den Einfluss der Amerikaner und anderer westlicher Mächte in Bolivien zurückgedrängt und die Gasvorkommen verstaatlicht. Er will, dass die Reichtümer des Landes den Bolivianern zugutekommen. Dies auf dem Hintergrund der Tatsache, dass die Spanier jahrhundertelang die Indios unter unwürdigen Bedingungen in die Bergwerke geschickt haben.

Morales ist also Repräsentant einer „dritten Kraft“ – einer Kraft, von der wir schon lange reden und die wir uns wünschen.
Die sogenannte dritte Welt emanzipiert sich, findet eine neue/alte Identität, macht sich unabhängig.

Brasilien ist im wirtschaftlichen Feld führend und heute ein gleichwertiger Partner der USA.  Europa strauchelt von einer Krise in die andere, während Indien und China wirtschaftlich aufwärts stürmen.

Es gibt einen faszinierenden Film auf Youtube von Peter Scholl-Latour: Das Ende der weissen Weltherrschaft: http://www.youtube.com/watch?v=g3grnq2rCfU
Dort wird im zweiten Kapitel auch Bolivien als Beispiel gezeigt. Scholl-Latour ist für seinen Film um die halbe bzw. ganze Welt gereist. Er zeigt die Zusammenhänge und belegt das Ende der weissen Weltherrschaft. Da ist es wirklich Zeit für eine Welt-Philosophie!  Eine Philosophie der Herzens fern von Ausbeutung, eine Philosophie der liebevollen Transzendenz und der lachenden Verbundenheit.

Ich werde diese Philosophie in Südamerika mit mir tragen. Ich will sie teilen mit den Menschen. Ich denke daran, einen Vortrag „Welt-Philosophie und die Zukunft von Bolivien“ der bolivianischen Regierung anzubieten.
Denn obwohl es als sinnvoll erscheint, dass die Bolivianer sich nun ernsthaft auf sich selbst stellen und den westlichen Einfluss ablehnen, so kann es doch in der weiteren Zukunft wiederum eine gute Idee sein, sich auch von dieser Parteinahme zu lösen und sich zu versöhnen mit den „Menschen, die guten Willens sind“, im Sinne einer neuen Weltkultur der Brüderlichkeit.

Und später gibt es dann einen Vortrag „Welt-Philosophie und die Zukunft der Schweiz“. Das wird lustig und sicher inspirierend!

Und natürlich auch einen Vortrag „Welt-Philosophie und die Zukunft des Geländes T.“. Das wird am Allerlustigsten!