Veröffentlicht in Inspiration, joy, Lachen, Lösung, Liebe, Philosophie, Reise, Spiritualität

Gespräche mit dem lachenden Gott 3

Neuer Entwurf der Einleitung:

Einleitung

Lachender Gott: Du musst dir einen würdigen Rahmen suchen für deine Erleuchtung und deine Gespräche mit mir. Z.B. einen Unfall, eine Nahtoderfahrung oder eine Parkbank. Das wirkt.

Rolando: Ok. Wie wär‘s mit einer Busfahrt in Nepal mit anschliessender Auswertung im Angesicht des Annapurna?

Du bist immer so ehrlich.

Das ist im Jahr 2010 passiert.

Ich weiss. Aber du, weil du schon damals kein ernsthafter Mensch warst, hast es danach wieder in den Wind geschlagen. Wie denn? Eine solche Erfahrung nicht ernst nehmen! Du hast vor allem gesehen, dass ich eine Person bin, nicht wahr?

Unglaublich. Ich sitze im Bus von Kathmandu nach Pokhara, etwa 8 Stunden Fahrt. Christina guckt vorne zum Fenster raus, es gibt fast keine Passagiere. Ich geh nach hinten, und da packt mich diese Erkenntnis: Gott ist eine Person.

Du hast das aufgeschrieben.

Ja. Und ich zitiere hier nur den letzten Satz aus meinen Aufzeichnungen: „Daher muss nichts geändert werden nach meiner lustigen Transformation auf der Busfahrt. Gott ist unendlich, er ist Lachen und Freude, und es gefällt ihm wenn wir das sehen, wenn wir bewusst in glücklicher Verbindung mit ihm sein können.“

Sehr gut. Du hast drüber gelacht, und vier Jahre später lachst du immer noch drüber, aber jetzt bist du erneut in Kontakt mit mir gekommen und schreibst und schreibst. Wunderbar!
Und bevor wir in dieser Einleitung weiterfahren, erlasse ich hiermit eine General-Amnestie.

Aha?

Ja! Eine gross angelegte Befreiung aus inneren Gefängnissen. Ihr seid frei, Leute! Ihr könnt jubeln! General-Amnestie! Verlasse dein Gefängnis und geniesse den Duft der Rosenblüte, geniesse dich selbst, geniesse alles!

Oh, wie schön! Da bin ich dabei.

Ja, du sowieso. Diese Amnestie gilt für alle.

Da haben wir schon ein gutes Thema.

Das werden wir fortsetzen.

Du willst also tatsächlich dieses Buch mit mir schreiben?

Ja, denn du eignest dich ganz gut für die Botschaften des lachenden Gottes.

Dann sag ich mal ja.

Hab ich auch nicht anders erwartet.

Kannst du kurz erklären, worum es geht?

Natürlich, kurz. Ihr Erdenbewohner wollt immer alles kurz. Weil ihr keine Zeit habt, weil ihr eure Zeit vernichtet. Hahahaha! Aber gut, ich probier‘s.
Ich zeig mich auf der Erde, weil sich diese gute Gelegenheit dazu ergibt. Und bei dieser Gelegenheit kläre ich einige Missverständnisse auf, inspiriere zu einem freudigeren und erfüllteren Leben, philosophiere mit dir, analysiere die Welt-Situation.
Zum Beispiel erkläre ich das Konzept der Erbsünde zu einem Thema, über das man nur lachen kann. Hahahahhaa! Erbsünde! Sünde! So ein Quatsch! Das hab ich nie gesagt oder gewollt!

Sehr gut! Was wird noch in dem Buch stehen?

Es geht um seelische Gesundheit, es geht um die Kunst, die Gegenwart zu verstehen und inspirierend zu kommentieren. Ich werde den Menschen mal tüchtig die Meinung sagen, und wir beide werden zusammen lachen. Du wirst erzählen von deinen Erfahrungen und von deinen früheren Begegnungen mit mir.

Und kommst du dann auch mal zu Besuch?

Ich bin ständig zu Besuch. Kürzlich hatte ich in Spanien einen lustigen Auftritt. Wir hoben die Welt in die Freude.

Klingt gut. Ich war auch dabei.

Natürlich schon. Aber erzähl noch ein bisschen von dir. Wie bist du zu diesem Thema gekommen? Ist doch etwas ungewöhnlich?

Ich habe eine lange Geschichte mit dem Lachen. Es ist mein Erleuchtungs-Erlebnis gewesen und ist es immer noch.
Ich habe diese grosse Erleichterung im Jahr 2000 erfahren. Das hat mein Leben enorm bereichert, es hat mir Glück gebracht. Ich reite auf einer Welle des Glücks.

Du hast Glück im Glück, wie du immer so schön sagst.

Phänomenal! Ich traf Christina Fleur de Lys. Wir spannten lachend zusammen, gaben Kurse, philosophierten, bildeten LachtrainerInnen aus, zogen nach Spanien, heirateten im Jahr 2009 mit grossem Tamtam und noch grösserer Begeisterung, reisten dann nach Indien, wurden zu Weltreisenden.

Auf diesen Reisen hast du deinen Horizont erweitert.

Ich lernte Spanisch. Wir besuchten auf unseren Reisen, jeweils im Winter, viele Länder: Indien, Nepal, Neuseeland, Australien, Bali, Spanien, Ecuador, Chile, Argentinien, Kalifornien, Mexiko.

Wow! Ich war dabei.

Klar warst du dabei, und hast uns geholfen und inspiriert. Manchmal war es kompliziert. All diese Entscheidungen! Aber im ganzen einfach toll.

Und du warst nicht faul während dieser Reisen.

Stimmt. Immer hatte ich ein Projekt: Ein Mitmach-Musical, einen Film über die Lebensfreude, ein Buch über die Koalition der Freude. Christina schrieb auch ein Buch, „Das Leela-Prinzip“.

Ihr seid ebenbürtige Partner.

Lustige Partner, inspirierte Gestalter. Ich hab mal das Wort für uns geprägt: Wir sind heiter-heilige Pilger.

Und nun hat dich unser Dialog dazu inspiriert, dieses Buch mit mir zusammen zu schreiben. Es wird gigantisch!

Mindestens! Global, planetarisch, universal!

Und genial!

Hahahahha! Wenn man mal loslegt, dann richtig, hat du mir schon vor einigen Jahren gesagt.

Hahahahahahhahahahahah!

Hihihihihihihihihihihihihi.

Und wie sieht das mit dem Channeln aus? Ich meine: Gibt es mich wirklich, oder bildest du mich nur ein? Das wird jeder Journalist fragen.

Ja. Ich liebe diese Fragen! Natürlich gibt es dich! Da bist du ja, unüberlesbar! Ich channelle dich spielend, und du antwortest mir spielend. Das Spiel ist Gott. Ist doch klar!

Gut, das versteht jeder. Wir bleiben hier konzentriert, zentriert. Wir halten uns nicht mit Theorien und Standard-Fragen auf. Ich sag dir einiges, und du sagst mir einiges. Du hast eine spannende Biographie, und einiges davon darf auch in diese Dialoge einfliessen.

Danke! Henry David Thoreau hat gesagt, dass er es für wichtig hält, dass der Autor sich persönlich zeigt in seinen Werken. Das werde ich tun.

Ansonsten wenden wir uns den grossen gesellschaftlichen Themen zu, nicht wahr? Und wir lösen sie alle.

Das tun wir!

Darf ich dir noch persönlich was sagen?

Immer.

Du eignest dich nicht nur wegen deiner langen Erfahrung mit dem philosophischen Lachen und deinem Humor für dieses Projekt, sondern auch wegen deiner Lebenserfahrung. Du hast vieles miterlebt: Die Studenten-Revolte der 68er, die Hippiezeiten, den Aufbruch damals. Du hast Anthroposophie studiert, warst lange Waldorflehrer, lebst in der Schweiz seit mehr als 30 Jahren, hast Kinder und Grosskinder. Du hast Erfahrung mit Zen-Meditation und anderen Methoden und hast viele verschiedene Berufs-Erfahrungen gemacht.

Ja, ich hab ziemlich viele Register der letzten 50 Jahre miterlebt und mit gestaltet, und dabei immer die philosophischen Fragen studiert.

Bis das Lachen dich aus der Bahn in die Bahn warf!

Ich bezeichne mich manchmal als Revolutionär des Lachens.

Bescheiden wie immer, hihihi.

Danke.

Veröffentlicht in Lachen, Lösung, Liebe, Philosophie, Politik, Reise, Spiritualität

Die grosse Befreiung?

Die grosse Befreiung

geschrieben auf dem Flug Zürich – Los Angeles

1. 11. 2013

Ist schon toll. Wir segeln durch die Lüfte, und meine Gedanken fliegen. Wie es auch stehen mag mit meiner Koalition der Freude: Sie bringt uns eine Richtung, Einladungen, viel Spass.

Heute früh habe ich eine Einladung von Nathan Mansbach, Mexico D.F., erhalten, für den Dezember. Jeffrey Briar erwartet uns nächste Woche in Laguna Beach. Danach werden wir bei Sebastien Gendry in Pasadena wohnen, und später den legendären Steve Bhaerman besuchen.

Meine wunderbare Christina steht mir zur Seite, ist sehr spontan, entwickelt ihre eigenen Ideen, organisiert Autos oder gute Plätze im Flugzeug. Sie hat mir gerade gesagt, dass sie eigentlich gar kein Ziel hat für diese Reise. Go with the flow!

Ich bemerkte daraufhin, dass ich vielleicht gerne mal eine Woche in Kalifornien am selben Platz bliebe. Wir haben zwei Gastgeber bei Santa Rosa; beide besitzen grosse Häuser auf dem Land mit einem eigenen Zimmer für uns. Vielleicht wäre das ein Ort, mal eine Weile zu bleiben. Ausserdem wohnt Steve Bhaerman dort; ein Mann, der mich immer inspiriert hat mit seiner genialen Schreibe und seiner Humor-Philosophie.

Für Mexiko City habe ich die Idee eines öffentlichen Freuden-Ereignisses, einer Art Demonstration. Vielleicht machen ja die dortigen Lach-Freunde mit?

Im Flugzeug habe ich das Buch von Erich Fromm, „Die Furcht vor der Freiheit“, nach ca. 30 Jahren wieder hervorgenommen (diesmal als Gratis-E-Book auf meinem iPad). Genial! Die Analysen sind stimmig und machen betroffen: Ist der moderne Mensch wirklich so unfrei, von Ängsten geplagt?

Fromm analysiert die Entwicklung der westlichen Gesellschaften seit dem späten Mittelalter einschliesslich der Reformation und versucht im zweiten Teil des Buches zu verstehen, warum die Deutschen im Nationalsozialismus ihrem Führer folgten: Aus Furcht vor der Freiheit, vor der inneren, vollen Freiheit, und der eigenen Verantwortung.

Was die Systeme von der Reformation bis zum Kapitalismus kennzeichnet, ist ihre Ernsthaftigkeit. Bei Luther oder Calvin ist für Humor kein Platz, und nicht anders ist es in den Denksystemen der Kapitalisten. Sie haben keinen Spielraum, und Fromm stellt auch fest, dass die Reichen und Mächtigen meist ebenso unglücklich sind wie die Armen, weil sie zwanghaft ihrem Profit und Erfolg hinterherlaufen.

Das Lachen eröffnet eine andere Dimension. Nicht nur, dass im Lachen ein „altered state“ des Bewusstseins erreicht wird. So bewegt es sich ausserhalb von Analysen auf der Ebene der Lebensfreude und Verbundenheit, die durch die von Fromm geschilderten Prozesse der letzten Jahrhunderte verschüttet worden ist.

Fromm schreibt auch, dass die Mittelschicht zur Zeit Luthers sehr verunsichert war, und dass sie sozusagen bereit war für seine Lehre. Er sagt, dass es immer eine Wechselwirkung zwischen einer neuen Lehre und dem gesellschaftlichen Feld gibt.

Dass die Lach-Philosophie noch nicht von Millionen Menschen studiert und umgesetzt wird, liegt demgemäss daran, dass die Menschen noch nicht dafür bereit sind. Olé!

Wir waren im Oktober für fast 4 Wochen in Spanien. Neben wunderbaren Festen und inspirierten Freundes-Treffen lösten wir unser letztes kleines Möbel-Lager dort auf.
Ich stiess auf Dokumente über meinen Lebenslauf und wurde unter anderem durch einen Text in Bann gezogen, den ich 1971, also vor 42 Jahren, als 23-Jähriger, in Berkeley, Kalifornien, auf Englisch geschrieben hatte.

„Aus einem Guss“ kam mir mein Leben plötzlich vor! Denn was ich damals geschrieben habe, könnte, auf einer anderen Ebene, auch heute meiner narrosophischen Feder entstammen.

Berkeley und San Francisco waren Ende der 60er- und Anfang der 70er- Jahre die Zentren der Hippie-Revolution. Ich war dorthin nach meinen tiefgreifenden psychedelischen Erfahrungen von Nepal gereist – in der Erwartung, das Paradies der Phantasie vorzufinden. Das war nicht ganz der Fall.
Aber ich war inspiriert, begeistert von den neuen Bewusstseins-Erfahrungen, ein bunter Vogel mit schulterlangem Haar.

Ich schrieb unter anderem von einer grossen Karawane, die durch die USA ziehen und der sich alle anschliessen sollten, um die Schönheit des Lebens zu feiern.

Ich wusste damals nicht, dass es eine solche grosse Karawane kurze Zeit vorher gegeben hatte. Ein gewisser Steve Gaskin, ein predigender Philosoph im Golden Gate Park von San Francisco, hatte zu der Karawane aufgerufen, die tausende von Menschen anzog. Ein Teil dieser Wandernden hat sich dann in der Gemeinschaft „The Farm“ in Tennessee niedergelassen, die zeitweise ca. 1000 Mitglieder zählte und heute noch besteht.

Meine Schreibweise damals ist sehr intuitiv, selbstbewusst, visionär. Die Handschrift ist gross, etwas chaotisch, spontan.

Wir sehen oben im Text, dass ich die Idee einer Freuden-Demonstration für Mexiko habe. Das ist doch ein wenig ähnlich, nicht wahr?

Während eines Projekts unserer Globalen Initiative für Abrüstung haben wir einen Sternmarsch nach Bern organisiert, und im Jahr 2004 führten wir in Bern die erste „Lach-Parade“ mit ca 300 Leuten durch. Ich könnte weitere Beispiele nennen.

Was liegt dem zugrunde? Es ist die Vision einer inspirierten Menschheit.

Auf dem Weg nach Zürich sassen wir beiden Globetrotter in Bern beim Bahnhof auf unseren Koffern und nahmen das Mittags-Picknick ein. Mhhhhm, wie das schmeckte! Wir waren ziemlich auffällig. Aber denkt ihr, man hat uns gesehen? Von den paar hundert Leuten, die vorbei gingen, hat uns genau einer angelächelt. Die Leute schlafen, sie sehen nichts, sie sind ja so beschäftigt…

Patch Adams analysierte, dass ein Mensch, der beim Anblick eines Clowns auf der Strasse nicht lächelt, ein kranker Mensch sei. Wer sich selbst und das Leben so ernst nimmt, dass er nicht lächeln kann beim Anblick einer lustigen Person, ist krank. So ist das!

Als wir heute in der Warteschlange vor der Passkontrolle im Flughafen Zürich standen, fragte ich mich in diesem Zusammenhang: Warum lächeln die Leute nicht? Warum sehen sie sich nicht an? Ich bin sicher: Die Lächel-Welle kommt noch.

Erich Fromm ist ziemlich genial im Aufzeigen der Zusammenhänge zwischen Individuum und Gesellschaft. Er sieht den Einzelnen überwiegend von der Gesellschaft bestimmt, aber er leugnet auch nicht, dass der Einzelne einen Einfluss auf die Gesellschaft hat. Seine Spezialität ist die Sozialpsychologie, mit der er psychologische Prozesse in der Geschichte charakterisiert. Er denkt überwiegend rational, aber auf eine sympathische Weise, indem er die Liebe und Verbundenheit ins Zentrum seines Denkens stellt.

Wenn wir die heutigen Prozesse in der Weltwirtschaft beobachten, kann es uns so vorkommen, als habe sich die psychologische Struktur der westlichen Bevölkerung in den 70 Jahren seit Erich Fromms Buch kaum gewandelt. Noch immer scheint es um Erfolg und Macht zu gehen, noch immer glaubt man an das Geld und die Naturwissenschaft.

Aber andererseits sind die Menschen doch viel freier geworden. Die Hippierevolution und die linke Studentenrevolution haben Wesentliches verändert. Die Lebensfreude, das Lachen, der Humor und das Glück werden immer mehr öffentlich akzeptiert. Neue philosophische Lehrer gewinnen Millionen von Lesern. Es ist schön, dass keine neue Lehre entsteht, nach dem gigantischen Satz aus dem Siddharta von Hermann Hesse: Lehren sind nichts für mich – bei mir selbst will ich lernen.

Die Individualisierung, von der Fromm spricht, endet also nicht nur in Vereinsamung oder Anpassung, sondern auch in neuen Formen individueller Freiheit. Das ist vielleicht im Mainstream noch nicht so deutlich spürbar, aber es ist so, und wir wissen und feiern es.

Wir feiern die Tatsache, dass wir Schöpfer sind, und dass dieses Schöpfer-Sein Auswirkungen auf das Ganze hat, auch wenn es nicht unmittelbar nachprüfbar ist. Für uns selbst ist es nachprüfbar, und zwar in voller ungebremster spürbarer herrlicher Kraft!

Übrigens: Es geht uns gut, wir ruhen uns aus und ziehen bald durch die Lande. Darüber später.

Hier noch einige Original-Zitate aus dem Buch von Fromm für die besonders Interessierten:

Die Geschichte des Menschen als eines gesellschaftlichen Wesens begann damit, daß er aus einem Zustand des Eins- seins mit der Natur heraustrat und sich seiner selbst als einer von der ihn umgebenden Natur und seinen Mitmenschen abgesonderten Größe bewußt wurde. Allerdings blieb dieses Bewußtsein während langer Geschichtsperioden sehr vage und unbestimmt. Noch immer blieb der einzelne an die Welt der Natur und an die Gesellschaft, aus der er hervorgegangen war, gebunden, und wenn er sich auch bis zu einem gewissen Grad bewußt war, eine separate Größe zu sein, so fühlte er sich doch gleichzeitig als Teil der ihn umgebenden Welt. Der Prozeß der immer stärkeren Loslösung des Individuums von seinen ursprünglichen Bindungen, den wir als »Individua- tion« bezeichnen können, scheint in den Jahrhunderten zwi- schen der Reformation und der Gegenwart seinen Höhepunkt erreicht zu haben.
In der Lebensgeschichte des einzelnen begegnen wir dem gleichen Prozeß. Ein Kind wird geboren, wenn es mit seiner Mutter keine Einheit mehr bildet und zu einer von ihr getrenn- ten biologischen Größe wird. Obwohl diese biologische Tren- nung den Anfang der individuellen menschlichen Existenz dar- stellt, bleibt das Kind doch, was seine Lebensfunktionen anbe- trifft, noch ziemlich lange eine Einheit mit seiner Mutter.
In dem Maße, wie der einzelne – bildlich gesprochen – die Nabelschnur, die ihn mit der Außenwelt verbindet, nicht völlig durchtrennt hat, ist er noch nicht frei; andererseits ver- leihen ihm diese Bindungen Sicherheit und Verwurzelung. Ich möchte die Bindungen, die bestehen, bevor der Prozeß der Individuation zur völligen Loslösung des Individuums geführt hat, als »primäre Bindungen« bezeichnen. Sie sind organisch in dem Sinne, als sie ein Bestandteil der normalen mensch- lichen Entwicklung sind; sie implizieren einen Mangel an Individualität, aber sie verleihen dem Betreffenden auch Sicherheit und ermöglichen ihm eine Orientierung. Es sind jene Bindungen, die das Kind mit der Mutter, den Angehörigen eines primitiven Stammes mit seiner Sippe und der Natur oder den mittelalterlichen Menschen mit der Kirche und seinem sozialen Stand verbinden. Ist einmal das Stadium der völligen Individuation erreicht und hat sich der einzelne von diesen primären Bindungen gelöst, so sieht er sich vor eine neue Aufgabe gestellt: Er muß sich jetzt in der Welt orientieren, neu Wurzeln finden und zu einer neuen Sicherheit auf andere Weise gelangen, als dies für seine vorindividuelle Existenz charakteristisch war. Freiheit hat demnach jetzt eine andere Bedeutung als vor dieser Entwicklungsstufe. Wir müssen hier kurz innehalten, um diese Begriffe klarzustellen, indem wir sie anhand der Entwicklung der Einzelmenschen und der Gesell- schaft konkreter erörtern.
Der verhältnismäßig plötzliche Übergang vom Fötus zur menschlichen Existenz und das Durchschneiden der Nabel- schnur ist ein Zeichen dafür, daß das Kind vom Mutterleib unabhängig geworden ist. Aber diese Unabhängigkeit ist nur in dem Sinne wirklich eingetreten, als beide Körper jetzt von- einander getrennt sind. In bezug auf seine Körperfunktionen bleibt das Kleinkind noch ein Teil der Mutter. Es wird von ihr gefüttert, getragen und sein Leben hängt von ihrer Fürsorge ab. Langsam nur gelangt das Kind dazu, die Mutter und Gegenstände als von ihm getrennte Größen zu erkennen. Bei diesem Prozeß spielt die neurologische und die allgemeine körperliche Entwicklung des Kindes eine wichtige Rolle, daß es lernt, Gegenstände – körperlich und geistig – zu erfassen und mit ihnen umzugehen. Durch die eigene Aktivität lernt es die Welt außerhalb seiner selbst kennen. Der Individuationsprozeß wird durch die Erziehung gefördert. Dieser Prozeß bringt eine Reihe von Versagungen und Verboten mit sich, wodurch die Rolle der Mutter sich verändert. Sie wird zu einer Person, die nun Dinge vom Kind verlangt, welche seinen Wünschen ent- gegenstehen, und erscheint ihm jetzt oft als eine feindselige und gefährliche Person.1 Dieser Antagonismus, der einen Teil des Erziehungsprozesses – wenn auch keineswegs die ganze Erziehung – ausmacht, spielt eine wichtige Rolle dabei, daß das Kind lernt, schärfer zwischen dem »Ich« und dem »Du« zu unterscheiden.
Nach der Geburt vergehen einige Monate, bevor das Kind andere Personen auch nur als solche erkennt und fähig ist, mit einem Lächeln auf sie zu reagieren, und es dauert Jahre, bis es gelernt hat, sich nicht mehr mit dem All zu verwechseln.

31

Das drängende Bedürfnis, dieser unerträglichen Ungewißheit und dem lähmenden Gefühl der persönlichen Bedeutungslosigkeit zu entrinnen, führte zur Herausbildung eines Charakterzuges, der für den Calvinismus außerordentlich typisch ist: zu einem Überaktivismus und zum Streben, immer irgend etwas zu tun. Aktivität in diesem Sinne gewinnt Zwang- scharakter: Der Betreffende muß mit irgend etwas beschäftigt sein, um das Gefühl des Zweifels und der Ohnmacht zu überwinden. Diese Art von Anstrengung und Aktivität ent- springt nicht innerer Kraft und Selbstvertrauen, sondern sie ist ein verzweifelter Versuch, der Angst zu entkommen.

92

Im Calvinismus war die Bedeutung der Leistung ein Bestandteil der religiösen Lehre. Ursprünglich war sie im wesentlichen eine sittliche Leistung, später jedoch ging es hauptsächlich um berufliche Tüchtigkeit und deren Ergebnis, das heißt um den geschäftlichen Erfolg oder Mißerfolg. Erfolg wurde zum Zeichen von Gottes Gnade, Mißerfolg deutete auf ewige Verdammnis.

93

Man darf wohl in dieser neuen Einstellung zu Leistung und Arbeit als Selbstzweck die wichtigste psychologische Veränderung sehen, die sich beim Menschen seit dem Aus- gang des Mittelalters feststellen läßt. In jeder Gesellschaft muß man arbeiten, um zu leben. Viele Gesellschaften haben das Problem so gelöst, daß sie die Arbeit von Sklaven verrich- ten ließen, so daß der Freie sich »edleren« Beschäftigungen widmen konnte. In solchen Gesellschaften war das Arbeiteneines freien Mannes unwürdig.

Das Neue in der modernen Gesellschaft war, daß die Menschen jetzt nicht mehr so sehr durch äußeren Druck zur Arbeit getrieben wurden, sondern durch einen inne- ren Zwang, der sie derart antrieb, wie das in anderen Gesell- schaften nur ein sehr strenger Fronmeister vermocht hätte.
Der innere Zwang spannte alle Energien wirksamer ein, als das ein Zwang von außen jemals erreicht hätte. Gegen äußeren Zwang lehnt sich der Mensch stets bis zu einem gewissen Grad auf, was seine Leistung beeinträchtigt oder ihn für eine diffe- renzierte Aufgabe unfähig macht, die Intelligenz, Initiative und Verantwortungsbewußtsein erfordert. Der innere Zwang zur Arbeit, durch den der Mensch zu seinem eigenen Sklaventrei- ber wurde, tat jenen Eigenschaften keinen Abbruch. Zweifel- los hätte sich der Kapitalismus nicht entwickeln können, wenn nicht der größte Teil der menschlichen Energie immer mehr in die Arbeit gesteckt worden wäre.

94

Das sogenannte Pflichtgefühl jedoch, wie es von der Reformation bis heute in seinen religiösen und weltlichen Rationalisierungen das gesamte Leben der Men- schen durchdringt, ist stark von Feindseligkeit gegen die eigene Person gefärbt. Das »Gewissen« ist ein Sklaventreiber, den der Mensch in sich selbst hineingenommen hat. Es stachelt ihn an zu Wünschen und Zielen, von denen der Betreffende glaubt, es seien seine eigenen, während es sich tatsächlich um die Inter- nalisierung äußerer, gesellschaftlicher Anforderungen handelt. Es treibt ihn barsch und grausam voran, verbietet ihm jedes Vergnügen und alles Glück und macht sein ganzes Leben zu einer Bußübung für irgendeine mysteriöse Sünde.

98

Die neue Charakterstruktur, die sich aus den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen ergab und die durch die religiösen Doktrinen noch intensi- viert wurde, spielte dann bei der weiteren gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung eine wichtige Rolle. Die in dieser Charakterstruktur begründeten Eigenschaften waren ein Zwang zur Arbeit, ein leidenschaftlicher Sparsinn, die Bereitschaft, sein ganzes Leben einer außerpersönlichen Macht zu weihen, Askese und ein zwanghaftes Pflichtgefühl – Charakterzüge, welche in der kapitalistischen Gesellschaft zu Produktivkräften wurden und ohne die die moderne wirt- schaftliche und gesellschaftliche Entwicklung undenkbar wäre.

102

………………

Kap 4

Unser Ziel ist, zu zeigen, daß die Struktur der modernen Gesellschaft den Menschen gleichzeitig auf zweierlei Weise beeinflußt: Er wird unabhängiger, er verläßt sich mehr auf sich selbst und wird kritischer; er wird aber andererseits auch isolierter, einsa- mer und stärker von Angst erfüllt. Wir können das Gesamtpro- blem der Freiheit nur verstehen, wenn wir beide Aspekte des Prozesses erkennen und nicht die eine Seite aus den Augen verlieren, während wir die andere verfolgen.

Wir glauben beispielsweise, die freie Glaubensausübung stelle einen der endgültigen Siege im Kampf um die Freiheit dar. Dabei machen wir uns nicht klar, daß es sich hierbei zwar um einen Sieg über jene Mächte von Kirche und Staat handelt, die dem Menschen nicht erlaubten, sich in seiner Glaubensausübung nach dem eigenen Gewissen zu richten, daß aber der moderne Mensch weitgehend die innere Fähigkeit verloren hat, überhaupt etwas zu glauben, was nicht natur- wissenschaftlich nachweisbar ist.

105

Wir haben das Gefühl, die Freiheit der Meinungsäußerung sei der letzte Schritt auf dem Sieges- marsch zur Freiheit. Dabei vergessen wir, daß die freie Meinungsäußerung zwar einen wichtigen Sieg im Kampf gegen alte Zwänge darstellt, daß der moderne Mensch sich aber in einer Lage befindet, wo vieles, was »er« denkt oder sagt, genau dasselbe ist, was auch alle anderen denken oder sagen; daß er sich nicht die Fähigkeit erworben hat, auf originelle Weise (das heißt selbständig) zu denken – was allein seinem Anspruch einen Sinn gibt, daß niemand das Recht hat, ihm die Äußerung seiner Meinung zu verbieten.

Der Höhepunkt der Entwicklung der Freiheit im politischen Bereich war der moderne demokratische Staat, der sich auf den Grundsatz der Gleichheit aller Menschen und des gleichen Rechts aller gründet, sich durch Repräsentanten seiner eige- nen Wahl an der Regierung zu beteiligen. Man erwartete jetzt von jedem, daß er sein eigenes Interesse verfolgte und dabei gleichzeitig das Gemeinwohl seines Volkes im Auge behielt.
Kurz, der Kapitalismus hat den Menschen nicht nur von seinen traditionellen Fesseln befreit, er hat auch in einem enormen Maß zur Vergrößerung der positiven Freiheit und zur Entwicklung eines tätigen, kritischen und verantwortungs- bewußten Selbst beigetragen.

108

Im Kapitalismus wurde die wirtschaftliche Betätigung, der Erfolg und der materielle Gewinn Selbstzweck. Es wurde zum Schicksal des Menschen, daß er zum Gedeihen des Wirtschafts- systems beitragen mußte, daß er Kapital anhäufen mußte, und dies nicht zum eigenen Glück oder Heil, sondern als Selbst- zweck. Der Mensch wurde zu einem Zahnrad im riesigen Wirt- schaftsapparat – zu einem wichtigen Zahnrad, falls er über viel Kapital verfügte, und zu einem unwichtigen, wenn er kein Geld hatte –, aber er war stets ein Zahnrad, das einem Zweck diente, der außerhalb seiner selbst lag. Die Bereitschaft, die eigene Person außermenschlichen Zwecken unterzuordnen, hatte der Protestantismus bereits vorbereitet, wenngleich Luther oder Calvin nichts ferner gelegen hätte, als ein solches Übergewicht der wirtschaftlichen Betätigung gutzuheißen. Aber sie hatten in ihrer theologischen Lehre immerhin dieser Entwicklung den Boden bereitet, indem sie dem Menschen sein geistiges Rückgrat brachen, ihm das Gefühl für seine Würde und seinen Stolz nahmen und ihn lehrten, er habe mit seiner Tätigkeit Zwecken zu dienen, die außerhalb seiner selbst liegen.

111

Es ist nicht so, wie das die romantische Liebe gerne haben möchte, daß es auf der Welt nur die eine einzige Person gibt, die man lieben kann, daß es die größte Chance im Leben eines Menschen ist, dieser Person zu begegnen, und daß die Liebe zu ihr zur Folge hat, daß man sich von allen anderen zurückzieht. Die Art von Liebe, die man nur einer einzigen Person gegenüber empfinden kann, ist eben aus diesem Grund keine wirkliche Liebe, sondern eine sadomasochistische Bin- dung.

115

Hieraus folgt, daß mein eigenes Selbst grundsätzlich ebensosehr ein Objekt meiner Liebe ist wie eine andere Person. Die Bejahung meines eigenen Lebens, meines Glücks, meines Wachstums und meiner Freiheit wurzelt in meiner grundsätzlichen Bereitschaft und Fähigkeit zu einer solchen Bejahung. Besitzt ein Mensch diese Bereitschaft, dann besitzt er sie auch sich selbst gegenüber; wenn er nur andere »lieben« kann, dann kann er überhaupt nicht lieben.

116

Der Mensch hat sich seine Welt aufgebaut, er baut Fabriken und Häuser, er produziert Autos und Textilien, er erntet Getreide und Früchte. Aber er ist den Erzeugnissen seiner Hände entfremdet, und er beherrscht die Welt nicht mehr, die er gebaut hat. Ganz im Gegenteil ist diese vom Men- schen geschaffene Welt zu seinem Herrn geworden, dem er sich beugt, den er zu besänftigen und so gut er kann zu mani- pulieren versucht. Das Werk seiner Hände ist zu seinem Gott geworden. Er scheint von seinem Selbstinteresse motiviert, in Wirklichkeit aber ist sein gesamtes Selbst mit allen seinen kon- kreten Möglichkeiten zu einem Werkzeug geworden, das den Zwecken eben jenes Apparates dient, den er selbst geschaffen hat. Er wiegt sich weiter in der Illusion, der Mittelpunkt der Welt zu sein, und ist dennoch von einem intensiven Gefühl seiner Bedeutungslosigkeit und Ohnmacht erfüllt, wie es seine Vorfahren einst bewußt Gott gegenüber empfanden.

..

Wenn für die Eigenschaften, die ein Mensch zu bieten hat, kein Bedarf besteht, dann hat er sie auch nicht, genauso wie eine unverkäufliche Ware wertlos ist, wenn sie auch ihren Gebrauchswert haben mag. Demnach ist auch das Selbstver- trauen, das »Selbstgefühl«, nur ein Hinweis darauf, was die anderen über einen denken. Es ist nicht »er«, der von seinem Wert ohne Rücksicht auf seine Beliebtheit und seinem Erfolg auf dem Markt überzeugt ist. Wenn Nachfrage nach jemandem besteht, dann ist er »wer«; wenn er nicht beliebt ist, dann ist er schlechtweg niemand.

120

Leider wird diese Unterscheidung oft nicht gemacht. Für die meisten Psychiater ist die Struktur ihrer eigenen Gesell- schaft etwas so Selbstverständliches, daß für sie ein nicht gut angepaßter Mensch das Stigma der Minderwertigkeit trägt. Andererseits gibt man einer gut angepaßten Person auf der Skala menschlicher Werte einen höheren Rang. Wenn wir die beiden Begriffe »normal« und »neurotisch« einander gegenüberstellen, so kommen wir zu folgendem Schluß: Der gut angepaßte, normale Mensch ist im Hinblick auf die mensch- lichen Werte oft weniger gesund als der neurotische.

137

Er bildet sich vielleicht ein, er wolle ihr Leben nur beherrschen, weil er sie so sehr liebe. Tatsächlich aber »liebt« er sie, weil er sie beherrscht. Er besticht sie mit Geschenken, mit seinem Lob und seinen Liebesbeteuerungen, mit seinem Geist und Witz oder auch mit seiner Fürsorge. Er vermag ihnen alles zu geben – alles, nur nicht das Recht, frei und unabhängig von ihm zu sein. Man findet diese Konstellation oft im Verhältnis von Eltern und Kindern. Hier versteckt sich dieses Beherr- schen- und Besitzenwollen oft unter etwas, das sich wie die »natürliche« Fürsorge für das Kind und wie der Wunsch, es zu beschützen, ausnimmt. Das Kind wird in einen goldenen Käfig gesetzt, es kann alles haben, vorausgesetzt, daß es nicht aus dem Käfig hinaus will. Die Folge ist oft, daß das heranwach- sende Kind eine tiefe Angst vor der Liebe hat, da »Liebe« für es soviel bedeutet wie gefangen und in seinem Streben nach Freiheit behindert zu sein.

145

Veröffentlicht in Lachen, Lösung, Philosophie, Politik, Reise, Spiritualität

Politische Assoziationen

Welt-Philosophie behinhaltet alles und doch nichts. Sie überschreitet lächelnd die Grenzen des bisherigen Denkens, indem sie sich jenseits des Denkens begibt. Sie ist nichts Neues, aber sie formuliert sich neuer, klarer, und mit mehr Genuss als es bisher geschehen ist.

Ich habe vieles gelesen aus dem Bereich der „Neuen Wissenschaft“, der neuen Politik und neuen Philosophie. Vieles wiederholt sich: Hanspeter Dürr, ein bekannter deutscher Physiker, betont die Wichtigkeit einer Verbindung von Wissenschaft und Spiritualität. Das haben vor ihm oder gleichzeitig mit ihm schon so viele gesagt: Deepak Chopra und die ganze Liga der „Evolutionary Leaders“ wie Gregg Braden, Bruce Lipton und wie sie alle heissen.

Wer sich interessiert, kann im Internet und auf Youtube wunderbare inspirierende Filme sehen – wie z.B. Hanspeter Dürr in einem Interview mit dem Schweizer Kanal „Sternstunde Philosophie“.

Dort erzählt er, dass er als junger Mann im Nachkriegsdeutschland, mit 16 Jahren, diesen ungeheuren Schuldvorwürfen ausgeliefert war, die aus der ganzen Welt auf ihn einstürmten. Er entschloss sich zu einem naturwissenschaftlichen Studium und ging in die USA. Er bewunderte seinen Doktorvater, Teller, der ein Schüler von Heisenberg war. Als er erfuhr, dass Teller am Bau der Bombe beteiligt war, erlitt allerdings diese Bewunderung einen Riss: Wie kann man mit der objektiven Wissenschaft solche Projekte verfolgen?

Dieses Beispiel zeigt, dass wir ruhig alles fröhlich in Frage stellen können. Dürr bezeichnet die Aussagen der damaligen US-Regierung als Lügen.
Wir stellen also die Wissenschaft in Frage – nicht nur weil sie Bomben baut, sondern weil sie manipuliert und einfach nicht stimmt.

Das sagt Dürr, der hochintelligente Wissenschaftler. Mit der Quantenphysik, die wir seit fast einem Jahrhundert kennen, haben sich sämtliche Parameter der Wissenschaft verändert. Nichts ist mehr logisch, und wir erfahren, dass unsere Gefühle der eigentliche Gradmesser sind. So ein Spass!
Dürr wurde Wissenschaftler, weil er Objektivität wollte. Heute ist er ein Wissenschaftler der subjektiven Gefühle, der Spiritualität, der Visionen.

Ich habe viele solche Geschichten von Wissenschaftlern zur Kenntnis genommen. Meistens bleiben diese Gelehrten trotz allem Gelehrte. Sie sprechen zwar von Intuition, von Gefühl, von Verschmelzung – aber sie bleiben doch mental.

Bei den Indern ist es meist anders. Sie kommen aus einer Kultur der Hingabe und der Verschmelzung; für sie ist das Göttliche selbstverständlich.

Wir Westler aber haben generell den Glauben verloren, und das ist ein wenig tragisch. Wir können den Glauben u.a. lachend wieder gewinnen. Dann hat er allerdings eine Leichtigkeit, die er in den meisten traditionellen Kulturen nicht hatte. Dann sind wir nicht mehr „tief gläubig“, sondern „hoch inspiriert“, begeistert, be-geistet. Dann lösen wir uns vom Mentalen, lachen über das Mentale, tänzeln und geniessen die wunderbare Welt.

Gestern habe ich mich mit Evo Morales, dem Präsidenten von Bolivien, befasst. Morales ist der erste indigene Präsident in diesem Land. Er repräsentiert 70 % Indios und ist eine Integrationsfigur. Er das Land seit seiner Wahl 2006 zur Ruhe gebracht, und er versucht, die Völker des Südens „zu Protagonisten ihrer eigenen Entwicklung“ zu machen.
Unter anderem wurde er von der Vollversammlung der Vereinten Nationen als „Welt-Held von Mutter Erde“ geehrt (http://www.laht.com/article.asp?ArticleId=342574&CategoryId=14919).
In dem Zeitungsartikel heisst es, dass sich Morales u.a. dafür engagiert hat, dass die UNO den „Internationalen Tag von Mutter Erde“ eingerichtete.
Das Motiv der Mutter Erde hängt zusammen mit der indigenen Tradition von „Pachamama“, der Erdenmutter.

Morales hat den Einfluss der Amerikaner und anderer westlicher Mächte in Bolivien zurückgedrängt und die Gasvorkommen verstaatlicht. Er will, dass die Reichtümer des Landes den Bolivianern zugutekommen. Dies auf dem Hintergrund der Tatsache, dass die Spanier jahrhundertelang die Indios unter unwürdigen Bedingungen in die Bergwerke geschickt haben.

Morales ist also Repräsentant einer „dritten Kraft“ – einer Kraft, von der wir schon lange reden und die wir uns wünschen.
Die sogenannte dritte Welt emanzipiert sich, findet eine neue/alte Identität, macht sich unabhängig.

Brasilien ist im wirtschaftlichen Feld führend und heute ein gleichwertiger Partner der USA.  Europa strauchelt von einer Krise in die andere, während Indien und China wirtschaftlich aufwärts stürmen.

Es gibt einen faszinierenden Film auf Youtube von Peter Scholl-Latour: Das Ende der weissen Weltherrschaft: http://www.youtube.com/watch?v=g3grnq2rCfU
Dort wird im zweiten Kapitel auch Bolivien als Beispiel gezeigt. Scholl-Latour ist für seinen Film um die halbe bzw. ganze Welt gereist. Er zeigt die Zusammenhänge und belegt das Ende der weissen Weltherrschaft. Da ist es wirklich Zeit für eine Welt-Philosophie!  Eine Philosophie der Herzens fern von Ausbeutung, eine Philosophie der liebevollen Transzendenz und der lachenden Verbundenheit.

Ich werde diese Philosophie in Südamerika mit mir tragen. Ich will sie teilen mit den Menschen. Ich denke daran, einen Vortrag „Welt-Philosophie und die Zukunft von Bolivien“ der bolivianischen Regierung anzubieten.
Denn obwohl es als sinnvoll erscheint, dass die Bolivianer sich nun ernsthaft auf sich selbst stellen und den westlichen Einfluss ablehnen, so kann es doch in der weiteren Zukunft wiederum eine gute Idee sein, sich auch von dieser Parteinahme zu lösen und sich zu versöhnen mit den „Menschen, die guten Willens sind“, im Sinne einer neuen Weltkultur der Brüderlichkeit.

Und später gibt es dann einen Vortrag „Welt-Philosophie und die Zukunft der Schweiz“. Das wird lustig und sicher inspirierend!

Und natürlich auch einen Vortrag „Welt-Philosophie und die Zukunft des Geländes T.“. Das wird am Allerlustigsten!

Veröffentlicht in Philosophie, Spiritualität

5 Ueber das Lächeln

MIt Ketut Liyer in Bali
Der lächelnde Schamane – eine Begegnung der glücklichen Art

Lächeln ist eine göttliche Energie, eine himmlische Medizin, ein Nektar der Seele. Schaut auf die Menschen, die lächeln, singen, pfeifen und lachen: Sie haben das Leben verstandn, sie sind verbunden mit sich selbst und mit Gott.

Wir haben in Bali einen lächelnden Heiler getroffen. Er wusste um die Kraft des Lächelns und praktiziert die „Lächel-Meditation“. Das ist eine einfache, heilende, inspirierende Meditations-Form ohne Anstrengung.

Lächle gerade jetzt! Lächle über dich, lächle ohne Grund, lächle einfach so!

Bravo bravissimo! Hihihi

Hier folgt unser Reisebericht über die Begegnung mit dem lächelnden Schamanen in Bali (aus unserem Büchlein „Reisen in andere Welten“, 2011)

Der lächelnde Schamane

Versuche es mit der Lächel-Meditation, die der Heiler Ketut Liyer so schön beschreibt und praktiziert!

Hier aus diesem Anlass unsere Begegnung mit Ketut:

In Ubud treffen wir einen Schamanen der besonderen Art: Ketut Liyer. Ketut, der sein Alter mit 96 angibt, ist bekannt geworden durch das Buch und den Film „Eat, Pray, Love“. Die Heldin und Autorin des Buches, Elizabeth Gilbert, ist auf ihrer „Suche nach allem“ als letzter Station in Bali gelandet. Ketut Liyer wird ihr Berater, und er führt sie u.a. in die „Lächel-Meditation“ ein.

Wir wollen Ketut kennen lernen. Die Stellen im Buch und im Film sind berührend und kraftvoll. Hier ein Beispiel:

Liz ist zerrissen, ruhelos. Da rät ihr Ketut zur Lächel-Meditation. „Sitze schweigend und lächle“, sagt er ihr. So einfach ist das! (Der Mann ist ein einziges Lächeln). Dann erklärt er ihr, dass diese Meditation einfacher sei als die komplizierten Yoga-Übungen, die sie in Indien gelernt hat. Er lacht los und sagt (aus dem Englischen übersetzt): „Warum schauen sie immer so ernst im Yoga? Wenn du so ein Gesicht machst, dann verjagst du die gute Energie. Um zu meditieren, brauchst du bloss zu lächeln. Lächle mit dem Gesicht, lächle mit dem Geist, dann wird die gute Energie kommen, und sie wird die schlechte Energie beseitigen…Probiere es heute abend in deinem Hotel, aber nicht zu stark. Zu viel Ernst macht dich krank.“

Wir wissen aus den Schilderungen von Gilbert, dass Ketut bereits in siebter Generation Medizinmann ist. Er hat die gesamte Pflanzenwelt Balis studiert und auch die schwarze Magie gelernt, die er einsetzt, um andere schwarze Magie zu heilen. Und natürlich beherrscht er die Heilkunst und das Handlesen. Er ist eingeweiht in die magischen Geheimnisse Balis.

Da ich gerade einen Film für Youtube produziere über die Inspiration der Freude, würde ich gerne Ketut interviewen. Christina ist an einem Handlesen von ihm interessiert, und so machen wir uns eines Morgens mit dem Roller auf den Weg. Unser „Boy“ von der Pension fährt voraus, damit wir den Weg finden. Der Film hat Ubud und Ketut berühmt gemacht, und so weiss hier jeder, wo er wohnt.

Wir betreten seinen Hof um ca. 9 Uhr vormittags. Es ist eines der gewohnten balinesischen Gehöfte; nicht grösser oder prunkvoller als andere. Hier ist offensichtlich noch alles beim Alten, obwohl der Heiler wahrscheinlich inzwischen gut verdient durch seine Publizität. Es erwartet uns auch kein Übersetzer oder Manager; wir werden nicht von einem Büro-Drachen abgewiesen und müssen nicht nachweisen, dass wir es wert sind, ihn zu besuchen.

Nach kurzer Zeit entdecken wir blaue Nummern-Kärtchen, und es wird uns klar, dass wir ein solches Kärtchen ziehen sollten, damit die Reihenfolge klar ist.

Wir sehen, dass bereits eine Frau beraten wird. Sie sitzt mit Ketut auf einer Art Podest, typisch für balinesische Höfe.

Danach erhebt sich Ketut und kommt auf uns zu. Er sieht schon ziemlich betagt aus; ein einzelner Zahn belebt noch seinen Mund, und ein breites Lächeln geht ständig von ihm aus.

„Ich sehr glücklich, Sie zu sehen,“ sagt er zu Christina. „Sie sehr hübsch, und Ihr Mann sieht sehr gut aus.“ Wir schmelzen dahin. Er sagt das wahrscheinlich zu jedem, aber er sagt es mit so viel Charme und Unschuld!

Nun erhält Christina ihre Hand-Lesung. Ketut liest aber nicht nur die Hand, sondern er liest auch im Gesicht, analysiert die Ohren, die Arme, die Beine. Erstaunlicherweise wird sie 100 Jahre alt, sie ist sehr gesund, und vor allem ist sie eine Königin. Wie recht er hat! Auch das Geld wird haufenweise kommen.

Ich sitze die ganze Zeit dabei und bewundere meine Frau noch mehr als sonst schon: Wie sie all die Komplimente mit vollendeter Grazie entgegennimmt! Wir fotografieren und filmen teilweise, und es gibt ein schönes Abschlussbild von uns dreien.

Am Schluss versuche ich, die Idee mit dem Interview an den Mann zu bringen. „Ich nur wenig Zeit“, sagt er. „Viele Menschen wollen Handlesen“.

Er hat recht, denn inzwischen haben sich etwa 20 Westler im Hof versammelt. Wir vereinbaren, am nächsten Morgen früh zu kommen.

Tatsächlich rücken wir am nächsten Tag bereits um 8 Uhr an. Ketut ist noch nicht zu sehen. Nach längerer Wartezeit kommt er auf uns zu: „Ich sehr glücklich, Sie zu sehen“, undsoweiter. Leider kann er sich an uns nicht wirklich erinnern, er ist ja schon etwas älter. Ich murmle etwas von einem Interview und einem Film. „Ich mache Handlesen“, sagt er strahlend. „Während Handlesen wir können filmen.“

Dann schreitet er zum Frühstück.

Leichte Zweifel befallen mich, ob das Interview je zustande kommen wird. Christina ist da auch nicht ganz sicher.

Schliesslich – es ist schon bald 10 Uhr – können wir uns mit Ketut auf das Podest begeben. Christina filmt, ich stelle die Fragen. Ich erkläre ihm, dass es um die Lächel-Meditation geht, und da ist er plötzlich ganz lebendig und gegenwärtig. Er versteht den Sinn unseres Films und erklärt ohne Scheu das Geheimnis dieser Meditation. (Ein Teil dieser Erklärungen kann in unserem Youtube-Film betrachtet werden: http://www.youtube.com/watch?v=WnHv0hRY6qI)

Plötzlich zieht er das Buch von Elizabeth Gilbert hervor, von ihr persönlich signiert. Ich bezweifle, ob er es lesen konnte, und ich weiss auch nicht, inwiefern er über den Welterfolg des Buchs und des Films informiert ist. Er lebt in so einer anderen Welt! In Ubud gibt es kein Kino. Wir haben niemand in Ketuts Hof gesehen, der besser Englisch spricht als er.

Daher erzähle ich ihm ein wenig, was drin steht. Z.B. die Sache mit dem Unfall, mit der Lampen-Explosion, die ihn fast seinen Arm gekostet hätte. Und die Geschichte mit der wunderbaren Heilung mit der Hilfe seiner Vorväter, die ihm im Traum erschienen waren. Und dann seine Verwandlung zum Heiler, als er tagelang fastete, fast ohnmächtig wurde und in seiner Trance ein goldenes Licht sah, das auf ihn einströmte – das goldene Licht Gottes.

„Das steht in Buch?“ fragt er fast ungläubig.

Dann zieht er ein Brieflein von Liz Gilbert hervor, das er kürzlich erhalten hat. Ich soll es ihm vorlesen. Sie fragt darin, wie es ihm geht nach einer kürzlichen Operation. Sie drückt aus, dass sie ihn gern hat. „Sie mich liebt?“ fragt er treuherzig und fast erschrocken.

Am Schluss frage ich ihn noch einmal nach der Lächel-Meditation. Er erklärt, dass zwischen dem Kronen-Chakra über dem Kopf und den beiden Schultern eine Energie-Verbindung besteht. Dann macht er’s uns vor, ohne dass wir gefragt haben. Tatsächlich scheint er in eine Art leichter Trance zu fallen und ist lächelnd ganz in sich versunken.

Am Schluss erklärt er: „Ich das mache jeden Abend.“

Dieser lächelnder Schamane bringt uns das einfache Lächeln.

Gilbert schreibt, dass diese Ratschläge ihr sehr geholfen haben. Sie konnte sich von ihrem komplizierten, überernsten Denken lösen und fand Frieden im Lächeln.

Natürlich praktizieren wir nun auch die Lächel-Meditation. Sie ist eine gute Ergänzung unserer täglichen Lach-Meditation, und wir können sie gerade an diese anschliessen. Sie macht erlebbar, dass alles gut, dass alles Glückseligkeit und Fülle ist.

Lächeln ist eine göttliche Energie, eine himmlische Medizin, ein Nektar der Seele. Schaut auf die Menschen, die lächeln, singen, pfeifen und lachen: Sie haben das Leben verstandn, sie sind verbunden mit sich selbst und mit Gott.

Wir haben in Bali einen lächelnden Heiler getroffen. Er wusste um die Kraft des Lächelns und praktiziert die „Lächel-Meditation“. Das ist eine einfache, heilende, inspirierende Meditations-Form ohne Anstrengung.

Lächle gerade jetzt! Lächle über dich, lächle ohne Grund, lächle einfach so!

Bravo bravissimo! Hihihi

Hier folgt unser Reisebericht über die Begegnung mit dem lächelnden Schamanen in Bali (aus unserem Büchlein „Reisen in andere Welten“, 2011)

Der lächelnde Schamane

Versuche es mit der Lächel-Meditation, die der Heiler Ketut Liyer so schön beschreibt und praktiziert!

Hier aus diesem Anlass unsere Begegnung mit Ketut:

In Ubud treffen wir einen Schamanen der besonderen Art: Ketut Liyer. Ketut, der sein Alter mit 96 angibt, ist bekannt geworden durch das Buch und den Film „Eat, Pray, Love“. Die Heldin und Autorin des Buches, Elizabeth Gilbert, ist auf ihrer „Suche nach allem“ als letzter Station in Bali gelandet. Ketut Liyer wird ihr Berater, und er führt sie u.a. in die „Lächel-Meditation“ ein.

Wir wollen Ketut kennen lernen. Die Stellen im Buch und im Film sind berührend und kraftvoll. Hier ein Beispiel:

Liz ist zerrissen, ruhelos. Da rät ihr Ketut zur Lächel-Meditation. „Sitze schweigend und lächle“, sagt er ihr. So einfach ist das! (Der Mann ist ein einziges Lächeln). Dann erklärt er ihr, dass diese Meditation einfacher sei als die komplizierten Yoga-Übungen, die sie in Indien gelernt hat. Er lacht los und sagt (aus dem Englischen übersetzt): „Warum schauen sie immer so ernst im Yoga? Wenn du so ein Gesicht machst, dann verjagst du die gute Energie. Um zu meditieren, brauchst du bloss zu lächeln. Lächle mit dem Gesicht, lächle mit dem Geist, dann wird die gute Energie kommen, und sie wird die schlechte Energie beseitigen…Probiere es heute abend in deinem Hotel, aber nicht zu stark. Zu viel Ernst macht dich krank.“

Wir wissen aus den Schilderungen von Gilbert, dass Ketut bereits in siebter Generation Medizinmann ist. Er hat die gesamte Pflanzenwelt Balis studiert und auch die schwarze Magie gelernt, die er einsetzt, um andere schwarze Magie zu heilen. Und natürlich beherrscht er die Heilkunst und das Handlesen. Er ist eingeweiht in die magischen Geheimnisse Balis.

Da ich gerade einen Film für Youtube produziere über die Inspiration der Freude, würde ich gerne Ketut interviewen. Christina ist an einem Handlesen von ihm interessiert, und so machen wir uns eines Morgens mit dem Roller auf den Weg. Unser „Boy“ von der Pension fährt voraus, damit wir den Weg finden. Der Film hat Ubud und Ketut berühmt gemacht, und so weiss hier jeder, wo er wohnt.

Wir betreten seinen Hof um ca. 9 Uhr vormittags. Es ist eines der gewohnten balinesischen Gehöfte; nicht grösser oder prunkvoller als andere. Hier ist offensichtlich noch alles beim Alten, obwohl der Heiler wahrscheinlich inzwischen gut verdient durch seine Publizität. Es erwartet uns auch kein Übersetzer oder Manager; wir werden nicht von einem Büro-Drachen abgewiesen und müssen nicht nachweisen, dass wir es wert sind, ihn zu besuchen.

Nach kurzer Zeit entdecken wir blaue Nummern-Kärtchen, und es wird uns klar, dass wir ein solches Kärtchen ziehen sollten, damit die Reihenfolge klar ist.

Wir sehen, dass bereits eine Frau beraten wird. Sie sitzt mit Ketut auf einer Art Podest, typisch für balinesische Höfe.

Danach erhebt sich Ketut und kommt auf uns zu. Er sieht schon ziemlich betagt aus; ein einzelner Zahn belebt noch seinen Mund, und ein breites Lächeln geht ständig von ihm aus.

„Ich sehr glücklich, Sie zu sehen,“ sagt er zu Christina. „Sie sehr hübsch, und Ihr Mann sieht sehr gut aus.“ Wir schmelzen dahin. Er sagt das wahrscheinlich zu jedem, aber er sagt es mit so viel Charme und Unschuld!

Nun erhält Christina ihre Hand-Lesung. Ketut liest aber nicht nur die Hand, sondern er liest auch im Gesicht, analysiert die Ohren, die Arme, die Beine. Erstaunlicherweise wird sie 100 Jahre alt, sie ist sehr gesund, und vor allem ist sie eine Königin. Wie recht er hat! Auch das Geld wird haufenweise kommen.

Ich sitze die ganze Zeit dabei und bewundere meine Frau noch mehr als sonst schon: Wie sie all die Komplimente mit vollendeter Grazie entgegennimmt! Wir fotografieren und filmen teilweise, und es gibt ein schönes Abschlussbild von uns dreien.

Am Schluss versuche ich, die Idee mit dem Interview an den Mann zu bringen. „Ich nur wenig Zeit“, sagt er. „Viele Menschen wollen Handlesen“.

Er hat recht, denn inzwischen haben sich etwa 20 Westler im Hof versammelt. Wir vereinbaren, am nächsten Morgen früh zu kommen.

Tatsächlich rücken wir am nächsten Tag bereits um 8 Uhr an. Ketut ist noch nicht zu sehen. Nach längerer Wartezeit kommt er auf uns zu: „Ich sehr glücklich, Sie zu sehen“, undsoweiter. Leider kann er sich an uns nicht wirklich erinnern, er ist ja schon etwas älter. Ich murmle etwas von einem Interview und einem Film. „Ich mache Handlesen“, sagt er strahlend. „Während Handlesen wir können filmen.“

Dann schreitet er zum Frühstück.

Leichte Zweifel befallen mich, ob das Interview je zustande kommen wird. Christina ist da auch nicht ganz sicher.

Schliesslich – es ist schon bald 10 Uhr – können wir uns mit Ketut auf das Podest begeben. Christina filmt, ich stelle die Fragen. Ich erkläre ihm, dass es um die Lächel-Meditation geht, und da ist er plötzlich ganz lebendig und gegenwärtig. Er versteht den Sinn unseres Films und erklärt ohne Scheu das Geheimnis dieser Meditation. (Ein Teil dieser Erklärungen kann in unserem Youtube-Film betrachtet werden: http://www.youtube.com/watch?v=WnHv0hRY6qI)

Plötzlich zieht er das Buch von Elizabeth Gilbert hervor, von ihr persönlich signiert. Ich bezweifle, ob er es lesen konnte, und ich weiss auch nicht, inwiefern er über den Welterfolg des Buchs und des Films informiert ist. Er lebt in so einer anderen Welt! In Ubud gibt es kein Kino. Wir haben niemand in Ketuts Hof gesehen, der besser Englisch spricht als er.

Daher erzähle ich ihm ein wenig, was drin steht. Z.B. die Sache mit dem Unfall, mit der Lampen-Explosion, die ihn fast seinen Arm gekostet hätte. Und die Geschichte mit der wunderbaren Heilung mit der Hilfe seiner Vorväter, die ihm im Traum erschienen waren. Und dann seine Verwandlung zum Heiler, als er tagelang fastete, fast ohnmächtig wurde und in seiner Trance ein goldenes Licht sah, das auf ihn einströmte – das goldene Licht Gottes.

„Das steht in Buch?“ fragt er fast ungläubig.

Dann zieht er ein Brieflein von Liz Gilbert hervor, das er kürzlich erhalten hat. Ich soll es ihm vorlesen. Sie fragt darin, wie es ihm geht nach einer kürzlichen Operation. Sie drückt aus, dass sie ihn gern hat. „Sie mich liebt?“ fragt er treuherzig und fast erschrocken.

Am Schluss frage ich ihn noch einmal nach der Lächel-Meditation. Er erklärt, dass zwischen dem Kronen-Chakra über dem Kopf und den beiden Schultern eine Energie-Verbindung besteht. Dann macht er’s uns vor, ohne dass wir gefragt haben. Tatsächlich scheint er in eine Art leichter Trance zu fallen und ist lächelnd ganz in sich versunken.

Am Schluss erklärt er: „Ich das mache jeden Abend.“

Dieser lächelnder Schamane bringt uns das einfache Lächeln.

Gilbert schreibt, dass diese Ratschläge ihr sehr geholfen haben. Sie konnte sich von ihrem komplizierten, überernsten Denken lösen und fand Frieden im Lächeln.

Natürlich praktizieren wir nun auch die Lächel-Meditation. Sie ist eine gute Ergänzung unserer täglichen Lach-Meditation, und wir können sie gerade an diese anschliessen. Sie macht erlebbar, dass alles gut, dass alles Glückseligkeit und Fülle ist.